Mozart für das afrikanische Xylophon

9. Februar 2011, 17:03
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Christoph Schlingensiefs "Operndorf Afrika" nimmt posthum Gestalt an

Berlin - Ein halbes Jahr liegt es zurück, dass Christoph Schlingensief gestorben ist. Am Dienstag trat nun seine Lebensgefährtin Aino Laberenz zum ersten Mal wieder an die Öffentlichkeit, um zu "zeigen, dass es weitergeht und wie es weitergeht".

Konkret bezog sich dies vor allem auf das Operndorf Afrika, das Schlingensief in Burkina Faso noch in die Wege geleitet hatte und für das vor einem Jahr der Grundstein gelegt worden war, eine Siedlung ungefähr eine Stunde von der Hauptstadt Burkina Fasos entfernt, mit Festspielhaus, Schule, Sportplatz und entsprechender Infrastruktur. Eine "soziale Plastik", wie Aino Laberenz mehrfach betonte, wohl wissend, dass es bei einem Projekt dieser Art nicht darum gehen kann, in Kolonialmanier an einem unwirtlichen Ort ein Monument der Hochkultur zu errichten. So verhält es sich zum Beispiel in Manaus im Amazonasgebiet, wo Schlingensief einen Fliegenden Holländer inszeniert hat.

Zur Präsentation des aktuellen Standes in Sachen Operndorf Afrika war der gesamte Stiftungsrat erschienen: der Berliner Anwalt Peter Raue, die Politikerin Antje Vollmer und die Theaterintendanten Amelie Deuflhard und Matthias Lilienthal. Außerdem erläuterte der Architekt Francis Kéré, dass er für die Entwürfe auf Ideen und Planungen zurückgreifen konnte, die ihn schon während des Studiums beschäftigt hatten, und die lokalen Methoden etwa der Klimatisierung von Gebäuden einen Vorzug einräumen. Irgendwann soll "ein autonomes Dorf" entstanden sein, gegenwärtig fließen noch Gelder aus Europa nach Afrika ("deutlich mehr privates als öffentliches Geld", wie Deuflhard betonte).

Im Herbst soll die Schule ihre ersten Klassen anbieten, insgesamt aber gilt: "Es gibt keine Eröffnung, sondern Entwicklung", so Laberenz, die noch einmal auf den "erweiterten Opernbegriff" von Christoph Schlingensief verwies, der sich etwa darin manifestiere, dass Mozart in Burkina Faso auch auf dem Landesinstrument, einem Xylophon, gespielt werde. (reb, DER STANDARD - Printausgabe, 10. Februar 2011)

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