VIH: Entflechtung bahnt sich an

8. Februar 2011, 15:07
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Wien - Nach dem öffentlich gewordenen Zerwürfnis zwischen dem geschassten Chef der Vienna International Hotelmanagement AG (VIH), Rudolf Tucek, und dem Aufsichtsratschef der Gesellschaft, Franz Jurkowitsch, halten beide Parteien eine Entflechtung der Firmenstruktur für wahrscheinlich. Tucek ist über seine eigene RBL Privatstiftung größter Eigentümer (40 Prozent) der Cube GmbH und auch mit 8,36 an der VIH beteiligt. VIH wiederum ist an Cube mit 22,25 Prozent beteiligt.

Einen genauen Zeitplan für einen möglichen Abtausch wollten die Parteien nicht nennen. "Über kurz oder lang wird es eine Entflechtung geben. Jetzt ist die Zeit aber noch nicht reif für sachliche Gespräche", sagte Tucek am Mittwoch. Der am Mittwoch vergangener Woche überraschend entlassene Ex-Vorstandschef könne derzeit "keine Ratio bei den Gesprächen erkennen". Aufgeschlossener gegenüber Gesprächen zeigte sich am Dienstag Franz Jurkowitsch: "Wir streben zeitnahe Gespräche über eine Entflechtung an." Derzeit befinde sich die Kommunikation mit Tucek allerdings auf Eis, sagte er.

Jurkowitsch erklärte auch, die Abgabe von Tuceks Anteilen and VIH würde sich bei der Entflechtung "wohl von selbst ergeben". Dieser hatte in einer Aussendung vom 3. Februar allerdings erklärt, nach wie vor Anteilseigner bei VIH zu sein und darum an einer "positiven Weiterentwicklung" des Unternehmens interessiert zu bleiben.

Am Dienstag haben einige Medien persönliche Briefe Tuceks an Jurkowitsch veröffentlicht, die sie mit der Betreffzeile "VI-Leaks" erreicht hatten. In den Briefen wirft Tucek den Mehrheitseigentümern der VIH - konkret den Familien Folian und Jurkowitsch - vor, in einem Interessenskonflikt zu stehen und deswegen nicht immer im Interesse der VIH zu handeln.

Georg Folian und Franz Jurkowitsch sind über die Bocca- bzw. die Amber-Privatstiftung mit jeweils 30 Prozent an der VIH beteiligt. Im Aufsichtsrat der Gesellschaft sitzen neben Folian und Jurkowitsch senior auch Familienmitglieder - Daniel Folian und Michaela Jurkowitsch. Im Zusammenhang mit einem Konflikt in einem Berliner Hotel (das die VIH als Hotelmanager betreibt und von einem Sohn Jurkowitschs, Alexander Jurkowitsch, geführt wird) wirft Tucek Jurkowitsch vor, "dem Sohn den Rücken stärken zu wollen". Wörtlich heißt es in dem Brief: "Als Aufsichtsratsvorsitzender der Vienna International ergreifst Du somit eindeutig gegen die VI Partei, obwohl Deine Rolle eigentlich das Gegenteil verlangen würde."

Im Gespräch mit der APA wies Jurkowitsch die Vorwürfe zurück. Tucek habe eine Unternehmenskultur entwickelt, die "im internationalen Vergleich sehr unüblich ist". Interessenskonflikte habe es aus seiner Sicht nicht gegeben. (APA)

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