Lithium-Vorkommen wird australisch

9. Februar 2011, 17:46
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Das europaweit wahrscheinlich größte Vorkommen an Lithium befindet sich bei der Koralpe. Nun soll dieser Schatz nun gehoben werden

Das europaweit wahrscheinlich größte Vorkommen an Lithium befindet sich bei der Koralpe. Mithilfe von australischem Geld und Know-how soll dieser Schatz nun gehoben werden.

Wien – Die in Australien beheimatete Rohstoffexplorations- und Bergbau-Gesellschaft East Coast Minerals (ECM) will künftig das im steirisch-kärntnerischen Grenzgebiet, im Bereich der Koralpe, liegende Lithium-Vorkommen abbauen. Diese still gelegte Mine gehört derzeit zur Kärntner Montanindustrie, einem Unternehmen, das in der Gegend Eisenglimmer abbaut.

Laut Angaben von East Coast Minerals wird die Gesellschaft 80 Prozent des österreichischen Lithium-Projekts erwerben. Die Kärntner Montanindustrie war zu dem Vorhaben nicht zu sprechen; laut Firmenbuch gehört das ehemals staatliche Bergbauunternehmen zur Beteiligungsfirma Rivendell, an dem wiederum Montanindustrie-Geschäftsführer Andreas Henckel von Donnersmarck maßgeblich beteiligt ist.

Zweckgesellschaft

Abgewickelt werden soll der Deal zwischen Kärnten und Australien bis zum 31. Mai über eine Dubaier Firma namens Exchange Minerals Limited (EML), mit der die entsprechende Rahmenvereinbarung über den Kauf abgeschlossen wurde. Der Kaufpreis wird mit 9,95 Millionen Euro angegeben und soll in Aktien und Cash beglichen werden. Die ECM, die an der australischen Börse gelistet ist und bisher hauptsächlich Silber förderte, plant zur Finanzierung des österreichischen Lithium-Projekts eine Kapitalerhöhung in Höhe von 2,6 Millionen Australischen Dollar (1,92 Millionen Euro).

Bisher war der untertägige Abbau von Lithium ja nicht wirtschaftlich; beim chilenischen Salzsee Salar de Atacama kann Lithium kostengünstiger, weil über Tag, gewonnen werden. 42 Prozent des weltweiten Bedarfs an Lithium kommt deshalb aus Chile.

Doch mit neuen Technologien kann sich dies ändern. Der Bedarf an Lithium wird in den nächsten Jahrzehnten stark ansteigen, hielt die EU-Kommission in ihrem kürzlich vorgelegten Bericht zur Rohstoffversorgung der EU mit Erzen und Mineralien fest. Die Importabhängigkeit der EU von Lithium wird in diesem Bericht zwar als nicht so gravierend wie bei den Seltenen Erden angegeben – diese kommen derzeit zu 97 Prozent aus China – dennoch ist die Abhängigkeit hoch und könne eine technologische Weiterentwicklung Europas behindern. Automobilindustrie, Mobiltelefonhersteller und Solarenergiefirmen setzen bei ihren Batterie- und Akkukonzepten vermehrt auf Lithium.

Abbaurechte

Diese zukunftsträchtigen Einsatzgebiete haben auch andere Unternehmen auf das weiche, silbrig-weiße Metall aufmerksam werden lassen. So hat die deutsche Solarworld AG kürzlich bekannt geben, in die Förderung des Leichtmetalls im Erzgebirge einzusteigen. Das Unternehmen sicherte sich die Abbaurechte für ein Gebiet bei Zinnwald.

Trotzdem wird angenommen, dass der Lithium-Preis noch einige Zeit unter Druck bleiben wird, da große Anbieter ihre bisher ungenutzten Kapazitäten auf den Markt bringen wollen.

Das Vorkommen bei der Koralpe ist geologisch gut erforscht. In den 80-er Jahren, als die Kärntner Montanindustrie noch zur Verstaatlichten gehörte, wurde das Stätte genau unter die Lupe genommen und 16.000 Probebohrungen durchgeführt. Geschätzt wird, dass bereits rund acht Millionen Euro in die Infrastruktur des Projektes flossen. Eine Ausbeutung wurde wegen der damals niedrigen Preise trotzdem nicht begonnen. Statt dessen wurde die Mine geschlossen, aber weiter in Stand gehalten.

Nach diversen geologischen Berechnungsweisen schlummern Vorräte von 18 Millionen Tonnen mit einem Gehalt von 1,6 Prozent Lithiumoxid im Erdreich der Kor-alpe; laut ECM sollen im Rahmen weiterer Explorationsarbeiten nochmals acht bis 12 Millionen Tonnen nachgewiesen werden: "Aufgrund der geologischen Situation gibt es gute Aussichten, dass das Vorkommen größer ist als bisher angenommen." (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.2.2011)

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    Hybrid-Autos, etwa von Toyota, setzen bei ihrer Stromspeicherung auf sogenannte Lithium-Ion-Batterien. Dies lässt die Nachfrage nach dem Industriemetall steigen.

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