Russland bleibt Strabag lieb und teuer

9. Februar 2011, 14:11
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Baukonzern rechnet heuer mit lediglich 400 Millionen Euro Russland-Umsatz

Wien - Der russische Markt - wichtigster Teil der Strabag-Börsestory 2007 - spielt für die Strategie des Baukonzerns auch jetzt noch eine zentrale Rolle - die Entwicklung soll nun aber weniger einem Strohfeuer gleichen, sondern längerfristig stattfinden: "Russland soll weiter das dritte große Standbein des Konzerns werden, nur eben bis 2020", erläuterte Strabag-Sprecherin Diana Klein.

Die Strabag reagierte auf die wachsende Skepsis über die Rolle, die Russland als Wachstumstreiber für den Konzern spielen kann. Trotz des enormen Marktpotenzials "bleibt abzuwarten, inwieweit die Strabag von der weiteren Marktentwicklung dort partizipieren kann", zitiert das "WirtschaftsBlatt" den zuständigen RCB-Analysten Klaus Ofner. "Die Russland-Fantasie vor dem Börsegang hat sich - krisenbedingt - bislang nicht erfüllen können."

Tatsächlich kann vom früheren Ziel Hans Peter Haselsteiners, Russland bis 2014 zum dritten Kernmarkt (neben Deutschland und Österreich) zu machen, keine Rede mehr sein. Von den Aufträgen für die Olympischen Winterspiele 2014, die ursprünglich eine Milliarde Euro erreichen sollten, werden wahrscheinlich nur 350 Mio. Euro übrigbleiben, davon etwas weniger als die Hälfte im heurigen Jahr. 2011 hofft die Strabag zusammen mit den Sotschi-Aufträgen 400 Mio. Euro in Russland umsetzen zu können.

Bauaufträge verflüchtigen sich

In der Krise haben sich große Bauaufträge etwa in St. Petersburg verflüchtigt und ein großzügig angelegtes Zement-Joint-Venture mit dem Wieder-Aktionär der Strabag, Oleg Deripaska, musste abgeblasen werden. Gleiches gilt für die ursprünglich geplante Fusion der Strabag-Russland mit den Baufirmen Oleg Deripaskas. Stattdessen will sich die Strabag zu 26 Prozent am russischen Straßenbaukonzern ihres Großaktionärs Deripaska beteiligen und prüft den Wert der Transtroj in den nächsten beiden Jahren. Im Notfall kann auch die mit Deripaska vereinbarte Anzahlung - 70 Mio. Euro - zurückverlangt werden.

"Die Russland-Geschichte ist nicht tot. Sie wird von den Analysten in ihren Modellen nicht als besondere Chance bewertet, weil der endgültige Einstieg bei der Transstroj Zeit benötigt", sagte Klein zur APA. "Ist der Einstieg erfolgt, kann er schnell eine Verdoppelung unserer Bauleistung in Russland bedeuten."

Die üppigen Cash-Bestände, auf denen die Strabag auch heute noch sitzt, sollen heuer eher "opportunistisch" investiert werden, erklärte Strabag-Chef Haselsteiner. Soll heißen: Zukäufe sollen dort stattfinden, wo sich günstige Gelegenheiten ergeben - etwa in Märkten, in denen man unter die größten drei Baufirmen kommen möchte, in Rohstoffinvestitionen oder in öffentlich-private Betreibermodelle.

Dass das aktuell gut laufende Polen ein geeigneter Ersatz für den Fantasiemarkt Russland wäre, glaubt Klein nicht. "Es hat keinen Sinn, stärker in einen solchen Markt einzusteigen; er boomt zwei oder drei Jahre, dann kommen die Chinesen und er fällt rapid wieder ab." (APA)

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