Reichweitenmessung am iPad als "harte Nuss"

8. Februar 2011, 13:03
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Unique Clients können noch nicht erhoben werden - Mediaagenturen abwartend - Schätzungen zufolge 45.000 iPads in Österreich

Wien - Der glanzvolle Hype um das iPad seitens der Verleger hat im ersten Jahr einige Kratzer abbekommen. Neben den kritisierten Auflagen von Apple und den teuren Vertragsklauseln bereitet den Medienmachern ein weiteres Thema Kopfzerbrechen: Die Reichweiten der iPad-Ausgaben sind derzeit schlicht noch nicht messbar, wie Recherchen ergaben.

Page Impressions abrufbar

Der Geschäftsführer der Österreichische Webanalyse (ÖWA), Harald Dünser, räumte unumwunden ein, dass man vorerst noch daran scheitere, auch am iPad die relevante Größe für die Werbewirtschaft zu messen. "Wir haben Probleme, die Unique Clients zu erheben", sagte Dünser. Alle anderen Kriterien wie etwa die Page Impressions seien bereits in Testläufen abrufbar gewesen. Mit dem Problem stehe man in Österreich allerdings nicht allein da, betonte der ÖWA-Chef. "An der Nuss knacken auch Kollegen in Deutschland und der Schweiz."

Als Problem kristallisierte sich laut Dünser bisher heraus, dass viele Apps keine Cookies akzeptieren, über die das Userverhalten entsprechend gemessen werden kann. Eine Lösung scheint jedenfalls noch zu dauern: "Schön wäre es, wenn wir es noch heuer schaffen", so Dünser.

Zu geringe Zielgruppe für Umfragen

Ob die Mediaanalyse (MA) ein geeignetes Instrument darstellen könnte, ist für Branchenkenner ebenfalls zweifelhaft. Die Umfragen würden im Moment schon allein deswegen schwierig, weil die Gruppe der iPad-Nutzer noch sehr überschaubar sei. Der für Anfang 2011 angepeilte "Mediaserver", der den Tagesablauf von Medienkonsumenten erheben soll, ist ebenfalls noch nicht fertig.

Bei den Werbekunden hält sich das Interesse für eigene iPad-Kampagnen noch in engen Grenzen, steige aber an, wie Stephan Kreissler von der Mediacom sagte. "Wir haben schon eine Kampagne für einen Kunden aus dem Finanzsektor umgesetzt." Er plädierte für eine Einbettung der iPad-Messung in die Webanalyse. "Dies wäre von meiner Sicht in der ÖWA ideal abgebildet und wünschenswert. Als Messgröße wären die üblichen Werte ideal, wie Unique Client bzw. Unique User und die Page Impressions."

Datenbasis erwünscht

Omnimedia-Geschäftsführer Paul Schauer wünscht sich ebenfalls "zumindest eine Datenbasis", wie er sagte: "Wie viele iPads gibt es in einem Markt? Wie viele User haben sich eine spezielle App, in der die Werbefläche angeboten wird, heruntergeladen? Wie viele User nutzen diese App pro Tag/Woche/Monat?"

Bei Bezahl-Applikationen könne man unter Umständen aber bereits eine Reichweite ablesen, deutete er an: "Der deutsche Spiegel.de hat eine 'App' für iPhone/iPad, die rund 74.000 Mal heruntergeladen wurde. Die tatsächliche Nutzung dieser 'Apps' liegt, da kostenpflichtig, bei ca. 14.000 Zahlern pro Woche. Mit dieser Reichweite kann ein Werbeangebot der Spiegel.de-'Apps' mit anderen Werbeangeboten in dieser Zielgruppe gegenübergestellt und bewertet werden." Wichtig sei es, "dass eine tatsächliche Nutzung gemessen wird und nicht nur der einmalige Download".

Über die in Österreich verbreiteten iPads gibt es derzeit nur Schätzungen. Hochrechnungen zufolge könnte sich die Zahl um zwischen 45.000 und 50.000 bewegen, ergaben APA-Recherchen. A1-Sprecher Martin Bredl tippt auf eine ähnliche Größenordnung: "Wir schätzen, dass es 40.000 iPads in Österreich gibt." (APA)

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    Instrumentarien für die Reichweitenmessung werden noch gesucht.

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