Das Bedürfnis zu markieren

14. Mai 2003, 14:11
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Design, Funktionalität, Innovation. Weltmarktführerschaft aus Österreich. 150 Millionen verkaufter Stück. Das Produkt: der Trodat Printy, ein Stempel. Der Arbeitgeber für 473 heimische Mitarbeiter sitzt in Wels und verdient das Prädikat "attraktiv" - Teil 19

In den loftartigen Hallen des Unternehmens arbeiten die in Teams gruppierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Hightechmaschinen und fertigen Produkte, die auf den ersten Blick nicht dazu angetan sind, ein Unternehmen im Global Village der neuen Mediengesellschaft zu großen wirtschaftlichen Sprüngen zu befähigen: Stempel.

Doch alles ist möglich. Die Trodat Holding hat sich seit ihrer Gründung als Einzelfirma Franz Just in Wien im Jahr 1912 zum größten Markierungs- und Stempelgerätehersteller Europas, zum Global Player und Weltmarktführer gemausert.

Mit international gesamt 760 Mitarbeitern, Kunden in 170 Ländern, einer Exportquote von 98 Prozent und einem Umsatz von 81,3 Millionen Euro im Jahr 2002 bei ca. zehn Prozent EBITDA-Gewinn konnte man allein in Österreich in den letzten zwei Jahren trotz allgemein stagnierenden Marktumfelds zusätzlich 100 Mitarbeiter einstellen.

Trodat investierte zehn Millionen Euro in die Entwicklung des Printy neu, 840.000 Euro in die Weiterbildung der Mitarbeiter in Österreich, errichtete eine Produktionsstätte in China und kaufte einen Konkurrenten in England.

Mit China gilt die strategische Ausrichtung dem asiatischen Markt. "Außerdem ist in China jede Firma behördlich verpflichtet, mindestens fünf Stempel zu besitzen", meint Geschäftsführer Alfred Feldbauer zuversichtlich, "freilich steht die Eroberung dieses Marktes noch in den Kinderschuhen und ist kein Honiglecken, doch die ersten Großaufträge sind schon unter Dach und Fach."

Neben dem Megaseller, "Selbstfärber" und Kippstempel Printy, der in den 80er-Jahren das Licht der Welt erblickte, produziert Trodat ein Vollsortiment an Stempeln und Zubehör. Als zweite große Schiene, die bereits zehn Prozent des Umsatzes ausmacht, widmet sich das Unternehmen mit den Trotec Marking Systems der Entwicklung, Produktion und dem Vertrieb von Lasergravurgeräten.

Die Kunden sind weltweit Stempelmacher, die mit den Stempelplatten, auf denen sich das Logo befindet, die Trodat-Gehäuse endfertigen beziehungsweise die so genannten "Power Channels", also international tätige Vertriebsorganisationen im Bürofachhandel wie Viking, Staples oder Lyreco. Modernste Vertriebsstrukturen und E-Commerce zählen dabei zum Standard.

Humanes Bedürfnis

"Die Philosophie des Unternehmens hat sich vom reinen Stempel hin zum größeren Bereich ,individuelles Markieren' entwickelt. Wir befriedigen das menschliche Bedürfnis zu markieren", so Feldbauer. Auch im Human-Resources-Bereich ist Innovation oberstes Credo. Gearbeitet wird in Projekten und Teams mit 70 verschiedenen, teils individuellen Arbeitszeitmodellen und einer Beteiligung am Unternehmenserfolg.

Die Selbstorganisation der Arbeitszeit und des Ablaufs der Arbeitsprozesse wird den Mitarbeitern zugetraut. Dafür wird Weiterbildung und Teamtraining forciert. "Wir fördern die Eigenständigkeit. Für hohe Veränderungsbe- reitschaft und Flexibilität bedarf es unternehmerischer Werte wie Vertrauen, Verantwortung, Glaubwürdigkeit", meint Alfred Feldbauer.

Um die Attraktivität als Arbeitgeber im Raum Wels zu untermauern, geht man in Schulen, um das Unternehmen zukünftigen hoch qualifizierten Mitarbeitern zu präsentieren und zu öffnen. Für die bestehenden werden regelmäßig Veranstaltungen und Ausflüge organisiert, "die kein Beiwerk sind, sondern zur Unternehmenskultur gehören."

Eine hauseigene Trodat Academy zu Schulungszwecken ist dabei fast eine Selbstverständlichkeit. Seminare und Weiterbildung bei Trodat richten sich keineswegs bloß an das Management, sondern an sämtliche Arbeiter und Werkzeugbauer. Zur Entwicklung der Lasertechnologie kooperiert man mit der TU und der Uni Linz.

"Stempel sind kein Wachstumsmarkt. Für den Erfolg brauchen wir Know-how- Vorsprung, hoch qualifizierte Mitarbeiter und die Expansion in neue Märkte wie etwa Osteuropa", so Feldbauer. Die Trodat-Innovationskraft jedenfalls scheint in alle Unternehmensbereiche zu fließen, gleich ob Design, Produktentwicklung, Vertrieb oder Human Resources. (DER STANDARD, Printausgabe vom 10./11.5.2003)

Von
Matthias Raftl
  • Alfred Feldbauer, Geschäftsführer der Trodat Wels
    foto: trodat

    Alfred Feldbauer, Geschäftsführer der Trodat Wels

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