Nachtaktiver Gesellschafter

9. Februar 2011, 01:01
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Fledermäuse erkennen Verwandte und Freunde auch nach dem Winter - Vor allem Weibchen spielen eine große Rolle beim Zusammenhalt der Kolonien

Dass Fledermäuse soziale Tiere sind, ist bekannt. Sie leben vor allem in Gruppen und suchen beim Schlafen engen Kontakt zu ihren Artgenossen, was ihnen hilft, Energie zu sparen. Das Sozialverhalten ist so stark ausgeprägt, dass die Tiere sogar in der Gruppe Entscheidungen treffen - zum Beispiel für einen Schlafplatz. Neu ist die Erkenntnis, dass Fledermäuse ihre Freunde und Familienmitglieder auch in sich verändernden Kolonien erkennen.

Ein erstaunliches Sozialverhalten, das jenem von Elefanten, Delfinen oder Menschenaffen ähnelt, berichten Wissenschafter aus Greifswald und Zürich in den Proceedings B der britischen Royal Society. Langfristige soziale Beziehungen seien demzufolge nicht von hohen kognitiven Leistungen abhängig, sagte Gerald Kerth von der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald.

Das Team um Kerth hatte zwei Kolonien von Bechsteinfledermäusen (Myotis bechsteinii) in Franken mit insgesamt bis zu sechzig Tieren fünf Jahre lang beobachtet. Die Art lebt in großen Teilen Europas. Alle Tiere wurden mit Mikrochips markiert. Die Analyse der sozialen Netzwerke basierte damit auf 20.500 individuellen Daten. Ergebnis: Gerade Weibchen, die bis zu 20 Jahre alt werden, spielen eine große Rolle beim Zusammenhalt der jeweiligen Gruppe und der ganzen Kolonie. Einige Weibchen, die ihre Gruppe wechselten, taten dies stets zusammen mit Mutter oder Tochter. Die Studie zeigte außerdem, dass die Tiere sich nicht nur individuell erkennen und über Jahre aneinander erinnern, sondern dass Verwandtschaft und Freundschaft auch eine wichtige Rolle bei ihrer Gruppenbildung spielen. Die Untersuchungen seien jeweils von April bis September erfolgt, erzählt Kerth. Wo die Fledermäuse schlafend den Winter verbringen, sei nicht bekannt. Im Frühjahr hätten sich aber überraschenderweise dieselben Individuen zusammengefunden wie im Jahr zuvor.

Nasen aneinander reiben

"Wie der Mechanismus des Wiedererkennens funktioniert, wissen wir nicht" , sagte Kerth. Es sei beobachtet worden, dass Fledermäuse die Nasen aneinander rieben. Dabei würden Sekrete mit individuell besonderen Bestandteilen abgesondert. Möglicherweise würden sich die Tiere am Geruch und an der Stimme erkennen.

Das Gehirn der Fledermaus ist kleiner als eine Erdnuss. Die Schlussfolgerung von Kerth im Standard-Gespräch: Auch Lebewesen mit kleinen Gehirnen können soziale Bindungen in komplexen Gesellschaften aufrechterhalten. Welche kognitive Leistung dahintersteht, ist derzeit noch unklar. (APA, pi/DER STANDARD, Printausgabe, 09.02.2011)

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    Weibliche Fledermäuse sind besonders sozial. Sie wechseln die Gruppe stets gemeinsam mit Mutter oder Tochter.

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