Rätselraten um Bundesbanker Weber

9. Februar 2011, 14:19
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Gerüchte um Wechsel zur Deutschen Bank - Lag als einflussreicher EZB-Rat mit Trichet wegen Anleihe-Aufkaufs im Clinch

Frankfurt - Rätselraten um die berufliche Zukunft von Bundesbank-Präsident Axel Weber: In Finanzkreisen verdichteten sich am Mittwoch Spekulationen über einen Wechsel des 53-Jährigen zur Deutschen Bank. In Bundesbank-Kreisen hieß es, Weber wolle sich möglicherweise 2012 aus der Notenbank verabschieden. Der Chefsessel bei der Deutschen Bank wird spätestens im Mai 2013 frei.

Weber habe in einer vertraulichen Runde am Dienstagabend angedeutet, dass er "nicht unbedingt eine zweite Amtszeit" bei der Deutschen Bundesbank anstrebe, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa in Frankfurt. Der 53 Jahre alte Wirtschaftsprofessor führt die deutsche Notenbank seit dem 30. April 2004, die Amtszeit beträgt acht Jahre.

Weder die Bundesbank noch die Deutsche Bank wollten sich am Mittwoch zu einem möglichen Wechsel Webers zur größten deutschen Bank äußern. Der Bundesbank-Präsident selbst verzichtete auf eine persönliche Erklärung zu seiner beruflichen Zukunft. Seine Termine in den nächsten Tagen wird Weber wahrnehmen, heißt es. Morgen Nachmittag soll er beispielsweise in Wien sprechen.

Zu Mittag wurde bekannt, dass Weber in der Früh ein vertrauliches Telefonat mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte.

Draghi auch Anwärter

Weber wurde neben seinem italienischen Amtskollegen Mario Draghi wiederholt als heißester Anwärter für den Chefsessel der Europäischen Zentralbank (EZB) gehandelt. Offiziell nominiert hatte ihn Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) jedoch noch nicht.

Der Nachfolger von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet soll am 1. November sein Amt antreten. Gegen eine Berufung Webers auf den europäischen Spitzenposten hatte es Vorbehalte gegeben: Der gebürtige Pfälzer tritt als geldpolitischer Hardliner auf und hatte im vergangenen Jahr wiederholt Kritik am Kurs der EZB in der Schuldenkrise geäußert.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hört spätestens zur Hauptversammlung 2013 auf. Der Schweizer hat die Suche nach seinem Nachfolger zur Chefsache erklärt.

Der sich andeutende Verzicht von Weber auf die EZB-Präsidentschaft hat die Anleger am Mittwoch zeitweilig verunsichert. "Weber gilt eher als Falke. Wenn er nicht an die EZB-Spitze aufrückt, nährt das Spekulationen, dass die Notenbank eine eher lockere Geldpolitik fahren könne", kommentierte Commerzbank-Analystin Antje Praefcke.

Euro gebremst

Die Spekulationen bremsten den Euro und ließen zeitweilig die Kurse für deutsche Staatsanleihen steigen. Die Gemeinschaftswährung fiel auf bis zu 1,3609 Dollar nach 1,3622 Dollar zum US-Vortagesschluss zurück. Im Verlauf erholte sich die Gemeinschaftswährung jedoch wieder auf 1,3644 Dollar. Webers Verzicht wäre nach Einschätzung von UniCredit-Analyst Kornelius Purps zwar eine Überraschung. "Die Auswirkungen auf den Euro dürften sich aber in Grenzen halten, da - egal wer die Leitung übernimmt - eine stabilitätsorientierte Geldpolitik der EZB garantiert sein dürfte."

Zur Kurzbiografie: Schon bei seinem Antritt als Bundesbankchef nannte Weber sein wichtigstes Motiv für den damaligen Wechsel: die Unabhängigkeit des Amtes. In den sieben Jahren danach hat der Pfälzer vom Recht auf eine eigene Meinung häufig und öffentlich Gebrauch gemacht. Seine klaren, stabilitätsorientierten Positionen machten ihn zunächst zu einem der wichtigsten Ratgeber der deutschen Bundesregierung in den Krisen um Lehman Brothers und die verschuldeten Euro-Staaten.

Auch im EZB-Rat hat Webers Wort seit Jahren großes Gewicht. Doch zuletzt nervte er EZB-Präsident Trichet wie auch seine Kollegen zunehmend mit der hartnäckig vorgetragenen Kritik am Aufkauf maroder Staatspapiere. Kanzlerin Merkel traktierte Weber mit Dauerfeuer gegen die deutsch-französischen Pläne zur künftigen Gestaltung des Euro-Raums, was ihn politischen Rückhalt in Berlin gekostet haben mag.

Ökonom

Der Volkswirtschaftsprofessor war als erster renommierter Wissenschaftler an die Spitze der Bundesbank berufen worden. In der Folge erstritt sich der Währungsexperte schnell den in Deutschland populären Ruf eines "Falken", für den die Preisstabilität das wichtigste Ziel der Geldpolitik ist - anders als für manche "Tauben" im EZB-Rat, die nach einer Krise die Zinsen gerne mal etwas später anheben, um das einsetzende Wirtschaftswachstum nicht zu gefährden. In seiner Funktion als oberster Währungshüter ohne eigene Währung scheute Weber vor Kritik an der deutschen Regierung in Berlin nicht zurück. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit kritisierte er Pläne des damaligen Finanzministers Hans Eichel (SPD) zum Stabilitätspakt scharf - oder polterte später gegen schwarz-gelbe Steuersenkungspläne. In der Finanzkrise fand der Notenbanker das Ohr von Eichels Nachfolger Peer Steinbrück, der Webers unabhängigen Rat überaus schätzte.

Innerhalb der Bundesbank machte sich der Präsident unbeliebt, weil er das politisch dominierte Auswahlverfahren für seine Kollegen anprangerte und so Zweifel an deren Qualifikation aufkommen ließ. Am deutlichsten wurde dies im Fall Thilo Sarrazin, dessen fremdenfeindliche Thesen der sonst so durchsetzungsfähige Präsident allein nicht einzufangen vermochte. Schnell legte sich der Bundesbankchef auf eine Demission des ungeliebten Vorstandskollegen fest, beschädigte aber in der öffentlichen Diskussion das Unabhängigkeitspostulat der Bundesbank.

Der 53 Jahre alte Weber ist verheiratet und hat zwei Kinder. Einen Ausgleich für seine stressigen Job mit zahlreichen Posten in internationalen Gremien (Gouverneur des Internationalen Währungsfonds, Verwaltungsrat der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich) bietet ihm das Laufen. Er nahm bereits an Marathonläufen teil. Außerdem ist er Anhänger des FC Kaiserslautern und des FC Köln. (APA/Reuters)

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    Axel Weber

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