Wien

Rassismus auf Wachstube: Freispruch

9. Februar 2011, 15:53

Opfer einer gefährlichen Drohung rief Polizei und sah sich "wie Verbrecher behandelt" - Drei Polizisten freigesprochen

Wien - Im Fall des Wieners James E., der angegeben hatte, von drei Wiener Polizeibeamten erniedrigt worden zu sein (derStandard.at berichtete), ist es am Mittwoch zu Freisprüchen gekommen.

Der 36-Jährige, ein Wiener nigerianischer Herkunft, war in einer Straßenbahn mit Messern bedroht worden, worauf Fahrgäste die Polizei riefen. Diese kamen und nahmen James E. in ein Wachzimmer in Wien-Neubau mit, wo er als Zeuge einvernommen werden sollte. Doch anstatt ihn als Opfer zu befragen, sei er "wie ein Verbrecher" behandelt worden, wiederholte E. bei der Einvernahme vor Gericht am Mittwoch. Er sei aufgefordert worden, sich zu entkleiden, wobei ihm ein Polizist die Hosen hinabgezogen und sich despektierlich über sein Geschlechtsteil geäußert habe. 

Der Richtersenat entschied gegen die Anklage auf Amtsmissbrauch: Dieser sei "nicht mit Sicherheit feststellbar" gewesen, sagte Richterin Martina Spreitzer-Kropiunik. 

"Unglaubwürdig"

Da die Aussagen des mutmaßlichen Opfers vor Gericht noch schwerere Vorwürfe enthielt als seine Aussagen zuvor, zog die Richterin dessen Glaubwürdigkeit in Zweifel: Während er vorher angegeben hatte, er habe sich ausziehen müssen und sei lächerlich gemacht worden, gab er vor Gericht zudem an, ein Beamter hätte ihn an den Genitalien angefasst.  "Das kann so nicht gewesen sein. Es ist nicht plausibel, weshalb der Zeuge dies in seinen vorangegangen Befragungen vergessen haben sollte. Das ist völlig unglaubwürdig", meinte die Richterin. 

Einer der Polizeibeamten sagte aus, er habe den Mann wegen Verdachts auf Suchtmittelbesitz kontrollieren wollen, da dessen Freund eine kleine Menge Cannabis dabei gehabt habe. Das mutmaßliche Opfer aber noch ein T-Shirt und die Unterhose angehabt: "Vor mir und in meinem Beisein hat er sich sicher nicht nackert ausgezogen. Es hat auch keiner von uns verlangt, es hat ja keinen Grund dafür gegeben."

"Kein Ausweis für Schwarze"

Der gebürtige Nigerianer behauptete demgegenüber, er wäre von der Polizei von Anfang an "wie ein Verbrecher" behandelt worden. Der Beamte, der ihn aufs Wachzimmer brachte, habe seinen österreichischen Führerschein nicht als Legitimationsnachweis geltenlassen, sondern befunden, dies wäre "kein Ausweis für Schwarze, weil Österreich keine Grenze mit Afrika hat". Er sei danach regelrecht abgeführt und gewaltsam aufs Kommissariat gebracht worden.

Auf der Wachstube habe man eine nach dem Sicherheitspolizeigesetz zulässige Durchsuchung durchführen wollen, lautete die Verantwortung des Zweitangeklagten. Diese habe "zur Gefahrenabwehr" gedient. Der Mann habe sein T-Shirt "provokant auf den Tisch geworfen. Es hat ihn niemand aufgefordert, dass er sich komplett nackt auszieht." Trotzdem habe der Mann sogar noch für einen Augenblick seine Unterhose hinuntergeschoben.

Neue Aussage

Auch diese Aussage war völlig neu, der Beamte hatte unmittelbar nach dem Vorfall erklärt, der Nigerianer wäre zum Ablegen der Kleidung aufgefordert worden. Für diesen Widerspruch zeigte die vorsitzende Richterin Verständnis: Diese Befragung habe nicht nach den Richtlinien der StPO, sondern "in einem Kammerl im Personalbüro der Polizei" stattgefunden. Dem Beamten sei keine Zeit gegeben worden, sich auf seine Aussage vorzubereiten. Er habe weiters keine Rechtsbelehrung erhalten. "Da kann es vorkommen, dass man sich im Nachhinein erinnert, dass das, was man unter diesen Umständen ausgesagt hat, vielleicht anders war."

Die Freisprüche sind nicht rechtskräftig. Die Staatsanwältin gab vorerst keine Erklärung ab. (APA)

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Fekter - Geiz ist geil!
00
blaun?

tignosa
03
14.6.2011, 20:50
da kenn ich auch einen netten Fall:

ein Bekannter- Österreicher mit ausländischen Wurzeln- wurde mit einem gesuchten Kleinkriminellen verwechselt, verhaftet und auf die Wachstube gebracht (die Hände mit Handschellen hinter dem Rücken "fixiert").
Dort "fiel" er ein paarmal gegen die Heizung und "rannte" gegen Schuhspitzen, "würgte sich" (mit gefesselten Händen) selbst und die Arrestantenlähmung hat er sich vermutlich auch selbst zugezogen. Ein paar "Freundlichkeiten" hat er sich auch noch anhören dürfen. Als sich der Irrtum herausstellte und den Bullen klar wurde, dass man ihm nichts anhängen könne, wurde daraus eben die beliebte Anzeige wegen "Widerstands gegen die Staatsgewalt" (mit gefesselten Händen!) Jetzt ist er deswegen vorbestraft und sein Job war auch weg.

masterpiece
36
26.3.2011, 15:51

der standard beweist wie wenig qualität in seiner "qualität" liegt..denn gerade vom rassismusvorwurf wurden die beamten freigesprochen.es gab KEINEN rassimus! investigativer journalismus kann soooo schwierig sein :-)

holodeck austria
52
25.2.2011, 14:12

unsere polizei.

Mariedl
01
15.2.2011, 17:29

die Wahrheit liegt hier möglicherweise in der Mitte

parapente
413
15.2.2011, 11:14
Ich kann nicht nachvollziehen,

was verschiedene Poster für Erfahrungen mit unserer Exekutive haben.
Schon einige Jahrzehnte am Buckel kann ich mich über Gendarmerie oder Polizei nicht beschweren. Es lief jede Berührung mit denen völlig korrekt ab.

Liegt es daran, dass ich Benehmen zeigte??

tignosa
11
14.6.2011, 20:44
so so, eine dunkle Haut zu haben ist schlechtes Benehmen?

nemo sander
12
13.5.2011, 11:06
wo war denn das schlechte benehmen des nigerianers, der von einem mann mit einem messer bedroht wurde?

dass er so frech war opfer zu sein oder sich gerade dort aufzuhalten wo ein anderer sein messer hinstechen möchte?

Threonin
43
16.2.2011, 15:55

Aber genau da liegt das Problem. Benehmen ist nicht gesetzlich definiert. Die Polizei hat korrekt zu arbeiten auch dann, wenn Menschen "kein Benehmen" zeigen. Wer das nicht kann, sollte nicht Polizist werden.

LGM
12
16.2.2011, 17:34

In diesem Fall hat die Polizei scheinbar eh korrekt gearbeitet. Zumindest konnte das Gegenteil trotz Handyaufzeichnung nicht bewiesen werden.

Threonin
01
17.2.2011, 14:55

Mein Vorposter hat auch nicht von diesem Fall gesprochen.

Möglicherweise haben die POlizisten hier wirklich korrekt gehandelt. Aber das Misstrauen vieler hier kommt nicht von ungefähr. Würden sich Polizisten öfter korrekt verhalten, vor Allem in wichtigen oder schwierigen Fällen, dann gäbe es dieses Misstrauen erst gar nicht.

Rosa Stahl
44
16.2.2011, 10:02

Sie haben keinen Straftaten begangen? Sie haben vielleicht bei einer Geschwindigkeitsübertretung nicht rumgeflegelt, sondern halt bezahlt und fertig? Sie gehen nicht auf Demos und schreien: "sch**** bullen"? Sie fahren mit dem Fahrrad nicht bei Rot über die Kreuzung? ......

Wieso haben Sie bloß keine Probleme mit der Polizei?

Mariedl
62
15.2.2011, 17:30

es kann auch an Ihrer Hautfarbe, Herkunft und Grund des Zusammentreffens liegen, muss aber nicht

Lord Chaos
03
16.2.2011, 16:27

Es kann auch am Ton liegen.

R. Lexer
21
15.2.2011, 22:19

Bzw. auch in welchem Revier man unterwegs ist.

Rosa Stahl
02
16.2.2011, 10:04

hatte auch schon ein paar mal mit der Polizei "zu tun" - Anfrage am Koat, geringfügige StVo- Übetretung, Befragung durch Kripobeamte als Zeugin .... wurde immer anständig behandelt. So what?

mitch2
00
14.2.2011, 16:42

ups, so gefährlich ist straßenbahnfahren inzwischen? erfreulicher weise bin ich in meinem leben noch nie in den öffis od. auch anderswo mit messern bedroht worden.

Halbmond
73
13.2.2011, 08:38
Ich möchte eine kleine Maus sein und in irgendwelche wachstube in eine ecke mich verkriechen,,,

was man nur über Ausländer und Afrikaner und gegen andere hören wurde,das bricht alle grenzen des Rassismus.

J.J
43
13.2.2011, 17:42

Wen bitte sollen Ihre "Vermutungen" interessieren?

Threonin
02
16.2.2011, 15:56

Wenn Sie Polizisten, beispielsweise von der Alarmabteilung näher kennen, dann werden die Ihnen auch ihr rassistisches Gesicht zeigen.

Michael Bakunin
53
14.2.2011, 09:13

all jene, die sich gegen den rassismus der österr. polizei wehren wollen.

Prolet
21
13.2.2011, 06:33
Jetzt wird der Kerl ohne Rasse wegen Beleidigung verurteilt, wetten!

Wenn ein Polizist verhindert, daß sich auf der Wachstube ein Arrestand ein Auge ausbeißt und durch kräftige Faustschläge darauf diese Gewalttat verhindert, wird der belobigt?

Ein Heldendumm?

tignosa
00
14.6.2011, 20:45
Arrestant?

seit wann ist man Arrestant, wenn man auf einer Wachstube eine Anzeige macht bzw als Zeuge (Opfer haben Zeugenstatus) befragt wird???

Bertel Mann
53
12.2.2011, 16:42
Mittlerweile wird offensichtlich jede Sauerei unserer Polizei mit "Gefahrenabwehr" begruendet

Und eine verluderte Justiz unterstuetzt dies.

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