Streit um flächendeckende Mammografie

8. Februar 2011, 15:40
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RadiologInnen befürchten mehr Todesfälle nach Einführung von Früherkennungsprogramm in Österreich als bisher - Hauptverband dementiert

Wien - Das geplante bundesweite Mammografie-Programm sorgt für Streit zwischen den RadiologInnen und dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger. Die RadiologInnen befürchten durch das neue System in Zukunft mehr Todesfälle durch Brustkrebs als bisher. Der Hauptverband dementierte das am Dienstag vehement.

"Wenn in Österreich eine Umstellung auf das deutsche System kommt, werden wir bei gleich hoher Beteiligung (der Frauen, Anm.) wie bisher um 600 Todesfälle durch Brustkrebs mehr haben als bisher. Wir müssten die Beteiligung auf 70 Prozent erhöhen, um gleich auszusteigen wie jetzt. Wenn wir das österreichische System beibehalten und die Beteiligung von jetzt 50 auf 70 Prozent erhöhen, wäre mit rund 600 Todesfällen weniger zu rechnen", sagte Franz Frühwald, Vorsitzender der Bundesfachgruppe Radiologie in der Österreichischen Ärztekammer am Dienstag bei einer Pressekonferenz der Österreichischen Röntgengesellschaft in Wien.

Mortalitätsrate in Deutschland nicht niedriger

Darum geht es: Noch in diesem Jahr soll in Österreich der Start für ein bundesweites Mammografie-Programm für Frauen zwischen 50 und 70 Jahren mit schriftlicher Einladung und Wiederbestellung erfolgen. Bisher gab es kein solches Einladungsprogramm. Die Untersuchungen sollen auf 20 Zentren konzentriert werden. Was es nicht mehr geben soll: Die in Österreich bisher zur Routine gehörige zusätzliche Ultraschalluntersuchung der Brust (gemeinsam mit Tastbefund eine "Triple-Diagnostik").

Frühwald und seine FachkollegInnen haben die Brustkrebs-Mortalitätsrate in Österreich (16,7 Todesopfer pro 100.000 Frauen und Jahr, eine der besten Europas) und die 50-prozentige Beteiligung der Frauen an der Früherkennung mit dem deutschen Programm (70 Prozent Beteiligung) verglichen. Beide Länder haben annähernd gleiche Mortalitätsraten durch Brustkrebs.

Unzureichend und unpersönlich

Frühwald: "Wir wollen die Situation verbessern und nicht verschlechtern. Bei (für das Röntgen, Anm.) sehr dichtem Brustgewebe benötigen wir den Ultraschall. Die österreichischen Radiologen sind nicht bereit, die Hälfte der Karzinome bei dichtem Brustgewebe zu übersehen. Wir würden das auch juristisch (Haftung, Schadenersatz, Anm.) nicht aushalten. Wir können das nicht mitverantworten. Es kann auch nicht sein, dass die Frauen nur schriftlich, auch von einem verdächtigen Befund, benachrichtigt werden. Wir wollen nicht das EU-Minimalprogramm für Österreich, sondern das bestmögliche." Die Reduzierung der Untersuchungsstellen von rund 250 RadiologInnen-Ordinationen auf nur 20 Stellen würde weiters den Frauen unzumutbare Wege aufbürden.

Ultraschall nach wie vor auf Kasse

Beim Hauptverband der Sozialversicherungsträger wurde diese Ansicht am Dienstag vehement bestritten. "Wir wollen eine Qualitätsverbesserung. Jede Mammografie-Aufnahme im Rahmen des Programms soll von zwei Radiologen begutachtet werden. Wenn dann heraus kommt, dass ein Ultraschall notwendig ist, soll das gemacht werden. Aber es soll keine Ultraschalluntersuchung vorweg geben. Wenn ein Arzt aber zum Beispiel nach einem verdächtigen Tastbefund die Patientin zu einem Ultraschall überweist, ist das natürlich eine Kassenleistung."

Derzeit gibt es pro Jahr rund 4.500 Neudiagnosen auf ein Mammakarzinom. Jährlich sterben an der Erkrankung, die bei Früherkennung zu einem sehr hohen Prozentsatz heilbar ist, rund 1.500 Frauen. (APA)

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    Die in Österreich bisher zur Routine gehörige zusätzliche Ultraschalluntersuchung der Brust fällt im neuen System flach: Dagegen wehren sich die RadiologInnen. Ihr Argument: In Deutschland, wo das Screening bereits angewandt wird, sterben nicht signifikant weniger Frauen als in Österreich.

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