Was wird bloß aus Lena?

8. Februar 2011, 18:40
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Lenas unbeschwerte Art ist einer ferngesteuert anmutenden Dauerquirligkeit gewichen

Ja, die Welt des Entertainments gefährdet Künstler - besonders jene Scheinwelt des Song Contests, die mit realem Musikbusiness so viel zu tun hat wie Nordkorea mit Basisdemokratie. Wirst du Letzter (nationale Schande!), kannst du dir ein neues Land suchen. Gewinnst du, bist du geneigt, dir freiwillig eines zu wählen, denn deine ist die Verbitterung: Schon ein paar Wochen nach deinem Triumph tun ja alle so, als hättest du gar nicht teilgenommen.

Schließlich begreifst du: In den fernen Zeiten eines Udo Jürgens mag es anders gewesen sein - mittlerweile nützt der Song Contest jedoch nur noch dem Song Contest.

Es gibt natürlich eine Möglichkeit, das Auftauchen in der Rubrik Was wurde eigentlich aus ... etwas hinauszuzögern. Lena, die den Contest im Vorjahr nach Deutschland geträllert hat, erwählt sie und tritt wieder an. In einem Zweckbündnis aus Pro 7 und Öffentlich-Rechtlichen sang sie bei "Unser Song für Deutschland" zwölf Neuheiten; das Publikum entscheidet am 18. 2. auf ARD, welche der sechs Verbliebenen zu Meyer-Landrut passt.

Trotz des Kampflächelns von Lena-Mentor und -Komponist Stefan Raab ist jedoch offensichtlich - bei der Comeback-TV-Inszenierung ist der Wurm drin. Lenas unbeschwerte Art ist einer ferngesteuert anmutenden Dauerquirligkeit gewichen, die von falschen Noten unterbrochen wird. Zudem scheint vielen nördlichen Nachbarn die Geduld mit dem Ex-Sonnenkind auszugehen.

Im Frühstücks-TV wird im Rahmen der "Netzschau" etwa von Twitter-Aktivitäten berichtet, die sich böse auf Lena einschießen. Gefährlich. Lena muss gewinnen oder würdevoll untergehen. Sonst kann sie kein drittes Mal antreten. (Ljubisa Tosiæ/DER STANDARD; Printausgabe, 9.2.2011)

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    Lena Meyer-Landrut.

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