Prammer will neue Weltfrauenkonferenz

9. Februar 2011, 16:22
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Nationalratspräsidentin traf indische Präsidentin Patil: Frauenquote, Gewalt und traditionelle Diskriminierung waren Themen

Neu Delhi - Nationalratspräsidentin Barbara Prammer ist im Rahmen eines mehrtägigen Indien-Besuches einer heimischen Parlamentarierdelegation mit der indischen Staatspräsidentin Pratibha Devisingh Patil am Dienstagabend zusammengetroffen. Dabei sei das freundschaftliche Verhältnis zwischen Indien und Österreich deutlich zum Ausdruck gekommen, wie die Parlamentskorrespondenz am Mittwoch in einer Aussendung mitteilte. Zugleich herrschte demnach Übereinstimmung darüber, dass die Kontakte im wirtschaftlichen wie im wissenschaftlichen Bereich ausgebaut werden sollten.

Indische Quote "vorbildlich"

Das Thema Frauenquote wird derzeit auch in Indien viel diskutiert. Im Unterhaus des Parlaments liegt ein beschlussreifes Gesetz, wonach künftig 33 Prozent der Abgeordneten Frauen sein müssen. Die indische Staatspräsidentin unterstrich die Bedeutung einer solchen gesetzlichen Regelung für die Emanzipation. Prammer bezeichnete diese Bemühungen als vorbildlich und berichtete, dass in Österreich der Frauenanteil innerhalb der Bundesregierung bei 42 Prozent und im Parlament bei 28 Prozent liege.

Zeit für neue Weltfrauenkonferenz

Prammer sprach sich weiters in einem Gespräch mit VertreterInnen der indischen Zivilgesellschaft für eine neue Weltfrauenkonferenz aus. Seit der letzten Konferenz 1995 in Peking habe sich die Welt grundlegend verändert. 

Gewaltschutz

VertreterInnen der indischen Zivilgesellschaft gelangten laut der Aussendung zu dem Fazit, dass obwohl Indien 2005 ein umfassendes Gesetz zum Schutz von Frauen vor häuslicher Gewalt beschlossen habe, das im Vorjahr novelliert wurde, und ein weiteres Gesetz zum Schutz von Frauen vor sexueller Belästigung am Arbeitsplatz dem Parlament vorliege, Gewalt gegen Frauen in Indien nach wie vor ein großes Problem sei. Dieses werde allerdings noch immer nicht als gesamtgesellschaftliches Anliegen begriffen, sondern auf ein rein frauenpolitisches Thema reduziert.

Strukturelle Benachteiligung

Das Patriarchat sei in Indien noch nicht überwunden, stellte die Sozial- und Menschenrechtsaktivistin Mohini Giri fest. Frauen und Mädchen würden weiterhin benachteiligt, oft geschehe das unter Berufung auf Traditionen. Strukturelle Schlechterstellung gebe es laut Giri beispielsweise auch im Justizbereich, Männer würden vor Gericht oft bevorzugt. Der Schlüssel zur positiven Veränderung liege in Aufklärung und Ausbildung, waren sich die TeilnehmerInnen einig.

Die österreichische Delegation ist am Mittwoch in Hyderabad eingetroffen. Am Abend steht ein Treffen mit führenden RepräsentantInnen des Bundesstaates Andhra Pradesh auf dem Programm. Weiters ist eine Reihe von Gespräche mit Wirtschaftstreibenden aus der Region geplant. Der Delegation gehören neben Prammer auch der Dritte Nationalratspräsident Martin Graf (FPÖ) sowie die Abgeordneten Christine Muttonen (SPÖ), Ruperta Lichtenecker (Grüne) und Sigisbert Dolinschek (BZÖ) an. (APA)

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