"Mit Berufsheer kein Problem"

9. Februar 2011, 18:03
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Bischofsvikar Freistetter sieht ohne Wehrpflicht einen erhöhten Seelsorgebedarf

Wien - Es gibt wohl derzeit keine Diözese in Österreich, die mit mehr Spannung die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht verfolgt, als die Militärdiözese. Was für Bischofsvikar Werner Freistetter aber durchaus logisch ist: "Wir sind halt in Österreich die Diözese, die am engsten an Entscheidungen der Politik gebunden ist."

Einem möglichen Fall der Wehrpflicht steht man im Militär-ordinariat gelassen gegenüber. "Ob die Wehrpflicht fällt oder nicht, ist eine rein politische Entscheidung, die wir vonseiten der Militärdiözese nicht zu beurteilen haben. Aber ganz egal, welches Modell kommt: Wir sind flexibel und bereit uns neuen Rahmenbedingungen anzupassen", sagt Freistetter im Standard-Gespräch.

Und was würde sich ohne Wehrpflicht für die Militärdiözese ändern? Freistetter: "Wir hätten mit einem Berufsheer kein Problem und wahrscheinlich sogar mehr Arbeit. Im internationalen Vergleich hat sich etwa in Frankreich oder Italien gezeigt, dass durch die Einführung eines Berufsheers auch der Seelsorgebedarf gestiegen ist. Die Ausbildung ist bei Berufssoldaten spezifischer, die Auslandseinsätze werden mehr - da braucht es eine gute menschliche Begleitung."

18 Pfarren in Österreich

Die Militärseelsorge gehört zu den ältesten "kategorialen" Seelsorgeformen, deren historische Wurzeln bis ins 16. Jahrhundert reichen. Die österreichische Militärdiözese umfasst derzeit rund 100. 000 Katholiken. Neben 18 auf die Bundesländer verteilten Militärpfarren gibt es drei "Pfarren" in Einsatzgebieten des Bundesheeres auf dem syrischen Golan, im Kosovo und in Bosnien. Insgesamt versehen 22 Militärgeistliche in diesen Einsätzen ihren Dienst. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, Printausgabe, 10.2.2011)

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