"Ich mach' das anders und besser"

13. Februar 2011, 17:00
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Was Cateringservice, Buchhaltung und Büroarbeit gemeinsam haben - Drei kleine Outsourcing-Betriebe im Porträt

Beim Schlagwort Outsourcing denkt man meist an große Unternehmen, an die Industrie, an Zeitarbeiter. Es gibt aber auch viele kleinere Betriebe, die gezielte Outsourcing-Dienstleistungen anbieten. derStandard.at hat sich drei von ihnen genauer angeschaut. Zwei Dinge stechen dabei besonders hervor: Alle drei Gesprächspartner sehen sich als überdurchschnittlich flexibel an und wollen vor allem mit Kostengünstigkeit punkten.

Hans-Dieter Bauer war 15 Jahre lang in der Hotellerie tätig, bevor er sich selbständig machte. Seine Arbeit führte ihn von Zürich bis Wien, von Vorarlberg bis Graz. 1992 begann er, sich auf den Bereich Food & Beverage (F&B) zu konzentrieren, 2003 gründete er ein Cateringservice für Hotels mit dem Namen "kross & knusprig". "Ich habe damals selbst bei einem Caterer gearbeitet und war mit der Serviceleistung nicht zufrieden", erzählt der 43-Jährige, "da dachte ich: Ich mach' das anders, ich mach's besser." Heute betreut Bauer gemeinsam mit rund zwölf bis 15 Mitarbeitern ganzjährig drei Hotels in Wien. "Wir übernehmen alles, was mit Essen und Trinken zu tun hat – vom Frühstück über das Abendessen und Events bis hin zur Bar." Während des Sommers kommt das Cateringservice für zwei – während dieser Zeit zu Hotels umfunktionierten – Studentenheime dazu, dann steigt kurzfristig auch die Zahl seiner Mitarbeiter.

Personal bedeutet Kosten

Warum immer mehr Hotels den F&B-Bereich auslagern, liegt für Bauer klar auf der Hand: Es sind die hohen Ausgaben. "Der Kostenfaktor ist das Personal. Wir sind in diesem Punkt flexibler, weil wir unsere Mitarbeiter so einsetzen können, wie wir sie brauchen." Außerdem würden sich die Hotels zunehmend lieber um ihr Kerngeschäft, die Vermietung von Zimmern, konzentrieren. Das Schöne am Job? Die tägliche, neue Herausforderung und der Kontakt mit den unterschiedlichsten Menschen.

Ein "mobiles Büro"

Den Schritt in die Selbständigkeit wagte Waltraud Carvajal Escobar im Alter von 51 Jahren. Damals war sie als Chefsekretärin in einer Unternehmensberatung tätig, bis diese zusperrte. "Mit diesem Alter arbeitslos sein, das ist schon heftig", dachte sich Escobar. Schon einige Jahre zuvor war sie vorübergehend ohne Job gewesen, ein zweites Mal wollte sie nicht mehr durch so eine Phase gehen. Sie entschloss sich also, ihr berufliches Glück selbst in die Hand zu nehmen. "Ich habe als Chefsekretärin so viel gelernt, dass ich mich einfach drübergetraut habe." Sie absolvierte die Akademie für Kleinstunternehmer und gründete in Klosterneuburg-Kierling "Das mobile Büro", einen Ein-Frau-Outsourcing-Betrieb für Sekretariatsarbeiten.

Immer wieder neu orientieren

Ihren Kunden nimmt sie Tätigkeiten wie das Vorbereiten von Buchhaltungsunterlagen für den Steuerausgleich, das Transkribieren von Texten oder die Erstellung von Power-Point-Präsentationen ab. "Meine Klienten sind selbst Ein-Mann-Betriebe, die sich keine eigene Bürokraft leisten können oder wollen, von der Rechtsanwältin bis zum Buchhalter." Die Unternehmerin verrechnet pro Stunde, Fixkosten entstehen für die Kunden nicht. Die Herausforderung in ihrem Job liege darin, sich immer wieder auf unterschiedliche Tätigkeiten vorzubereiten und einzustellen. "Für einen meiner Kunden habe ich zum Beispiel Büromöbel gekauft und die Handwerker organisiert." Aber genau dieses Eingehen auf die Wünsche und Ansprüche der Kunden bringe die nötige Abwechslung.

Buchhaltung und Beratung

Flexibilität nennt auch Robert H. Lippert als größtes Plus eines kleineren Outsourcing-Unternehmens. Der Oberösterreicher ist Unternehmensberater und gewerblicher Buchhalter und bietet mit seiner Firma "Lippert Consulting Companies" Leistungen wie Personalverrechnung, Buchhaltung, Jahresabschlüsse oder Beratung bei Betriebsgründungen an. Sein Team besteht aus einer Vollzeit- und mehreren Teilzeitkräften. "Wir können besser und schneller auf die Wünsche unserer Kunden reagieren als große Unternehmen", ist Lippert überzeugt, "außerdem sind wir aufgrund unserer kleinen Struktur günstiger als andere."

Zweiter Bildungsweg

Der 42-Jährige hatte ursprünglich die Lehrberufe Radio- und Fernsehmechanik und Nachrichtenelektronik gelernt. Das Interesse für die Buchhaltung kam, als er für einen Betrieb ein Buchhaltungsprogramm in Excel programmierte. Lippert machte über den zweiten Bildungsweg Kurse und Ausbildungen und fing an, nebenbei die Buchhaltung für Ein-Mann-Betriebe zu führen. "Es wurden aber immer mehr Klienten, 1999 habe ich dann meine eigene Firma gegründet." Heute zählen zu seinen Kunden hauptsächlich kleine und mittlere Unternehmen, die zwischen zwei und zehn Mitarbeiter haben, die größten Betriebe haben 50 Mitarbeiter. (Maria Kapeller, derStandard.at, 14.2.2011)

  • Ob Frühstück, Abendessen oder Bargetränke....
    foto: kross & knusprig

    Ob Frühstück, Abendessen oder Bargetränke....

  • ... Hans-Dieter Bauer erledigt für Hotels alles, was mit Essen und Trinken zu tun hat.
    foto: kross & knusprig

    ... Hans-Dieter Bauer erledigt für Hotels alles, was mit Essen und Trinken zu tun hat.

  • Waltraud Carvajal Escobar hat sich ein "mobiles Büro" eingerichtet und übernimmt Sekretariatsarbeiten & Co. für andere Unternehmer.
    foto: das mobile büro

    Waltraud Carvajal Escobar hat sich ein "mobiles Büro" eingerichtet und übernimmt Sekretariatsarbeiten & Co. für andere Unternehmer.

  • Robert H. Lippert erledigt für andere Betriebe Aufgaben wie Buchhaltung und Personalverrechnung.
    foto: lippert consulting companies

    Robert H. Lippert erledigt für andere Betriebe Aufgaben wie Buchhaltung und Personalverrechnung.

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