Mit dem "Bundeskanzlerlied" auf Lehrersuche

8. Februar 2011, 17:50
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Statt in Lech Ski zu fahren besucht Bundeskanzler Werner Faymann die Neue Mittelschule in Absam - Mit dem geplanten neuen Dienstrecht werde es keinen Lehrermangel mehr geben, beruhigt er, aber alles brauche seine Zeit

Absam - "Fährt der Bundeskanzler eigentlich mit einer Stretch-Limousine vor?", fragt die elfjährige Lisa. Sie wartet vor der Sporthauptschule Absam, seit September eine von 25 Neuen Mittelschulen (NMS) in Tirol. 51 Hauptschulen hätten umgewandelt werden wollen, genehmigt wurde knapp die Hälfte. "Ich weiß leider nicht, bei welcher Partei er ist", grübelt Pascal: "Bei den Grünen oder den Roten?" Bundeskanzler Werner Faymann und seine Gefolgschaft kommen nicht mit Limousine, aber doch mit großem schwarzen Wagen, mit Polizei-Eskorte und Sicherheitsleuten. "Lässig, die Bodyguards", meint Marcel aus der ersten Klasse: "Der Anzug schaut sehr chic und teuer aus."

Dann ruft Musiklehrer Christian Schnitzer alle neugierigen Erstklässler zurück in die Aula. Dort stehen die vier ersten Klassen und einige Lehrer aufgereiht. Für den Besuch aus Wien wird das in stundenlanger Arbeit selbst komponierte "Bundeskanzlerlied" mit zwei Strophen vorgesungen. "Die Buben trauen sich doch gar nicht singen", ätzt Lisa. Das gibt Fabian auch zu: "Ich würd lieber Griass di zum Bundespräsidenten sagen ..." "Bundeskanzler!", fallen ihm drei Klassenkollegen korrigierend ins Wort.

Am kommenden Freitag gibt es für den ersten Jahrgang der NMS an der Hauptschule Absam das erste Semesterzeugnis. Derzeit laufe "organisatorisch alles bestens", erzählt Direktor Hans Köhle. Noch habe man genug Lehrer für die Umstellung im Haus. Die ganze Hauptschule habe insgesamt rund 40 Lehrer, bis jetzt seien drei davon AHS-Lehrerinnen, die restlichen 37 Hauptschullehrer. "Doch nächstes Schuljahr wird es schon eng", sagt Direktor Köhle. Denn dann gebe es den nächsten Jahrgang für die Neue Mittelschule, und es würden wieder neue AHS-Lehrer gebraucht. "Ich habe im Vorfeld der Einführung der Neuen Mittelschule sogar schon selbst versucht, AHS-Lehrer zu akquirieren", erzählt Köhle. Er wisse zwar, dass er selbst keine Lehrer anstellen könne, aber er spreche eben alle Uni-Lehramtsabsolventen, die er kenne, direkt an - und schicke sie dann sofort zum Landesschulrat, damit sie hoffentlich im kommenden Schuljahr an seiner Schule unterrichten.

Es sei eigentlich schon "Ziel, genügend AHS-Lehrer für die Neue Mittelschule zu haben", sagt der Bundeskanzler bei seinem Besuch in der Absamer Schule. Mit der geplanten Lehrer-Dienstrechtsreform sollte das ebenfalls leichter werden. Er, Faymann, habe aber das Gefühl, dass seine Ministerien Claudia Schmied die Neue Mittelschule "stark vorantreibe".

Und das sei nicht einfach. Vor allem wegen des Lehrermangels. Es brauche eben alles seine Zeit. Langfristig sollte auch nicht jedes Bundesland sein eigenes Modell der Neuen Mittelschule betreiben. "Das wird aber nicht morgen verordnet", erklärt der Kanzler in der 1C-Klasse.

Im Musiksaal wird für den hohen Besuch aus Wien getrommelt. Als der Kanzler zusammen mit dem Tiroler Landeshauptmann-Stellvertreter Hannes Geschwentner in den Raum kommt, wird das Trommeln unrhythmisch. Musiklehrer Christian Schnitzer ist wegen der ungewohnten Prominenz im Raum nicht nervös - er spielt "hundert Mal im Jahr in einer Band". Seine Schüler sind es aber: "Also, zuerst trommeln wir alle zusammen zum Rhythmus-Finden, dann hat jeder sein Solo."

Der vorletzte SPÖ-Star

Der Kanzler nimmt's gelassen: "Sehr schön. Danke, dass ich bei euch sein darf." Auch der rote Bürgermeister von Absam, Arno Guggenbichler, freut sich: Denn:"Der letzte SPÖ-Star, der in Absam auf Besuch war, war Bruno Kreisky." Hätte er das gewusst, wäre er schon früher vorbeigekommen, antwortet Faymann. Er sei ohnehin so gerne in Tirol. Noch bis Freitag will Faymann mit seiner Familie in Lech Ski fahren. Aber er plane immer nur einen Tag im Voraus. Man wisse ja nie. (Verena Langegger, DER STANDARD, Printausgabe, 9.2.2011)

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    Mit der Zeit werde der Lehrermangel an den Neuen Mittelschulen Geschichte sein, versprach Bundeskanzler Werner Faymann bei seinem Besuch der NMS Absam.

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