Jobs nach Sternzeichen

Wenn der Steinbock für die Fisch' ist

Oliver Mark, 13. Februar 2011, 17:30
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    foto: apa/dpa/karmann

    Hörner + Hörner = Reibereien?

Bewerberin fühlt sich aufgrund des Sternzeichens diskriminiert und erwägt Klage - Benachteiligung widerspricht nicht dem Gesetz

"Wenn beide gehörnt sind, kann es zu Reibereien kommen", sagte die Personalchefin beim Bewerbungsgespräch und meinte damit das gleiche Sternzeichen, nämlich Steinbock. Was wie ein schlechter Scherz aus den unendlichen Weiten der Astrologie klingt, wurde einer jungen Dame bei der Jobsuche in Österreich zum Verhängnis: Diskriminierung aufgrund des Sternzeichens. Nicht im Team von Gerda Rogers, sondern bei einem international agierenden Softwareunternehmen mit tausenden Mitarbeitern (Name der Redaktion bekannt). Die offizielle Begründung für die Absage lautete "überqualifiziert", die inoffizielle wohl astrologische "Inkompatibilität".

"Wenn schon jemand im Gespräch danach fragt, dann wird das sicher bei der Beurteilung ins Gewicht fallen", ist die Betroffene, Heidi J., überzeugt. Sie fühlt sich benachteiligt, "sein Geburtsdatum kann man sich schließlich nicht aussuchen", und würde gerne gerichtlich dagegen vorgehen, erzählt sie im Gespräch mit derStandard.at. Ein juristisches Nachspiel, das wohl kaum Aussicht auf Erfolg hat. Gegen diese Form der Diskriminierung gibt es keine gesetzliche Handhabe.

"Welches Sternzeichen sind Sie?"

Heidi J. schildert den Fall folgendermaßen. Über eine Personalagentur wurde sie zu dem Bewerbungsgespräch eingeladen. Die Position: Assistentin im Sales-Bereich. Die 25-Jährige verfügt über ein abgeschlossenes Studium und Qualifikationen, die sie für den Job prädestinierten, glaubt sie. Am Ende des rund einstündigen, gut verlaufenden Interviews wurde ihr noch "eine letzte Frage" gestellt. Die nach dem Sternzeichen, so die Jobaspirantin: "Ich sagte daraufhin, 'Ernsthaft, jetzt?!' und bevor ich die Antwort verweigern konnte, lehnte sich die Dame über meinen Lebenslauf, sah mein Geburtsdatum und stellte selbst fest, dass ich Steinbock war." Die Reaktion: "Eigentlich ist das nicht gut, wenn man das gleiche ist."

Zwanzig Minuten nach dem Termin wurde sie informiert: "Überqualifiziert und zu akademisch", so das Urteil. "Das hätte man schon anhand meines Lebenslaufs sehen können", sagt sie und vermutet einen ganz anderen Grund hinter der Absage: den Steinbock.

Anonyme Bewerbungen gegen Humbug

"Ich finde das absolut diskriminierend und Humbug", echauffiert sich Heidi J. Sie ist überzeugt, dass solche Selektionsmechanismen häufiger vorkommen. Schließlich gebe es nicht wenige, die ihr ganzes Leben an Horoskopen und Aszendenten orientieren. Der Glaube mache auch nicht vor den Türen der Personalchefs Halt. Abhilfe schaffen könnten anonymisierte Bewerbungsverfahren. Kein Foto, keine Alters- und Geschlechtsangabe bieten keinen Raum für Diskriminierung, so die Intention dahinter. Ein Trend, der in einigen Ländern wie etwa Deutschland im Kommen - und in solchen wie den USA schon längst Usus ist. "Bei uns muss das Geburtsdatum im Lebenslauf stehen."

Religion oder Weltanschauung

"Ein Arbeitgeber kann theoretisch auch sagen, dass er keine Vegetarier oder Antialkoholiker will", bestätigt Arbeitsrechtsexpertin Andrea Klausner von der Arbeiterkammer Wien, dass es sich bei der Jobvergabe nach Sternzeichen zwar um eine Einschränkung, aber keine Diskriminierung handelt. Zumindest keine, die dem Gesetz zuwiderläuft. Laut dem österreichischen Gleichbehandlungsgesetz darf in der Arbeitswelt niemand aufgrund seiner Religion oder seiner Weltanschauung benachteiligt werden. Ein Passus, der jede Menge Interpretationsspielraum zulässt. Eine genaue Definition, was darunter zu verstehen ist, fehlt.

Vertragsfreiheit

Sternzeichen haben nicht unbedingt etwas mit Weltanschauung zu tun, meint Klausner und verweist auf die Vertragsfreiheit des Arbeitgebers, die ansonsten massiv eingeschränkt wäre: "Hier handelt es sich eher um einen Fall von Sympathie bzw. Antipathie." Und die, so Klausner gegenüber derStandard.at, könne man nicht einfach jemandem aufoktroyieren. Schon gar nicht per Gesetz.

"So lange das Geburtsdatum nicht für eine Altersdiskriminierung herangezogen wird, darf es als Kriterium dienen", resümiert Klausner, der bis jetzt allerdings kein Gerichtsurteil in so einer Causa bekannt ist: "Das wurde noch nicht ausjudiziert."

Nur Steinbock, Stier, Wassermann, Widder oder Löwe

Sehr wohl bekannt ist, dass sogar in Stellenausschreibungen nach solchen Kriterien selektiert wird. "Wir suchen Personen ab 20 Jahren für nebenberufliche Tätigkeit im Verkauf/Management mit folgenden Sternzeichen: Steinbock, Stier, Wassermann, Widder oder Löwe", war vor zwei Jahren in einem Inserat eines Salzburger Finanzdienstleisters zu lesen. Die Begründung: eine interne Mitarbeiteranalyse habe ergeben, dass Vertreter mit diesen fünf Sternzeichen beruflich am erfolgreichsten seien. Moralisch verwerflich, aber rechtlich in Ordnung, heißt es in einer Expertise der Arbeiterkammer zu diesem Fall.

Heidi J. will weiter kämpfen. Gegen Chefs, die extra Astrologen engagieren oder sich gar als solche gerieren. Nur ohne gesetzliche Regelung im Hintergrund ein wohl aussichtsloses Unterfangen. "Man bereitet sich schließlich auf Bewerbungsgespräche vor", sagt sie, "und dann geben subjektive Faktoren, die nicht beeinflussbar sind, den Ausschlag? Da fühlt man sich einfach nur verarscht".

Keine Gesetzesänderung geplant

Die "Verarsche" wird sich voraussichtlich nicht so schnell ändern. Laut Auskunft aus dem Frauenministerium, wo die Gleichbehandlungskommission angesiedelt ist, wird es in nächster Zeit keine Novelle des Gleichbehandlungsgesetzes geben. Es könne nicht jeder Einzelfall, so bedauerlich er auch sein mag, in Paragrafen gegossen werden, so die Reaktion gegenüber derStandard.at, und: "Die Vorgehensweise von Firmen Mitarbeiter nach dem Sternzeichen zu fragen, widerspricht nicht dem Gleichbehandlungsgesetz." Der Kreis an potenziellen Bewerbern werde zwar eingeschränkt, stelle jedoch keine Diskriminierung im Sinne des Gesetzes dar.

Mit der Begründung: "Sucht beispielsweise eine Firma für den Posten der Abteilungsleitung das Sternzeichen 'Wassermann', so umfasst diese Gruppe von Menschen, die im Sternzeichen des 'Wassermanns' geboren sind, Frauen und Männer, Ältere und Junge, Inländer/innen und Ausländer/innen." (Oliver Mark, derStandard.at, 14.2.2011)

--> derStandard.at/Karriere auf facebook

Kommentar posten
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van.der.stiege
00
22.2.2011, 17:56
"Ein Arbeitgeber kann theoretisch auch sagen, dass er keine Vegetarier oder Antialkoholiker will"

na intressant, folglich könnte der arbeitgeber ja auch sagen, dass er nur leute sucht die schweinefleisch essen (und somit die streng religiösen moslems ausschliessen).....

also ein legaler weg um doch aufgrund der religion zu diskriminieren, oder wie ??

Thank God I'm A Country Boy
02
19.2.2011, 20:49

Wenn mich jemand nach meinen Sternzeichen fragt, dann sage ich immer "Ich bin ausgetreten".. da reagieren die komischen AstrologiejüngerInnen auch immer sehr seltsam.

Der Wicht
 
01
19.2.2011, 17:28

Verstehe den Fall nicht!
Wenn wirklich das Sternzeichen ausschlaggebend gewesen sein soll, kann man das, wie im Artikel ja sogar gesagt wurde, auch schon durch den Lebenslauf herausfinden. Warum die Bewerberin dann einladen, wenn man sowieso kein Interesse hat?

Olivier TREINEN
00
17.2.2011, 10:53
Groucho Marx

In solchen Fällen am besten Groucho Marx zitieren: "Ich mag keinem Club angehören, der mich als Mitglied aufnimmt." - Groucho-Marx-Paradoxon; Telegramm an den Friars Club, in dem er seinen Austritt mitteilt. Zitiert in "The Groucho Letters", Hg. Arthur Sheekman

sari1
00
16.2.2011, 22:33

tip für ein contra:
ah, sie interessieren sich für astrologie? das sternzeichen alleine sagt aber bei weitem nicht alles. wichtig sind auch der aszendent und die positionen der restlichen planeten in den verglichenen horoskopen....

damit könnte vielleicht dem halbwissen ein bißchen was entgegen gehalten werden... ;)

Shanajio
02
16.2.2011, 10:54

Nachdem die Bewerberin offensichtlich Mitte der 80er geboren ist, wäre die richtige Antwort gewesen:

Als Büffel, kombiniert mit dem Element Holz, habe ich ein sanftes Gemüt und kann meine gestalterische Begabung gut einsetzen um zB. Ihren Tagesablauf so zu gestalten, dass sich eine würdevolle Beständigkeit wie ein roter Faden durch Ihren Tag zieht und sie somit einen friedlichen Feierabend verbringen können.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Chin... Astrologie

;)

heidi j
04
16.2.2011, 08:30
stellungnahme

3. gegen fragen nach hobbies, interessen habe ich generell nichts. diese können aufschluss über die persönlichkeit geben, die in diversen freizeitaktivitäten auch wertvolle skills und erfahrungen sammeln können. die frage nach dem sternzeichen basiert aber auf einer weltanschauung (im weiteren sinne) und die tatsache, dass danach IM INTERVIEW gefragt wurde beweist, dass dies für die entscheidung zumindest teilweise von bedeutung war.

4. ein fairer bewerbungsprozess ist gerade in wirtschaftlichen zeiten wie diesen im allgemeinen interesse. die entscheidungen, die man in seinem leben trifft und die work ethic, die man an den tag legt, sollten ausschlaggiebiger sein als sternzeichen oder genetik.

la shishi
00
16.2.2011, 16:07

klingt wahrscheinlich desillusioniert, aber die wirtschaft ist per se KEIN fairer ort. da gehts um geld (das korrumpiert immer), macht, sympathien, whatever, und das spiegelt sich halt (leider) auch im bewerbungsgespräch wieder. ich find eine auswahl der bewerber aufgrund des sternzeichens zwar auch mehr als lächerlich (!!!), aber wer will denn auch schon mit einer kollegin zusammenarbeiten, die sich von anfang an einbildet mit einem steinbock oder welches sternzeichen auch immer, nicht zu können?!
ich würde einfach ganz viel schlechte word of mouth betreiben und das unternehmen durch dieses unprofessionelle verhalten wo es nur geht ins lächerliche ziehen. bringt sicher mehr genugtuung als eine klage, die wohl nur sehr geringe chancen hat.

Ender Wiggin
00
16.2.2011, 10:50
pathie - antipathie

ich finde, jeder Arbeitgeber hat das Recht, sich aussuchen zu können, mit wem er gerne zusammenarbeitet. Ich such mir auch keinen Assistenten aus, der mir im Jobinterview unsympathisch ist. Dass für die Frage, wer einem (nicht) sympathisch ist, die unterschiedlichsten Kriterien angewandt werden, ist halt so, manchmal weiss der/diejenige das selbst nicht (Frisur, Kleidungsstil, Stimme, aber auch Weltanschauung, Sternzeichen, Essverhalten). Aber ganz andere Frage: möchten Sie tagtäglich mit jmd zusammenarbeiten, der fest an Sternzeichen glaubt, sie jeden Tag damit quält, dass heute nichts/alles funktionieren wird, weil der Mond da oder dort steht, der Kundentermine nach Horoskop einplant und für wichtige Entscheidungen Gerda Rogers anruft???

heidi j
03
16.2.2011, 08:01
to set the record straight

Zuerst möchte ich ein paar wesentliche Dinge klarstellen:

1. Der Personalchef war NIE im Jobinterview, sondern hatte nur die Aufgabe mich einzuladen und mir die Entscheidung DER INTERVIEWER telefonisch zu übermitteln. Er hat sich IMMER professionell verhalten und hat übrigens einen Doppeltitel in Ge/SoWi (soviel zu überqualifiziert).

2. Die Personen im Interview waren ein Regionalleiter und die Dame, der ich hätte assistieren sollen. Vom verlegenen Lächeln des sonst selbstsicheren RL und mehreren hastigen Blicken zur Dame war klar, dass es eine Frage war, deren Antwort IHR wichtig war und die keine Testfrage zur Bewertung der Kreativität etc war, wie ich teilweise von einer (dynamischen?) Firma dieser Größe erwartet hatte.

Vollmeise
 
00
16.2.2011, 10:10

Offensichtlich waren sich die Dame, der Sie hätten assisitieren sollen, und Sie gegenseitig unsympathisch.

Abhaken, sich weiter bewerben und nicht wegen sowas sinnlosem Energie verschwenden, wäre vielleicht eine Möglichkeit. ;)

van.der.stiege
00
22.2.2011, 17:36
na sorry...

.... aber man muss wirklich nicht alles hinnehmen.

denn diese frage hätt sich die dame eigentlich ersparen können (da das geburtsdatum wohl aus den bewerbungsunterlagen ersichtlich ist) und somit besser den mund halten hätt sollen als die bewerberin mit solch einer begruendung abzuweisen.

find die klage daher gut. das thema gehört mal ausjuridiziert.

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
24
15.2.2011, 20:31
Ein Aprilscherz -

schon im februar?
Derartig dummdreiste menschenverachtung u. üble geschäftspraktiken gehören abgestraft u. boykottiert!
Her mit den firmennamen...!

das ist alles sehr kompliziert!
 
10
15.2.2011, 20:31
Ich denke, anonymisierte Bewerbungen bringen nix.

Ich hab' mal gehört, dass die meisten guten Personalentscheidungen (bei ungefähr gleicher Qualifikation der Bewerber) eh aus dem Gefühl heraus getroffen werden, so a la, wie passt der oder die ins Team, oder ist dem neuen Chef sympathisch, passt die "Chemie" oder "Schwingung" oder wie immer man das Gefühl umschreibt, finden die Mitarbeiter das Bild des potentiellen Neuzugangs sympathisch (ich weiß, Bewerbungsunterlagen herzeigen ist streng no-no, tut natürlich niiiemand!), usw.

Was bei einer Firma ein sachlich ungerechtfertigtes NO ist, ist bei der nächsten ein GO und da ist man dann auch noch gefühlsmäßig willkommen.

Aber einen Arbeitgeber klagen, damit man reinkommt, ist für mich irgendwie ganz NONONONONO, so rein emotional...

oblomow II
02
15.2.2011, 19:14
ich bin maulwurf

oder fisch mit aszendent chips

hätt ich geantwortet

bidde, die personaltante hat ja einen groben huscher ...

derjungeroemer
03
15.2.2011, 18:19
witzig finde ich

dass ein steinbock ausgerechnet einen steinbock ablehnt.
das bedeutet ja nichts anderes, als dass sie bei sich selbst negative eigenschaften ortet (und die noch dazu ziemlich gravierend sind)

Vollmeise
 
00
15.2.2011, 20:14

Nein, Steinbock und Steinbock sind ja beide zurückhaltend, aber doch bockig. Ich komme mit Steinböcken allerdings sehr gut klar! ;)

derjungeroemer
00
15.2.2011, 23:32
ich auch

aber wenn die chefin es doch mit zurückhaltend und bockig in eine führungsposition geschafft hat, dann muss sie doch die mitarbeiterin für höchst geeignet halten

Vollmeise
 
00
16.2.2011, 10:14

Die Chefin hat aber eine Assistentin und keine Konkurrentin gebraucht. ;)

Hui Buh
01
15.2.2011, 23:05
Schon stur,

können aber einen recht skurril-ruhigen, tiefgründig-trockenen Humor entwickeln.

derjungeroemer
01
15.2.2011, 18:10
wenn es menschen gibt, die andere menschen

anhand des sternzeichens beurteilen,
ist das ein typisches vorurteil.
und scheinbar sind das mehr als man glaubt.

insofern wäre ein gesetz durchaus zu begrüssen, bei bewerbungen nur das geburtsjahr angeben zu müssen.
wenn der personalchef nicht selbst draufkommt, ob der bewerber introvertiert/herrschsüchtig/verträumt/künstlerisch/wasweissich ist, hat er eben pech gehabt.

The Man from Earth
00
15.2.2011, 18:09
So much for Astrology...

Carl Sagan
http://www.youtube.com/watch?v=I... re=related

Derren Brown
http://www.youtube.com/watch?v=haP7Ys9ocTk

Klassiker... (C;

Naeich
 
02
15.2.2011, 17:40
Unternehmen nennen!

Wieso ist der Standard zu feige das Unternehmen zu nennen, das derartig mittelalterlich agiert?

ARO5
23
15.2.2011, 14:27

Suche Jungfrau, Sternzeichen egal.

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
02
15.2.2011, 20:33

Suche Keinen heterosexismus!

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