Von der Hochbegabten zur Gelehrten

13. Februar 2011, 09:39
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FemBio zum 150. Geburtstag der russischen Psychoanalytikerin und Autorin, für die schon früh die Emanzipation der Frau Thema war

Die russische Psychoanalytikerin und Schriftstellerin Lou Andreas-Salomé widmete sich der Erforschung und Anwendung der Psychoanalyse, der schriftstellerischen Gestaltung ihrer Lebenserfahrung und einem intensiven Austausch mit epocheprägenden Persönlichkeiten wie Nietzsche, Freud, Rilke oder Käthe Kollwitz in Verbindung. Sie ging als eine der faszinierendsten und vielseitigsten Gelehrten des 20. Jahrhunderts in die Kulturgeschichte ein.

Mit ihren Werken dokumentiert sie eine ganze Epoche: Früh widmet sich die Generalstochter theologischen, religionsgeschichtlichen und philosophischen Fragen, nimmt 1880 ein Studium der Theologie, Religionsgeschichte und Philosophie auf. In Rom begegnet Lou der Schriftstellerin Malwida von Meysenbug, in deren Salon literarische und philosophische Themen diskutiert werden, aber auch die Emanzipation der Frau. Der Grundstein für ein Leben jenseits der Konvention in Freiheit und Selbstbestimmung ist gelegt. Finanzielle Unabhängigkeit ist ihr Zeit Lebens wichtig.

Lou bereist fast alle europäischen Großstädte und trifft bekannte Persönlichkeiten ihrer Zeit. Sie selbst ist inzwischen eine berühmte Schriftstellerin geworden. Innige Freundschaft pflegt sie mit der vielgelesenen Schriftstellerin Frieda von Bülow und mit Helene Klingenberg. Lou ist zudem mit fast allen bedeutenden Frauenrechtlerinnen ihrer Zeit persönlich bekannt: mit Ellen Key, Helene Lange, Helene Stöcker, Rosa Mayreder, Hedwig Dohm, Marie Lang und Anita Augspurg.

Den Feministinnen ist Lou Andreas-Salomé mit ihrer selbstbestimmten Lebensführung und Missachtung von Konventionen sehr willkommen. In ihrem literarischen Werk jedoch tritt Lou keineswegs für die Frauenemanzipation ein. Die Frauengestalten, die im Beruf "ihren Mann" stehen, erfolgreich und unabhängig sind, leiden meist an einer unerfüllten Liebe zu einem Mann. Die von Lou als emanzipiert dargestellten Frauen sind oft unglücklich oder negativ überzeichnet. Die wichtigste Tugend der Frau ist laut Lou Demut dem Manne gegenüber, dem sie sich freiwillig und bereitwillig unterordnet. Sie bekennt sich freimütig zur Unwissenheit über die Frauenbewegung und sieht sich selbst als Monade, unabhängig, aber nicht im Zusammenhang einer gesellschaftlichen Entwicklung, die ihr eigenes Frauenbild für viele verwirklicht sehen möchte. 

Am 5. Februar 1937, kurz vor ihrem 76. Geburtstag, stirbt Lou an den Folgen ihrer Diabeteserkrankung. (red)


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Die gesamte Biografie finden Sie auf FemBio.

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  • Lou Andreas-Salomé: "Das Leben zu lieben ist das einzige, aber probate Mittel vom Tod verschont zu sein."
    foto: atelier elvira, münchen/wikipedia/scan anton

    Lou Andreas-Salomé: "Das Leben zu lieben ist das einzige, aber probate Mittel vom Tod verschont zu sein."

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