Anleihen: Solide Sieger ohne Sexappeal

11. August 2003, 19:40
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Unternehmensanleihen galten bislang als "unsexy" - Aber das schlechte Umfeld verhilft ihnen zu einem Siegeszug

Anleihenmanager haben eigentlich traurige berufliche Präferenzen: Sie sind froh, wenn kaum Inflation existiert, und sehen daher - im Gegensatz zu europäischen Exporteuren - den Anstieg des Euro zum Dollar mit Vergnügen. Gleichzeitig ist es für sie günstig, wenn Jobs verloren gehen und Konsumenten verängstigt sind. Dass Unternehmen global mit dem Sanieren ihrer Bilanzen, den Sorgen über immer teurere Bankkredite und mit Kostensenkung beschäftigt sind und der wirtschaftliche Ausblick sehr matt ist, zählt für sie auch zu den erfreulichen Nachrichten.

Denn die Summe dieser Faktoren lässt Geld in ihre Produkte - hauptsächlich Staats- und Unternehmensanleihen - fließen und treibt so die Kurse ihrer Fonds. Das bringt wiederum bessere Gesamtrenditen und setzt die Spirale weiterer Zuflüsse in Gang.

Heitere Stimmung

Entsprechend heiter ist die Stimmung bei einem der führenden Experten für Unternehmensanleihen in Europa, der Fondsgesellschaft M&G, Tochter des britischen Versicherungsriesen Prudential in London, die rund 80 Mrd. in Renten managt. Denn trotz einer Rallye auf den Aktienmärkten im April haben sowohl Staats- als auch Unternehmensanleihen einen ihrer besten Monate mit teilweise sehr steilen Kursanstiegen und deutlichen Renditeverlusten verzeichnet. Pensionsfonds und Versicherungen wollen bei ihren Anlagen weiter Sicherheit. Möglichst sicheren jährlichen Erträgen zwischen sechs und acht Prozent gehört demnach nicht nur die Gegenwart, sondern auch die absehbare Zukunft.

Unternehmensanleihen - vor allem High Yields, also Emissionen ab einer Bonität von BBB abwärts - bringen ihnen dabei Zusatzerträge. Denn je schlechter die Bonität, desto höhere Zinsen müssen die Unternehmen ihren Anleihengläubigern zwecks Risikoausgleich zahlen. Gleichzeitig wächst auch das Angebot an Publikumsfonds in diesen Kategorien. "Private haben noch immer zu wenig Anleihen", glaubt Simon Pilcher, Anleihen-Verantwortlicher bei M&G und wünscht sich einen Anleihenanteil in den Privatportfolios, der den Lebensjahren entspricht - also je älter, desto mehr Anleihen.

Vorrechte für Anleihen

Pilcher argumentiert, dass ertragreiche Unternehmen wesentlich weniger riskant seien als Aktien: Firmen lassen zurzeit gerne ihre Aktiendividenden ausfallen oder kürzen sie; den Kupon, also die laufenden Zinszahlungen für ihre Anleihen, müssen sie dagegen bedienen. Im Pleitefall sind Anleihengläubiger zudem bevorrechtet und sehen Geld lange vor den Aktionären.

Gleichzeitig fällt diese so genannte Ausfallsrate seit Monaten kontinuierlich, was Experten so interpretieren, dass der Großteil der "Ramschunternehmen" (Telekoms wie Jazztel oder Telekomausrüster wie Marconi) bereits aus dem Markt gefallen sind. Das lässt sich auch an der fortlaufenden Einengung der "Spreads" (Zinsaufschläge von Unternehmensanleihen gegenüber Staatsanleihen) absehen.

"Fallende Engel" werde es aber immer geben, räumt David Fancourt, Manager des M&G High Yield Bond Fund ein und hat dabei noch frische Erinnerungen an Katastrophenanleihen wie Ahold oder SwissAir. Einerseits verbessere sich aber die Kreditqualität der Unternehmen ständig, der Reigen der Herabstufungen gehe zu Ende; andererseits achte M&G auf eine große Streuung in seinen Fonds. Die in europäischen Corporate-Fonds üblichen 40-50 Titel hält er für zu wenig Streuung: "100 Positionen", so das M&G-Diversifikations-Credo.

"Extensiver interner Research"

Auf Ratingagenturen verlassen sich die Fondsmanager der Prudential nicht. Sowohl Firmen- als auch Staatspleiten seien an Ratingverschlechterungen nie abzulesen gewesen, so das Argument. Zudem zeige der Markt seit Jahren, dass eine Änderung in der Bonitätseinstufung immer erst geschehe, wenn der Markt dies in die eine oder andere Richtung vorweggenommen hatte. "Extensiver interner Research" lautet daher das M&G-Credo mit 27 Analysten für die Anleihenfonds. Deren Chef, Dan Gardner, sieht wegen anhaltender Bilanzreparatur, Schuldentilgung und Kostensenkung in Europa einen tendenziellen Rückgang im Emissionsvolumen europäischer Unternehmensanleihen.

Staaten würden dagegen wegen ihrer Budgetdefizite erneut mehr Anleihen begeben, glaubt er. Für die Corporates bedeute das: weniger Angebot bei steigender Nachfrage, was anhaltende Kursanstiege programmiere. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 12.5.2003)

Von Karin Bauer aus London

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  • Schlechte Wirtschaftslage wirft gutes Licht auf Anleihen
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