Die geheimen Internetbrücken des US-Militärs

8. Februar 2011, 17:46
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Wäre es in ihrem Interesse gelegen, hätten die USA Mittel gehabt, die Internetsperre in Ägypten zu umgehen

Dass ein Regime seine Bürger kurzerhand von den heutigen Kommunikationstechniken Mobilfunk und Internet abschneiden kann, hat Präsident Hosni Mubarak in Ägypten in den vergangenen Wochen eindrucksvoll bewiesen. Die politische Empörung darüber hielt sich außerhalb des Landes in überschaubaren Grenzen. Dabei wäre es für die USA kein Ding der Unmöglichkeit, in solchen Fällen wieder funktionsfähige Verbindungen aufzubauen - wenn es sich nicht ausgerechnet um einen Verbündeten handelt.

"Was das Militär abdrehen kann, kann es auch wieder aufdrehen"

"Was das Militär abdrehen kann, kann es auch wieder aufdrehen" , verdeutlicht John Arquilla, Professor an der Narval Postgraduate School, in einem Gespräch mit der Online-Ausgabe des Technikmagazins Wired. Denn wer die Kommunikation des Feindes nachhaltig stören kann, wisse auch, wie man sich etwa in einem besetzten Land mit möglichen Alliierten in Verbindung setze und die Bevölkerung mit Informationen versorge.

Commando Solo

Als eines der Beispiele nennt der Experte das Hightech-Flugzeug Commando Solo der US-Luftwaffe. Wie von dem Flugzeug aus gekappte Internetbindungen wieder aufgebaut werden können, verrät er im Detail allerdings nicht. "Es gibt sowohl satelliten- als auch nichtsatellitengestützte Anlagen, die Zugangspunkte zur Verfügung stellen können, damit die Leute wieder online sein können."

Fliegende Funkzellen

Dann gäbe es die Möglichkeit, fliegende Funkzellen im Himmel einzurichten. Das US-Militär habe bereits Flugzeuge für diesen Zweck in Afghanistan eingesetzt. Eine weitere Möglichkeit wäre der Einsatz von Drohnen, an die mobile Funkstationen angebracht werden. Sie können ein unter ihnen liegendes Gebiet in einem Radius von ein paar Kilometern mit 3G-Verbindungen versorgen.

Satellitenschüsseln

Dann gibt es da noch die "klassische" Methode: sprich kleine Satellitenschüsseln könnten in das betroffene Land reingeschmuggelt werden. Satellitentechnologie wurde etwa auch dafür verwendet, in Haiti nach dem verheerenden Erdbeben im Vorjahr das Internet wieder zum Laufen zu bringen. Auf diese Weise übertragen auch Kameraleute in Kriegsgebieten ihre Videofilme an ihre Sender. Last, but not least könnte der Zugang zum Internet theoretisch auch über das eigene Satellitennetzwerk der Streitkräfte ermöglicht werden. 

Provokation

Arquilla gibt allerdings zu bedenken, dass derartige Online-Eingriffe von einem Land als erhebliche Provokation betrachtet werden könnten, ähnlich dem Einmarsch von Truppen. Und im Fall eines Langzeitalliierten wie Ägypten, hätte es wohl für die USA mehr als eines sozialen Aufstands bedurft, um zu diesem Mittel zu greifen. (kat, DER STANDARD Printausgabe, 9. Febraur 2011)

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  • Hightech-Flugzeug Commando Solo

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