Den Anfang des Satzes vergessen

    9. Februar 2011, 20:57
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    Nicht nur die Motorik, sondern auch grammatische Fähigkeiten und Satzverständnis lassen nach

    Groningen - Die Alterskrankheit Parkinson verändert nicht nur motorische Fähigkeiten, sondern belastet Patienten häufig auch mit anderen Begleiterscheinungen. Neben Depression, vermehrtem Angstgefühl und Inkontinenz ist auch die Sprachverarbeitung betroffen, konnten Forscher nun zeigen. "Wir könnten Patienten viel Leid ersparen, wenn wir lernen wie ihre Sprachbehinderungen funktionieren", so die Studienleiterin Katrien Colman von der Universität Groningen.

    Im Zuge des Älterwerdens der westlichen Gesellschaft wird Parkinson ein immer häufigeres Problem. Verursacht wird die Krankheit durch einen Mangel am Neurotransmitter Dopamin im Gehirn. Sichtbar wird Prakinson vor allem durch den Verlust der Kontrolle über motorische Bewegungen, jedoch auch im Verlust der Fähigkeit, das eigene Verhalten in neuen Situationen zu steuern, die außerhalb der Routine liegen.

    Sprachliche Probleme

    Auch Probleme mit der Sprachverarbeitung gehören zu den Symptomen der Krankheit, konnte Colman nun beweisen. Da ausführende Gehirnfunktionen beschädigt sind, haben Patienten manchmal Probleme damit, komplizierte Satzkonstruktionen zu verstehen. Bevor das Ende des Satzes erreicht ist, haben sie den Anfang mitunter bereits vergessen. Zudem sinkt die Fähigkeit des Patienten, das Subjekt in den Sätzen auszutauschen, und auch die grammatikalische Genauigkeit lässt nach.

    Öfters verglich man bisher die Sprachverarbeitung bei Parkinson mit jener von Aphasie-Patienten. Diese verlieren etwa infolge eines Infarkts die Fähigkeit, Verben richtig zu konjugieren. Es handelt sich nicht um das gleiche Problem, konnte Colman nun zeigen. Diese spezifische Fähigkeit der Konjugation wird bei Parkinson nicht verändert, sondern vielmehr die dahinterliegende ausführende Funktion des Gehirns.

    "Wenn die Kommunikation schwierig ist, bedeutet das nicht automatisch, dass ein Patient deshalb müde oder depressiv ist oder dass es ein Problem mit seiner Intelligenz gibt", so die niederländische Forscherin. Eine Hilfe sei es Patienten, wenn man in einfachen Sätzen mit ihnen redet, sie dabei jedoch nicht so behandelt, als ob sie Kinder wären. (pte)

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