Haberzettl will ÖBB nicht an ÖIAG andocken

8. Februar 2011, 18:38
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Wien - Der oberste Eisenbahner-Gewerkschafter Wilhelm Haberzettl hat sich - so wie ÖBB-Chef Christian Kern - gegen eine von VP-Finanzstaatssekretär Reinhold Lopatka vorgeschlagene Eingliederung der Bundesbahn unter das Dach der Industrieholding ÖIAG ausgesprochen. "Ich sehe darin keinen Nutzen für das Unternehmen", so Haberzettl im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Der VP-Finanzstaatssekretär bekommt vom Spitzengewerkschafter sein Fett ab: Lopatka sei keiner "normalen Diskussion" zugänglich, sondern er habe einen Auftrag. "Lopatka ist eine Art von Beschäftigungstherapie für Kern und Haberzettl, wenn man es personifiziert ausdrückt." Er werde aber Lopatka nicht mehr überbewerten, dieser operiere immer wieder mit unterschiedlichen Zahlen, meint Haberzettl.

Dem ÖBB-Chef stellt Haberzettl bei der Lohnpolitik die Rute ins Fenster: "Es kann nicht sein, dass der kleine Eisenbahner seinen Beitrag leistet und gleichzeitig Erfolgsprämien für die Manager - und zwar bis zur dritten Führungsebene - ausbezahlt werden." Die Prämien müssten daher genauso eingeschränkt werden wie alles andere auch, etwa durch eine Höchsteinkommensgrenze für Boni. Sollten die Boni unbeschränkt ausbezahlt werden, "dann wird es eine rücksichtslose Gehaltsforderung der Eisenbahner geben", kündigt Haberzettl an. "Das wird dann mit aller Macht durchgesetzt". Die Auszahlung der Boni werde nach der Bilanzerstellung für 2010, frühestens im Mai oder Juni, erfolgen. Den Beginn der heurigen Gehaltsverhandlungen erwartet Haberzettl im Mai.

Im konzerninternen Arbeitsmarkt seien ungefähr 600 Mitarbeiter, die rund 450 vermittelbaren Mitarbeiter sollten umgeschult werden. Rund 150 seien aber nicht vermittelbar, weil sie etwa aufgrund gesundheitlicher Probleme keinen Nachtdienst machen könnten, erläutert Haberzettl.

Bei der Frage nach den Schulden der Bahn verweist Haberzettl auf die Infrastrukturausgaben, zu denen sich nur das Verkehrsministerium bekenne, aber das Finanzministerium nicht - obwohl es jeder finanziellen Maßnahme bei den ÖBB zustimmen müsse. Auch Kern hatte bereits die Gesamtverantwortung der Regierung für die teuren Infrastrukturprojekte hervorgehoben. (APA)

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