Mancher Lehrer-Engpass endet an Landesgrenze

9. Februar 2011, 18:06
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Gemenge aus regionalem Überschuss und Mangel

WIEN

In den kommenden fünf Jahren werden sich laut Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (SP) die Reihen in den Lehrerzimmern weiter lichten. Erst danach wird es genug junge Pädagogen geben, um jene zu ersetzen, die in den Ruhestand gehen. Allein heuer erreichen 1500 Wiener Lehrer das Pensionsalter.

In den Pflichtschulen und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) sind derzeit alle Posten besetzt, an den AHS gibt es fünf freie Stellen. Auch in Wien behilft man sich aber mit Lehramtsstudenten: An den Volksschulen und Hauptschulen sind 98 im Einsatz, an den AHS 86, an den BMHS 38. Besonders gesucht sind Lehrer für Mathematik, Physik und Chemie sowie für Förderunterricht. (hei)

SALZBURG

Für die Pflichtschulen sieht Landesschulratspräsident Herbert Gimpl (SPÖ) derzeit noch kein Problem. Eng ist es im AHS und BHS-Bereich. 40 bis 50 Vollzeitverpflichtungen in den Fächern Mathematik, Englisch, Deutsch wären kommendes Schuljahr zu besetzen. Sollte dies nicht gelingen, will Gimpl von Mentoren begleitete Unterrichtspraktikanten einsetzen. Auch an eine freiwillige Rückkehr von pensionierten Pädagogen ist gedacht.

Gimpl sieht zwei Ursachen für den aktuellen Lehrermangel: Die Beschäftigungsentwicklung laufe azyklisch zu den Schülerzahlen, und Anfang des vergangenen Jahrzehntes habe Ministerin Elisabeth Gehrer (ÖVP) noch vom Lehramtsstudium abgeraten. Gimpl: "Eine Fehlentscheidung. " (neu)

VORARLBERG

Die gegenwärtig "angespannte" Situation werde sich durch die Pensionierungswelle der nächsten Jahre weiter verschärfen, befürchtet Landesrat Siegi Stemer (ÖVP). An den Volksschulen fehlen sogenannte "Springer", in den höheren Schulen Lehrende für naturwissenschaftliche und technische Fächer. 76 Lehrkräfte aus Pflichtschulen gingen 2010/11 in Pension, 54 wurden eingestellt. Noch gleicht man den Personalengpass durch Überstunden aus. Fünf Lehrpersonen wurden aus der Pension zurückgeholt, 13 Lehrende haben ihre Ausbildung noch nicht abgeschlossen.

Motivationskampagnen sollen Schulabgänger für den Lehrberuf begeistern. In Abschlussklassen werden Folder mit dem Slogan "Du bist gefragt" verteilt. (jub)

TIROL

Keinen Lehrermangel gebe es in Tirol im Pflichtschulbereich, sagt die zuständige Landesrätin Beate Palfrader (ÖVP). Die Bildungsplanung sei immer auf 15 Jahre angelegt. Deshalb gebe es auch kaum Stellen, die in den 51 Neuen Mittelschulen (NMS) nicht besetzt werden könnten. Aus der Pension müssten ebenfalls keine Lehrer zurückgeholt werden. Im Herbst, wenn der nächste Jahrgang in die NMS startet, könnte es im Bereich der Bundeslehrer (AHS-Lehrer) eng werden. Die Stellen würden dann eben mit Landes- und nicht mit Bundeslehrern besetzt. Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) habe bereits genehmigt, dass in Ausnahmefällen, wenn fachspezifisch möglich, Pflichtschullehrer statt AHS-Lehrern eingesetzt werden könnten. (ver)

STEIERMARK

"Im Moment haben wir alle Stellen besetzt, wir sehen aber Engpässen entgegen", sagt der Präsident des Landesschulrates der Steiermark Wolfgang Erlitz (SPÖ). Einen Lehrermangel gebe es nicht, da etwa 800 Lehrer auf der Warteliste stehen. Bedarf gibt es aber in naturwissenschaftlichen Fächern. Dazu kommt, dass Junglehrer städtische Schulen bevorzugen und solche Stellen am Land schwer nachbesetzt werden können. Eine Mischform aus Anreiz und "leichten Zwang" soll Abhilfe schaffen: Dreijahresverträge anstelle von Einjahresverträgen und verpflichtende Lehre am Land für Junglehrer. Von einer Rückholung pensionierter Lehrer sieht Erlitz ab. Eher würde er Studenten in der Endphase einsetzen. Er hofft aber, dass steigende Absolventenzahlen das Problem lösen werden. (vs)

KÄRNTEN

"Wir haben einen Lehrermangel in Mathematik und Informatik, aber keine personellen Engpässe", betont Kärntens Landesschulratspräsident Walter Ebner (FPK). Durch den regen Zuspruch für die Neue Mittelschule habe sich doch ein erhöhter Personalbedarf ergeben. In Kärnten habe man allerdings rechtzeitig vorgesorgt, denn 2013/14 werde es vor allem in den mittleren und höheren Schulen eine Pensionierungswelle geben. Eine Rückholaktion pensionierter Pädagogen werde es aber nicht geben. Vorerst würde man mit einem Notfallplan das Auslangen finden, sekundiert Vizelandesschulratspräsident Rudi Altersberger (SPÖ). Im Kärntner Pflichtschulbereich dagegen stehen nach wie vor rund 700 Lehrerinnen und Lehrer auf den Wartelisten. (stein)

NIEDERÖSTERREICH

"Wir haben keinen Lehrermangel", heißt es im Büro des amtsführenden niederösterreichischen Landesschulratspräsidenten Hermann Helm (ÖVP). Daher müsse man auch nicht - wie in anderen Bundesländern - pensionierte Lehrer wieder aus dem Ruhestand holen. Einen Engpass gibt es dennoch, vor allem in den AHS. Daher unterrichten im laufenden Schuljahr etwa 80 junge Menschen, die noch mitten im Studium sind, an höheren Schulen in Niederösterreich.

Vor allem in den Schularbeitsfächern Englisch, Deutsch und Mathematik mangelt es derzeit an Pädagogen. Auch in naturwissenschaftlichen Fächern und im Sportunterricht sind überdurchschnittlich viele Studierende im Einsatz. (hei)

BURGENLAND

Drei Jahre noch, dann werde es leichter, meint Burgenlands Landesschulratspräsident Gerhard Resch (SPÖ), denn "bis 2013 gilt ja die Hacklerregelung". Bis dahin brauchen die pannonischen Schulen jährlich rund 300 neue Lehrer. Noch habe man keine Pensionisten zurückgerufen, "aber wir können uns das bei der Nachmittagsbetreuung vorstellen". Zurzeit setze man "Unterrichtspraktikanten" mit voller Lehrverpflichtung ein, auch um "noch Ungeprüfte" und um "Quereinsteiger" werde man sich bemühen müssen. Aber man hoffe auch auf die Rückkehr von "Abwanderern", immerhin wurden im Pflichtschulbereich "seit 13 Jahren keine Lehrer angestellt". Mangel herrsche vor allem in naturwissenschaftlichen Fächern und "bei den Sprachen". (wei)

OBERÖSTERREICH

In Oberösterreich gebe es mittlerweile nicht nur in naturwissenschaftlichen Fächern einen Engpass, "sondern auch schon in Deutsch und Englisch", erklärt Landesschulratspräsdident Fritz Enzenhofer (ÖVP). Dennoch werde an den Pflichtschulen kein Lehrer aus der Pension zurückgeholt, da sich derzeit 700 Junglehrer auf der Warteliste befinden. An den Gymnasien und berufsbildenden höheren Schulen kommen hingegen Lehrer aus dem Ruhestand zurück. Bis 2020 brauche Oberösterreich insgesamt 10.000 neue Pädagogen. Die Studentenzahlen an den Pädagogischen Hochschulen (PH) steigen auch wieder deutlich, ergänzt Enzenhofer. An der katholischen PH etwa kletterte die Zahl seit 2005 von 573 auf aktuell 970. (ker, DER STANDARD, Printausgabe, 10.2.2011)

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