"Ein Transatlantik-Flug sind fünf Lungen-Röntgen"

Der 1. Europäische Röntgen-Tag am 10. Februar - Die bildgebende Technik revolutionierte Diagnostik und Therapie

Der 1. Europäische Röntgen-Tag am 10. Februar wird am 100. Todestag von Wilhelm Conrad Röntgen veranstaltet, der am 8. November 1895 die X-Strahlen an der Universität Würzburg entdeckte und am 22. Dezember 1895 die erste Röntgenaufnahme der Hand seiner Frau aufnahm. Er trat später das Patent an seine Universität ab und verlangte keine Lizenzgebühren. 1901 erhielt Röntgen den ersten Nobelpreis. Als er starb, gab es in der damaligen Medizin-Welthauptstadt Wien bereits elf Röntgen-Institute. Die bildgebende Technik revolutionierte die Diagnostik und Therapie.

Computer-Tomografie als zweite Revolution

Die zweite Revolution in der bildgebenden Röntgen-Diagnostik setzte ab 1971 ein. Auf der Basis eines Verfahrens des österreichischen Mathematikers Johann Radon aus dem Jahr 1917 entwickelte der britische Techniker Godfrey Hounsfield nach Vorarbeiten des Physikers Allan Cormack die Computer-Tomografie. Dabei handelt es sich um Röntgen-Schichtbilder, die am Computer auch zu dreidimensionalen Darstellungen gerechnet werden können. Hounsfield und Cormack bekamen dafür 1979 sozusagen den zweiten Röntgen-Nobelpreis.

Diese Technik hat sowohl die Notfall-Diagnostik bei Unfällen als auch Abklärung von unklaren internen Erkrankungen völlig umgestaltet. Christian Loewe von der Universitätsklinik für Radiodiagnostik am Wiener AKH: "Heute können wir binnen weniger als zehn Sekunden ein ganzes Herz mit den Koronargefäßen darstellen, in 0,6 Sekunden den ganzen Brustkorb. Wir können sehr gut eine koronare Herzkrankheit bei unklaren Symptomen ausschließen." Als generelle Screening-Methode eigne sich die Technik aber noch nicht.

Geringe Strahlenbelastung

Doch bald soll es hier eine Weiterentwicklung geben. Loewe: "Was vor der Tür steht, ist die Plaque-Diagnostik. Wir werden bald in der Lage ein, 'gute' von 'bösen' Engstellen in den Koronararterien zu unterscheiden." Vor der Strahlenbelastung von Röntgenuntersuchungen braucht sich laut den Experten niemand zu fürchten. "Ein Atlantik-Flug hin und retour - das sind fünf Lungenröntgen", hieß es bei der Pressekonferenz in Wien.

Anlässlich des 1. Europäischen Röntgen-Tages können in Österreich auch Menschen ohne Krankenversicherung (E-Card) in 45 Radiologen-Ordinationen kostenlos die Leistungen der bildgebenden Diagnostik in Anspruch nehmen. Eine Liste der teilnehmenden Institute finden sich auf der Webseite der Österreichischen Röntgengesellschaft. (APA/red)

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