Geduld und Ausdauer sorgen an der Börse für Gewinne

9. Februar 2011, 09:08
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Bei Aktien fährt der am besten, der kauft und lange hält, besagt eine Studie

Wer glaubt, durch ständiges Kaufen und Verkaufen von Aktien die größten Kursgewinne zu erzielen, liegt falsch. So sagt es zumindest eine Studie von Fidelity. Demnach fährt nämlich der am besten, der kauft und lange hält.

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Wien - Geduld ist eine Tugend. Geht es aber um das veranlagte Geld, ist es oft schwer, Geduld aufzubringen - vor allem dann, wenn es an den Börsen ab- und aufwärts geht. Anleger sind aber gut beraten, auf Geduld zu setzten und der Börse langfristig treu zu bleiben. Denn wenn sie erst in Aufschwungphasen kaufen, verpassen sie häufig profitable Handelstage, wie eine Analyse von Fidelity International zeigt.

Der Studie zufolge sind für die Kursentwicklung meist nur wenige Tage entscheidend. Wer zum Beispiel die vergangenen 15 Jahre durchgehend in österreichische Aktien investiert hat, war - gemessen am Index "MSCI Österreich" - eine Wertsteigerung von 72,7 Prozent erzielt. Wären dem Anleger in diesem Zeitraum die besten 20 Tage entgangen, hätte er dagegen einen Verlust von 58,7 Prozent erlitten.

In Zahlen ausgedrückt: Hätte man zum 29. Dezember 1995 einen Betrag von 1000 Euro angelegt und diesen 15 Jahre lang nicht angetastet, so wären bis zum 31. Dezember 2010 - gemessen am MSCI Österreich - daraus 1726 Euro geworden (plus 72,7 Prozent). Wer in diesem Zeitraum die 20 Tage mit den höchsten Wertsteigerungen verpasst hat, hat noch 413 Euro (minus 58,7 Prozent). Wer gar die 40 besten Tage verpasst hat, verringerte sein eingesetztes Kapital auf schlappe 181 Euro.

Die größten Kurssteigerungen spielen sich meist innerhalb von wenigen Tagen ab - und zwar kurz vor oder nach einem Kursrückgang. Das Problem: Wann genau das passieren wird, ist nicht im Voraus abzusehen. "Anleger riskieren Verluste, wenn sie angesichts fallender Kurse in Panik geraten, ihre Anteile verkaufen und schließlich den darauf folgenden Aufschwung verpassen", erklärt Adam Lessing, Fidelity-Chef für Österreich und Osteuropa.

Gute und schlechte Tage

Ein langer Atem zahle sich daher aus, "denn es ist unmöglich, stets die richtigen Zeitpunkte für den optimalen Ein- und Ausstieg zu erwischen", sagt Lessing. Wie nah gute und schlechte Tage beieinander liegen können, zeigen die beiden Tage des höchsten Kursgewinnes und des höchsten Verlustes der vergangenen 15 Jahre - sie liegen zeitlich nur zwei Wochen auseinander.

Die stärkste Kurssteigerung an einem einzigen Tag erzielte der MSCI Österreich am 13.Oktober 2008: Der Index schoss um 13,6 Prozent nach oben. Die Börsen reagierten damals sehr euphorisch auf das geschlossene Vorgehen der EU-Minister und der österreichischen Bundesregierung gegen die Finanzkrise.

Am 27. Oktober 2008 verzeichnete der MSCI Österreich mit 10,6 Prozent dann allerdings den höchsten Kursrückgang in der analysierten Zeitperiode. Der Grund: Das starke Osteuropa-Engagement heimischer Unternehmen wurde negativ gewertet, da aufgrund der Finanzkrise die Risikoscheu der Anleger immer größer wurde. (bpf, DER STANDARD, Printausgabe, 9.2.2011)

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    grafik: der standard
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