Bloch-Bauer-Erbin Altmann gestorben

8. Februar 2011, 16:44
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Gewinnerin des langwierigen Rechtsstreits um Restitution: Unermüdliche floh 1938 und lebte bis zu ihrem Tod in Los Angeles

Wien - Maria Altmann, Nichte von Adele Bloch-Bauer und durch den gewonnenen Restitutions-Streit um Klimt-Gemälde aus der Österreichischen Galerie Belvedere Kunstfreunden aus der ganzen Welt bekanntgeworden, ist am Montag Nachmittag in ihrem Haus in Cheviot Hills bei Beverly Hills nach langer Krankheit gestorben. Am 18. Februar wäre die gebürtige Wienerin, die seit 1942 in Los Angeles lebt, 95 Jahre alt geworden. Die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) trauert um eine "unerschrockene Kämpferin für die Gerechtigkeit".

"Wir haben Maria Altmann über die vielen Jahre, in welchen sie in Kontakt mit uns war, als einen sehr herzlichen und humorvollen Menschen erlebt", so die IKG in einer Aussendung. "Sie hatte sich so vielen jugendlichen Elan und Offenheit bewahrt, Gespräche mit ihr waren immer eine große Freude." Auch in Bezug auf die Restitution der Klimt-Gemälde habe sie "ihre positive Einstellung zum Leben, gepaart mit einem starken Willen, trotz vieler Anfeindungen schließlich zum Erfolg geführt".

Altmann hatte gemeinsam mit anderen Erben in einem langwierigen Rechtsstreit um die Rückgabe von fünf Bildern des Malers Gustav Klimt ("Adele Bloch-Bauer I", "Adele Bloch-Bauer II", "Apfelbaum", "Buchenwald/Birkenwald" und "Häuser in Unterach am Attersee") gekämpft. Ein Schiedsspruch entschied die Causa im Jahr 2006 zugunsten der ErbInnen. Die Bilder wurden restituiert. Das berühmteste Gemälde, die "Goldene Adele", wurde daraufhin vom Kunstsammler und ehemaligen US-Botschafter in Österreich, Ronald Lauder, für die Neue Galerie in Manhattan erstanden - um einen kolportierten Kaufpreis von 135 Millionen Dollar (106,7 Mio. Euro). Die übrigen Bilder wurden im New Yorker Auktionshaus im November 2006 um 192,7 Mio. Dollar (151 Mio. Euro) versteigert.

"Ich habe gehofft, dass die Gerechtigkeit siegen wird. Aber gewusst habe ich es nicht", sagte Altmann nach dem positiven Schiedsgerichtsspruch. Doch relativierte die Erbin, die nach der Restitution ein Kaufangebot der Republik erwartet hatte, auch die Bedeutung des Streits für sie persönlich. Es sei ihr nie ums Geld, sondern um Gerechtigkeit gegangen. Der Tag der Entscheidung sei "nicht der glücklichste Tag" ihres Lebens gewesen. "Als mein Mann mich gefragt hat, ob ich seine Frau werden will, als mein ältester Sohn geboren wurde, und wie man mir bei meinem dritten Kind gesagt hat: 'It's a girl' - das waren die herrlichsten Tage."

Auf den beiden berühmten Porträts, die die ErbInnen nach dem jahrelangen Rechtsstreit zurück erhalten haben, ist Altmanns Tante Adele Bloch-Bauer zu sehen, die 1925 starb - damals war Altmann gerade neun Jahre alt. 1916 als fünftes und letztes Kind des Rechtsanwalts Gustav Bloch-Bauer und dessen Frau Thedy in Wien geboren, war Maria als Kind jeden Sonntag mit ihren Geschwistern im Palais ihres Onkels Ferdinand und ihrer Tante Adele zu Gast. Im Dezember 1937 heiratete Maria Fritz Altmann. Im April 1938 wurde er nach Dachau deportiert, kam aber im Juli im "Austausch" gegen das Unternehmen seines Bruders wieder frei. Im Oktober floh das Ehepaar aus Österreich.

1942 kamen Fritz und Maria mittellos nach Los Angeles, wo sie seither lebt (seit 1945 als US-Staatsbürgerin). Im November 1945 starb schließlich Ferdinand Bloch-Bauer, der Mann Adeles, und hinterließ sein Vermögen Maria sowie ihren Geschwistern Luise und Robert. Letzterer betrieb federführend die Rückstellung des Vermögens Ferdinands an die Familie. Ergebnis: Im Gegenzug für die Bewilligung der Ausfuhr anderer Gegenstände mussten die Klimt-Bilder 1948 in der Österreichischen Galerie bleiben.

1998 stellten schließlich Altmann sowie die VertreterInnen der anderen ErbInnen nach Erlass des Restitutionsgesetzes Anträge auf Rückerstattung der Klimt-Bilder. In der Zwischenzeit betrieb die vierfache Mutter eine Boutique und hörte erst im Alter von 85 Jahren auf, zu arbeiten. In Österreich erlebte Altmann in den sieben Jahren des Rechtsstreits, doch auch danach, starke Anfeindungen. Trotz allem sah sie ihre ehemalige Heimat aber als "herrliches Land" an, wie sie sagte: "Ich habe Wien geliebt und das Salzkammergut geliebt. Wenn ich nun nach so vielen Jahren nach Wien komme, sehe eine herrliche Stadt so wie Paris, und atme mit der größten Begeisterung die Waldluft im Salzkammergut." (APA)

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    Maria Altmann 2006 vor dem Klimt-Gemälde Adele Bloch-Bauer I, in dem der Maler 1907 ihre Tante verewigt hat.

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