Coen-Western zum Auftakt

Widerstrebend auf den neu aufgezäumten Westerngaul

Isabella Reicher, 9. Februar 2011, 17:00
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    foto: paramount pictures

    Jeff Bridges in den verwahrlosten Landschaften der Pelze, Biber und Banditen: "True Grit" von den Coen-Brüdern.

Das Filmfestival Berlinale lockt heuer nicht nur mit Leistungsbeweisen des deutschen Filmschaffens

Im US-Western "True Grit" der Brüder Coen pflastern Leichen und Flaschen den Weg der Gerechten in den Kinohimmel.

***

Noch hat die Berlinale nicht richtig angefangen, aber beim Blick ins Programm scheint es, als wäre man entschlossen, mit dieser Ausgabe endgültig eine Generationsablöse zu vollziehen: Am kommenden Wochenende demonstrieren mit Werner Herzog und Wim Wenders wohl zwei Veteranen des Neuen Deutschen Films, dass sie trotz größter Verschiedenheit immer noch die Möglichkeiten des Kinos ausloten und erweitern - allerdings tun sie dies außer Konkurrenz.

Als deutsche Bären-Kandidaten hat Berlinale-Leiter Dieter Kosslick dafür den Dokumentaristen Andres Veiel (Blackbox BRD) mit seinem Spielfilmdebüt Wer wenn nicht wir nominiert - sowie Ulrich Köhler, als Chronist vermeintlich banaler Alltäglichkeit bekanntgeworden, mit seinem dritten Spielfilm Schlafkrankheit.

Die beiden sind repräsentativ für den Altersschnitt der diesjährigen, schlanken Wettbewerbsauswahl. Offenbar ist Berlin im Wettstreit mit den Mitbewerbern aus Cannes und Venedig um die bereits arrivierten, relevanten Namen des gegenwärtigen Weltkinos endgültig unterlegen. Stattdessen stehen etliche Erst- und Zweitfilme (unter anderem von Miranda July und Seyfi Teoman) auf dem Programm sowie Arbeiten von Regisseuren, die in Berlin bereits einmal ausgezeichnet wurden: der US-Amerikaner Joshua Marston (Maria voll der Gnade, 2004) etwa oder Asghar Fahadi (Darbareye Elly, 2009).

Auch der Eröffnungsfilm ist keine Welturaufführung: Wenn am heutigen Donnerstagabend die Saallichter im Berlinale-Palast ausgehen, dann erscheint das allerfriedlichste Bild auf der Leinwand - nur um in einer eleganten, zügigen Bewegung ein Verbrechen zu offenbaren. Die Coen-Brüder haben mit True Grit ihren ersten Western inszeniert. Der Film, der am 25. Februar auch in Österreich startet, basiert auf einem Roman, der wiederum bereits einmal die Vorlage für ein Alterswerk von John Wayne abgegeben hat. Nun wuchtet sich Jeff Bridges äußerst widerstrebend auf seinen Gaul, um im Sold und in Begleitung der naseweisen 14-jährigen Mattie Ross (Hailee Steinfeld) den Mörder ihres Vaters zu jagen.

Neben Leichen pflastern bald auch (leere) Flaschen ihren Weg, der durch sorgfältig gecastete, unwirtliche Wald-, Fels- und Staublandschaften führt. Die eigentliche Attraktion ist weniger die Standardhandlung als vielmehr das Sammelsurium an Figuren: Matt Damon (mit buchstäblich fragwürdiger Haartracht), Josh Brolin (mit sprichwörtlich vollen Hosen) und jede Menge ungewaschener Kleinstdarsteller in damaliger Funktionskleidung, vom Bärenkopf-Käppi bis zu Schaffell-Wadenwärmern, machen so manche Textlänge vergessen.

Nicht vergessen wird hingegen, dass im Gremium der Bären-Vergeber, dem heuer Isabella Rossellini vorsteht, ein Sitz leer bleiben muss, weil der designierte Juror Jafar Panahi im Iran wegen angeblicher "Propaganda gegen das System" mit Haftstrafe, Berufs- und Reiseverbot belegt wurde. Ihm sind unter dem Motto "Jafar Panahi - Filmmaker of The World" eine Reihe von Berlinale-Sonderveranstaltungen gewidmet. (Isabella Reicher, DER STANDARD - Printausgabe, 10. Februar 2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 124
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sixtus dohostus
00
11.2.2011, 18:39

und natürlich
mein Best of
http://www.youtube.com/watch?v=vGpvO8JabEc

sixtus dohostus
00
11.2.2011, 18:32
Nicht zu unterschätzen

Kurze Lunte
http://www.youtube.com/watch?v=-9tibaqZ49U

politisch verfolgt
00
11.2.2011, 01:41
ftstzg von weiter hinten

der western ist tot, ich bleibe dabei. die ab und zu aufflackernden und manchmal sogar ganz guten versuche, das genre wiederzubeleben, können darüber nicht hinwegtäuschen, daß es tot ist. ich finde das enerseits schade, andererseits irgendwie nicht. die letzte gute zeit des western war anfang der 70er, dann wars zu ende, das pulver war verschossen.

Gerhard Polak
00
23.2.2011, 23:23
Das amerikanische Buffet war gut

und True Grit auch. Western war die Kostümierung, aber sonst war es eine sehr gute Geschichte in eienm sehr gut gemachten Coen Film, der am Schluß verkitscht wurde (Schlangenbiß-langer Ritt-irgendwie doch gerettet). Es bleibt ein sehenswerter Film.

Uncle Ethan
00
11.2.2011, 11:40

der western hat schon viele phasen erlebt, die ersten versuche, die klassische und die erwachsenenphase, später die wiederbelebung durch die spagettis und die jungen wilden. das ganze dauert jetzt schon fast 100 jahre - zum toterklären ist es zu früh, ich wüsste auch nicht was so eine erklärung überhaupt bringen sollte, auch wenn der letzte große western - unforgiven - auch schon eine weile zurückliegt.

pike bishop
00
11.2.2011, 15:29

Ethan, dass Du wieder einmal aus der Wüste auftauchst hätte ich nicht erwartet, de Krieg ist über 50 Jahre lang vorbei. Wo warst Du so lange?

Uncle Ethan
00
11.2.2011, 18:52

ich geb dir ne münze und du stellst keine fragen. aber jetzt sollten wir debbie suchen, wo sie bloss wieder steckt?

pike bishop
00
11.2.2011, 21:44

Ich glaube, die hat geheiratet, während Du weg warst.

Uncle Ethan
00
12.2.2011, 09:20

unglaublich, die schl...pe knall ich ab!!!

pike bishop
00
12.2.2011, 14:23

Nein, Ethan, nein!

Lest's go home, uncle.

Uncle Ethan
00
12.2.2011, 19:03

what makes a man to wander
what makes a man to roam

ride away
ride away
ride away

politisch verfolgt
00
11.2.2011, 13:36
also

nach dem italo-western kam nicht mehr viel, da hatte hollywood den western im wesentlichen schon abgehakt. unforgiven, davor silverado waren die letzten gelungenen versuche einer wiederbelebung. jedes jahrzehnt einer, könnte man sagen.
aber gut, wenn sie in jahrhunderten denken, ist es für ein begräbnis wahrschjeinlich noch zu früh. einigen wir uns auf "der western ist aufgebahrt".

Uncle Ethan
00
11.2.2011, 13:50

untot könnte man sagen!

politisch verfolgt
00
11.2.2011, 14:04
naja

der ausdruck "untot" gehört eigentlich zu einem anderen genre...

Uncle Ethan
00
11.2.2011, 19:00

wayne in seiner endphase hat die beiden genres ziemlich gut verschmolzen ;-)
der shootist natürlich ausgenommen

Dino Tilt
02
10.2.2011, 12:02
-.-

The Man Who Shot Liberty Valance
High Noon
Little Big Man
A Man Called Horse
Rio Bravo
The Magnificent Seven
Dead Man
Unforgiven
The Proposition
Once Upon a Time in the West (IT)
Heavens gate
Dances with Wolves (uncut)
The Good, The Bad and the ugly (IT)
Django (IT)
Il Grande silenzio (IT)
Il Mio nome è Nessuno (IT)
The Quick and the Dead
The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford
El Topo
No Country for Old Men ?
Badlands ?

hier muss ich aufhören, bevor sich sachen wie mad max reinschummeln...

Dino Tilt
00
10.2.2011, 20:01
danke

für die vielen filmtipps. zu viele. wo soll mann da anfangen? ich hab mich mal für "the wild punch" entschieden und die dvd bestellt. bin peckinpah-jungfrau.
auf die kritik einzelner filme geh ich nicht ein. zugeben muss ich aber, daß einige filme nicht ganz in die liste passen. "quick and the dead" kann ich zb. nicht jemand empfehlen, der "dead man" gut findet. außer mir. :) mir hat raimis comicstil trotzdem viel spaß gemacht. jeder generation seine western. yeeehaaaaw! und reitet los.

Uncle Ethan
01
11.2.2011, 09:02

falls sie am western interessiert sind, empfehle ich das berühmte lexikon von joe hembus, dann wirds nicht mehr passieren, dass, wie unten richtig angeführt, western von ford, peckinpah oder mann fehlen.
ich persönlich empfehle den film, der als einziger und das völlig zurecht bei hembus 4 sterne bekam.

pike bishop
00
10.2.2011, 17:30

Ihre Liste ist eh ganz schön, aber wie immer darf man bei sowas auch meckern. The magnificant seven halt ich für eine Beleidigung des Filmfreunds,d er "die sieben Samurei" gesehen hat. Dances with wolves ist ein romatisch-verlogener Schmarrn. Dafür fehlen alle Werke von Sam Peckinpah /The Wild Bunch, Ride the High Country, The ballad of Cable Hogue, Pat Garret and Billy the Kid), nichts von Delmar Daves (3:10 to Yuma, The Hanging Tree), auch nichts von Anthony Man (Man of the West, Winchesert 72), Kein Shane, kein Mccabe and Mrs. Miller, von John Ford nur The Man who shot Liberty Valance (ba erkeine My Darling Clementine, The Searchers, Stagecoach), auch kein Red River.
Badlands, falls sie den MAlik-Film meinen, ist finde ich kein Western

bloody-nine
 
00
10.2.2011, 19:09
GAAAAAAAH

wie konnte ich pat garrett and billy the kid vergessen!!! shame!

bin auf die alten klassiker aus den 40ern - 50ern (ford, mann, daves.....) gar net so scharf und hab eher eine schwäche für spät-, italo-, anti- und acid-western. muss daher unbedingt noch den einen oder anderen eastwood (pale rider) nennen, the missouri breaks, veventunell long riders...

bei dances with wolves neige ich auch dazu ihnen recht zu geben. ich mag den film, aber er ist kein grosser.

es sei bemerkt
00
11.2.2011, 14:33

long riders ist ganz groß finde ich, aber denkt denn hier bewusst niemand an butch cassidy & the sundance kid?

Ausgeflippter Lodenfreak
02
10.2.2011, 17:04

Open Range mit Robert Duvall, Kevin Costner, und Annette Bening passt glaube ich auch in ihre Liste. Harte Männer mit Vergangenheit die für ihren Kodex kämpfen in wunderbare Bilder verpackt. Das Ende ist vielleicht zu klassisch positiv, dafür liefert Benning eine super Leistung.

bloody-nine
 
00
10.2.2011, 19:10
naja

is ok, aber so toll is er net.
das ende ist viel zu vorhersehbar und hollywood-einschleimend...

Thomas J Jackson
00
10.2.2011, 17:21

Hatte von "Open Range" weder gehört noch gelesen. Bin erst vor kurzem beim Programmzappen darauf gestoßen und war wirklich begeistert. Toller Western.

zwurbelbart
 
00
10.2.2011, 16:25

Für alle Filminteressierten/-fans/-liebhaber/-freaks eine Internetseite, die ich in Spanien aufgeschnappt habe.

http://www.filmaffinity.com/

Muss jeder selbst entscheiden, ob er damit was anfangen kann. Ich bin jedenfalls begeistert und hab ca. die Hälfte meiner aktuellen Lieblingsfilme dort entdeckt.

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