Bei Lehrer Lämpels Kollegen droht eine Lücke

9. Februar 2011, 18:05
245 Postings

Österreichs Lehrerschaft ist überaltert - In den kommenden Jahren wird die Hälfte aller Unterrichtenden in Pension gehen

Es drohen Personalengpässe - nicht in allen Schulen, nicht in allen Fächern, nicht in allen Ländern. Es gibt auch "Überschüsse". Eine konkrete Lehrer-Lücke hat das Ministerium errechnet: Im AHS- und BMHS-Bereich fehlen für einzelne Fächer 400 Vollzeitlehrer - knapp ein Prozent der dort beschäftigten Lehrerinnen und Lehrer.

****

Wien - Pensionierte Lehrerinnen, die wieder Dienst am Schüler tun und in die Schule zurückgeholt werden. Künftige Lehrer, die schon vor der amtlichen Beurkundung als "fertige" Pädagogen im Klassenzimmer stehen müssen. Neue Mittelschulen, die ohne die versprochenen AHS-Lehrer ein bisschen alt aussehen: Lehrerinnen und Lehrer scheinen langsam zur begehrten Mangelware in Österreich zu werden.

Der reale Mangel aber hält sich (noch) in überschaubarem Rahmen, sagt das Unterrichtsministerium. Dort hat man den Bedarf an Lehrern für die Landes- und Bundesschulen - also für Pflichtschulen einerseits sowie allgemeinbildende höhere (AHS) und berufsbildende mittlere und höhere Schulen (BMSH) andererseits - akkordiert mit den Landesschulräten prognostiziert und kommt auf eine konkrete Mangelzahl: 400 Lehrer fehlen im AHS- und BMHS-Bereich für das Schuljahr 2011/12 - was knapp einem Prozent der in diesem Bereich beschäftigten 42.000 Lehrer entspricht.

Überschussfächer & -länder

Betroffen sind die Fächer Deutsch, Englisch, Mathematik, Bewegung und Sport, Physik und Chemie. Aber auch nicht überall. "Überschüssige" Lehrer gibt es nämlich auch - die im "falschen" Bundesland sitzen: Die Steiermark und Tirol haben mehr Deutsch- und Englischlehrer, als sie selbst brauchen, auch der Turnunterricht der steirischen Schüler ist quasi überversorgt.

Bundesweit werde der Unterricht "gesichert durch Mehrdienstleistungen, Sonderverträge und Unterrichtspraktikantinnen und -praktikanten", heißt es dazu aus dem Unterrichtsministerium.

Die Prognose für den Pflichtschulbereich lautet: "Insgesamt: Bedarf gesichert, kein Mangel." "Punktueller Bedarf" bestehe in Volksschulen in Niederösterreich und Wien - zu rekrutieren wären Volksschullehrer in Oberösterreich, der Steiermark und Kärnten. Punktuell zu wenige Hauptschullehrer gibt es im Burgenland, in Vorarlberg und Wien - zu haben wären welche in Oberösterreich und der Steiermark.

Was tun, um den drohenden Lehrermangel rechtzeitig zu bannen? Immerhin steht eine große Pensionierungswelle an. Der Vorsitzende der Vorbereitungsgruppe für die "PädagogInnenbildung neu", Andreas Schnider, setzt im Standard-Gespräch auf Professionalisierung und Attraktivierung des Berufs: "Am Ende muss eine gemeinsame universitäre Ausbildung der Pädagoginnen und Pädagogen stehen." Man habe viel zu lang "nur auf die Lehrer geschaut" - und so das Berufsbild zu eng gefasst und Ein-, Um- oder Ausstiegsmöglichkeiten in andere pädagogische Bereiche vernachlässigt. "Und wir müssen die Besoldung neu denken", sagt Schnider: "Wir werden künftig nicht mehr nach Titel oder Ausbildung zahlen, sondern nach Funktionen, die die Pädagogen ausüben." (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, Printausgabe, 10.2.2011)

  • Lehrermangel im Singular: Lehrer Lämpel widerfuhr durch Max und Moritz mittels seiner Pfeife Unbill, was Wilhelm Busch fragen ließ: "Wer soll nun die Kinder lehren und die Wissenschaft vermehren, wer soll nun für Lämpel leiten seine Amtestätigkeiten?"
    foto: wikipedia

    Lehrermangel im Singular: Lehrer Lämpel widerfuhr durch Max und Moritz mittels seiner Pfeife Unbill, was Wilhelm Busch fragen ließ: "Wer soll nun die Kinder lehren und die Wissenschaft vermehren, wer soll nun für Lämpel leiten seine Amtestätigkeiten?"

Share if you care.