Krabbelnder Besuch aus New York

9. Februar 2011, 17:58
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Die Bettwanzen kommen - bzw. sind sie schon da. In Londoner Hotels haben die kleinen Quälgeister bereits Einzug gehalten

Den New York-Besuch zu streichen oder sein Gepäck mit kochend heißem Wasser zu waschen dürfte nicht ausreichen, um die Invasion der Bettwanzen aufzuhalten. In Londen sieht man sich mit den kleinen Blutsaugern bereits konfrontiert.

Sie sind so groß wie Apfelkerne, flach und braun und beherrschten dereinst den gesamten Globus, ehe sie beinahe ausgerottet wurden - dank DDT. Seit ein paar Jahrzehnten jedoch feiern Bettwanzen ein Comeback.

Irrtümlicherweise werden die Blutsauger mit Armut und mangelnder Hygiene in Zusammenhang gebracht. Heutzutage sind es vielmehr die globalen Reisen, die es den Krabblern einfach machen, sich die Welt wiederum unter die ihre Saugwerkzeuge zu reißen. Sie reisen im Gepäck, in Flugsitzen und in Kleidern. Wo immer Menschen schlafen oder sich aufhalten, gibt es sie.

Diese Woche gab es über 42.000 Einträge über Bettwanzen auf tripadvisor.com und britische Kammerjäger verzeichnen eine 24prozentiegen Nachfrageanstieg für Wanzeneinsätze im letzten Jahr.

"Bettwanzen sind ein wachsendes Problem auf der ganzen Welt", erklärt Savvas Othon von Rentokil, einem britischen Unternehmen für Ungezieferbekämpfung. "Die Menschen verteilen die Wanzen ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein."

Mark Astley, Spezialist für Ungeziefer, hat sogar seinen Job gewechselt und die IT-Branche hinter sich gelassen, um den Boom für sich zu nutzen. Er hat einen Hund dazu ausgebildet, die Plagegeister zu erschnüffeln.

Astley, der auch Ungezieferseminare für Hotelmanager abhält, weiß, wo sich die Tiere am liebsten verstecken: in Bettrahmen, in den Kopfenden von Betten, in Abschlussleisten, Mauer- und Deckenspalten oder hinter Lichtschaltern. Sie können sich beispielsweise einfach von der Decke auf ihr ahnungsloses Opfer fallen lassen.

Was die Wanzen - auch unter dem Namen Cimicidae bekannt - nicht leiden können sind glatte Oberflächen. Ein sicherer Ort wäre also beispielsweise das Badezimmer. Vorausgesetzt es gibt keine Ritzen und Spalten.

Mit seinem zweijährigen Hund Lola spürt Astley die Wanzen auf, um sie dann mit heißer Luft zu vernichten. Die Tiere scheinen beim Menschen mehr Ekel auszulösen als Flöhe oder Kopfläuse, obwohl Wanzen keine Krankheiten übertragen. Vermutlich liegt der Horror an der Tatsache, dass sie sich an uns gütlich tun, wenn wir am wehrlosesten sind - im Schlaf.

Wenn man genau sieht, kann man auch selber Anzeichen von Wanzenbefall relativ leicht erkennen: sie riechen nach Mandeln, hinterlassen kleine schwarze Pünktchen auf Möbeln und kleine Bluttropfen auf dem Bett, auf Teppichen und Wänden. Wanzen stechen oft mehrmals hintereinander, bis sie ein Blutgefäß finden, das sie anzapfen können. Daraus entstehen dann die sogenannten "Wanzenstraßen"

Um die weitere Verschleppung der Wanzen zu unterbinden, rät Astley dazu, das Gepäck für 20 Minuten in heißer Luft zu "waschen". Das vernichtet die Tiere und ihre Eier. "Vor kurzem habe ich ein großen Hotel im Zentrum von London entwanzt. Als wir fertig waren und durch die Lobby gingen, begann Lola zu bellen und an einem Gepäckstück eines Gastes zu kratzen", so Astley. (REUTERS/red)

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    Sie lösen mehr Ekel aus als Floh und Laus.

    Foto: APA/Piotr Naskrecki/CDC/Harvard University

  • Tpyisches Zeichen für Wanzenbefall: schwarze Pünktchen an der Wand.
    foto: tripadvisor.com

    Tpyisches Zeichen für Wanzenbefall: schwarze Pünktchen an der Wand.

  • Eine "Wanzenstraße" ist ebenfalls ein eindeutiges Zeichen.
    foto: tripadvisor.com

    Eine "Wanzenstraße" ist ebenfalls ein eindeutiges Zeichen.

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