Wie Wirkstoffe in eine Zelle kommen

8. Februar 2011, 17:49
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Der Physiker Bernhard Siebenhofer entwickelt in Singapur künstliche Zellmembranen

Im Großen und Ganzen geht es darum, "wie man natürliche Vorgänge im Körper besser für die Medizin einsetzen kann" , erklärt Bernhard Siebenhofer als Ziel seiner Arbeit. Der 27-jährige gebürtige Grazer forscht seit einigen Wochen in Singapur. Als technischer Physiker beschäftigt er sich im Rahmen seiner Doktorarbeit mit laseroptischen Untersuchungen an Zellmembranen. Während seines einjährigen Aufenthalts in der südostasiatischen Metropole wird es seine Hauptaufgabe sein, künstliche Membranen zu entwickeln, die in ihren Eigenschaften menschlichen Zellmembranen gleichen. An ihnen wird er untersuchen, welche Auswirkungen äußerliche Einflüsse, etwa die Veränderung der Temperatur, auf Membranen haben. Erkenntnisse über die Arbeitsweise von Zellen können in der Pharmazie von Bedeutung sein und helfen, Medikamente kontrollierter zu verabreichen.

Siebenhofer absolviert ein Doktoratsprogramm der Wiener Universität für Bodenkultur in Kooperation mit dem Austrian Institute of Technology (AIT). Als einer der Ersten nutzt er eine vor kurzem begründete Kooperation österreichischer Forschungseinrichtungen mit der Nanyang Technical University und der National University in Singapur. Das Abkommen über eine international ausgerichtete Graduiertenschule soll den Wissenstransfer fördern. Es sieht vor, dass für jeden Studierenden, der nach Singapur geht, umgekehrt auch einer nach Österreich kommt.

Die wissenschaftliche Arbeit, die Bernhard Siebenhofer im Rahmen seiner Dissertation über Membran-Peptid-Interaktionen leistet, ordnet sich als kleiner Teil in ein umfangreiches Forschungsprojekt einer Arbeitsgruppe des AIT, deren Zielsetzungen von neuen Arten von Biosensoren über Bio-Chips bis hin zur Verbesserung von Herz- und Asthmamedikamenten reicht. "Wenn man versteht, wie Atmung und Nährstoffkette in Zellen funktioniert, kann man auch medikamentöse Wirkstoffe besser in die Zellen einschleusen" , so Siebenhofer.

Vor dem Doktoratsprogramm widmete sich der Steirer im Rahmen seiner Diplomarbeit an der Technischen Universität Wien der Atomphysik. Genauer: der nuklearen Sicherheit. In Zusammenarbeit mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) hat er "tragbare Strahlenmessgeräte für IAEA-Inspektoren evaluiert" . Messgeräte sollen bei Grenzkontrollen oder bei Untersuchungen in Nuklearanlagen Aufschluss geben, um welches radioaktive Material es sich handelt. Bei einer Grenzkontrolle soll "nicht jeder, der gerade nuklearmedizinisch untersucht wurde, den gleichen Alarm schlagen wie ein Plutoniumschmuggler" .

Von seiner Zukunft hat Siebenhofer schon recht klare Vorstellungen: Wenn alles gutgeht, "wovon ich ausgehe" , soll sie ihm weitere Arbeit am AIT, einen Post-Doc, "so viel internationale Erfahrung wie möglich" und "eine klassische Forschungskarriere" bringen. In Singapur fühlt er sich vorerst aber gut aufgehoben: Man werde in der sehr international geprägten Stadt "sehr vorurteilsfrei behandelt" . Schon bevor er in die Stadt kam, hat er sich informiert, wann welche Universitätsteams in seinem Mannschaftssport Ultimate Frisbee trainieren.

Was ihm in Singapur aber besonders ins Auge sticht, ist, dass "für Bildung und Forschung ganz andere Summen aufgewendet werden wie in Österreich" . Für einen jungen Forscher sei es "außergewöhnlich, auf welche finanziellen Mittel die Universitäten dort zurückgreifen können" .

Außerdem anders als in Wien: "Gerade jetzt schaut's nach Monsun aus, wenn ich da beim Fenster rausschaue." (Alois Pumhösel/DER STANDARD, Printausgabe, 09.02.2011)

  • Bernhard Siebenhofer forscht für ein Jahr in Singapur.
    foto: privat

    Bernhard Siebenhofer forscht für ein Jahr in Singapur.

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