Österreichs Kindern fehlt der Sport

12. Mai 2003, 12:28
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Landesweite Studie über körperliches Leistungsvermögen kommt zu "Besorgnis erregendem" Ergebnis - vor allem bei Mädchen

Salzburg - Vor einer Kürzung der Sportstunden im Schulunterricht warnt nun ein Salzburger Sportwissenschafter. Eine österreichweit durchgeführte Studie mit 65.000 Kinder und Jugendlichen hätte ergeben, dass das körperliche Leistungsvermögen der Elf- bis 14-Jährigen "Besorgnis erregend" sei. Schon in dieser Altersgruppe gebe es einen hohen Anteil an verkürzter und abgeschwächter Muskulatur, was in der Folge zu Haltungsschwächen und -schäden führe.

"Die Haltungsschäden der Kinder legen den Grundstein für Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates im Erwachsenenalter, die bereits Besorgnis erregende Ausmaße annehmen, hohe volkswirtschaftliche Folgekosten verursachen und eine drastische Beeinträchtigung der Lebensqualität im Alter darstellen", so der Salzburger Sportwissenschafter Andreas Sandmayr. "Klug & Fit" heißt die Studie des Unterrichtsministeriums, die Sandmayr im Rahmen seiner Dissertation "Das motorische Leistungsniveau der 11- bis 14-Jährigen Schülerinnen und Schüler in Österreich" am Institut für Sportwissenschaften der Universität Salzburg ausgewertet, beschrieben und interpretiert hat.

Auswirkungen auf die Gesundheit

Alarmierend sei vor allem die Tatsache, dass "bei Kindern und Jugendlichen nicht nur die körperliche Leistungsfähigkeit reduziert ist, sondern auch, dass in dieser Altersgruppe bereits der Gesundheitszustand eine Besorgnis erregende Tendenz verzeichnet", so der Wissenschafter. Hauptursache für diesen ungenügenden motorischen Leistungs- und somit Gesundheitszustand sei der eklatante Bewegungsmangel unserer Jugend. "Schon alleine aus volkswirtschaftlichen Gründen besteht ein dringender Handlungsbedarf gegen das ständig wachsende Ausmaß an Haltungsschwächen und Haltungsfehlern bei österreichischen Schülerinnen und Schülern."

Besonders dramatisch sei die motorische Entwicklung der Mädchen, die bei einem Großteil der untersuchten motorischen Fähigkeiten bereits zwischen dem 11. und 12. Lebensjahr zu stagnieren beginne. Vor zwanzig Jahren wurde bei den Mädchen erst ab dem 15./16. Lebensjahr die Stagnation der motorischen Leistungsentwicklung festgestellt. "Das hat sich mittlerweile um vier Jahre vorverlagert. Ganz offensichtlich muss hier von degenerativen Prozessen gesprochen werden."

... die Konsequenz

Eine Einschränkung der Sportstunden widerspreche den Entwicklungstendenzen der körperlichen Leistungsfähigkeit unserer Kinder, warnte der Wissenschafter. (APA)

Die Studie wird in Kürze vom Verlag Meyer&Meyer unter dem Titel: "Sportmotorische Leistungen in der Schule. Das motorische Leistungsniveau der 11- bis 14jährigen Schülerinnen und Schüler in Österreich." veröffentlicht.

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