Ein Amerikaner, zwei Tote und viele Fragen

8. Februar 2011, 18:24
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US-Bürger knallt auf offener Straße zwei Männer ab und sorgt für eine diplomatische Krise

Islamabad/Neu-Delhi - Die Geschichte klingt wie aus einem Agententhriller: Der US-Amerikaner Raymond Davis ist gerade in der pakistanischen Metropole Lahore unterwegs, als ihn angeblich zwei Männer auf einem Moped bedrohen. An einer Kreuzung zückt der 36-Jährige seine Pistole und erschießt sie aus seinem Wagen heraus - sie hätten ihn bedroht, wird er später aussagen. Dann ruft er US-Kollegen zur Hilfe. Diese brettern derart rasant durch die Stadt, dass sie gleich noch einen Passanten umfahren und töten.

Das war am 27. Jänner - und die "Affäre Davis" hat sich zu einer diplomatischen Krise ausgewachsen. Die pakistanischen Behörden haben Davis verhaftet, die USA drohten inzwischen sogar leise, sie könnten dem Land den Geldhahn zudrehen, sollte es den US-Bürger nicht sofort freilassen.

Washington pocht darauf, dass Davis ein US-Diplomat sei und "volle kriminelle Immunität" genieße. In Pakistan hält man den Mann für einen CIA-Agenten und erwägt, ihm wegen Doppelmordes den Prozess zu machen.

Bis heute sind die Motive für die Schießerei mysteriös: Davis erklärt, er habe in Notwehr gehandelt. Die Männer seien bewaffnete Räuber gewesen, die ihn überfallen wollten. Dagegen behauptet der Vize-Generalstaatsanwalt der Provinz Punjab, Rana Bakhtiar, von Notwehr könne keine Rede sein, da beiden Opfer in den Rücken geschossen worden sei. In den Medien kursieren Gerüchte, wonach die beiden Toten Mitarbeiter von Pakistans Geheimdienst Isi gewesen sein könnten.

Unbestritten ist, dass David im Dienste der USA steht. Unklar ist, was er in Pakistan tat. Die USA erklären, er sei "technischer Berater" der US-Botschaft gewesen. Laut Washington Post ist Davis in den USA Mitbesitzer einer Sicherheitsfirma namens Hyperion Protective Services. Auch scheint seltsam, dass ein "US-Diplomat" ohne Fahrer, aber mit geladener Pistole herumfährt - angeblich mit einer Glock 17.

Die Wut der Straße wurde noch angeheizt, als sich eine der beiden Witwen unter obskuren Umständen mit Rattengift tötete - nicht ohne vorher zu erklären, dass sie "Blut für Blut" sehen wolle. Auch Pakistans mächtiges Militär könnte Gründe haben, den USA eins auszuwischen. In den USA hatte ein Gericht jüngst Isi-Chef Ahmed Shuja Pasha als Zeugen in einem Verfahren um die Terrorattacke auf die indischen Stadt Mumbai vorgeladen. Zwar dürfte Pasha nicht im Traum daran denken, dem nachzukommen. Doch schon allein die Vorladung könnte das Militär als Affront gewertet haben.

Am Montag verbot Pakistan den drei Amerikanern, die in dem Fahrzeug saßen, das den Passanten überfuhr, die Ausreise. (Christine Möllhoff/DER STANDARD, Printausgabe, 9.2.2011)

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