Lebenslange Sperre für Ricco gefordert

9. Februar 2011, 10:10
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Italienischer Verband will den Gewinner der vergangenen Österreich-Rundfahrt drakonisch abstrafen - Verbands-Chef: "Er muss Ausweg aus perversem Tunnel finden"

Rom - Der italienische Radsportverband (FCI) will den Gewinner der vergangenen Österreich-Rundfahrt, Riccardo Ricco, nach einer im Spital offenbar eingestandenen Eigenbluttransfusion lebenslang sperren. "Es gibt keine Entschuldigung: Für sein Wohl, für seine Familie und für den ganzen Radsport muss Ricco seine Karriere endgültig aufgeben. Er muss einen Ausweg aus dem perversen Tunnel finden, in dem er steckt. Er muss sich selbst als Mensch wiederfinden", sagte FCI-Präsident Renato Di Rocco.

Ricco war während der Tour de France 2008 als Gesamt-Zweitem die Einnahme des EPO-Derivats CERA nachgewiesen worden. Vor seinem Comeback entschuldigte er sich mit großen Worten ("Ich habe einen Fehler gemacht, aber das ist Vergangenheit, jetzt gibt es den neuen Riccardo Ricco") und gewann im Juli 2010 nach Siegen auf dem Kitzbühler Horn und am Großglockner sein erstes Etappenrennen nach der Sperre.

Heuer wollte er im Team Vacansoleil zurück auf die große Bühne, doch das ist illusorisch, wenn sich der Verdacht erhärtet. FCI-Chef Di Rocco ist nach der jüngsten Affäre - Ricco war in kritischem Zustand in ein Spital gebracht worden - schockiert. "Trotz seiner 20-monatigen Sperre hat er weiterhin mit Doping sein Leben riskiert und das ist erschütternd. Die Bitterkeit ist groß und muss uns anregen, über die Krise der Werte nachzudenken. Wir stehen vor einem innerlich kranken Mann, der von falschen Werten wie Erfolg um jeden Preis vergiftet ist. Er hat den Sinn für die Realität verloren", erklärte der Funktionär.

Das nationale Olympische Komitee (CONI), das für Sanktionen zuständig ist, hat ebenso Ermittlungen eingeleitet wie die Justiz. Sein neuer Rennstall droht dem 27-Jährigen die Entlassung an. Ricco drohen nach italienischem Gesetz drei Jahre Haft. In Frankreich war er nach dem Dopingfall zu zwei Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Di Rocco muss einmal mehr mit einem Skandal leben. "Der Imageschaden ist enorm. Der Radsportverband wird alle notwendigen Schritte unternehmen, um sich zu schützen. Doch moralisch gesehen ist es ein Desaster." (APA)

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    FCI-Präsident Renato Di Rocco über Riccardo Ricco (Bild): "Wir stehen vor einem innerlich kranken Mann, der von falschen Werten wie Erfolg um jeden Preis vergiftet ist. Er hat den Sinn für die Realität verloren."

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