Radiologen befürchten mehr Todesfälle

  • In Deutschland werden Frauen ab 50 jährlich zur Mammographie eingeladen.
    foto: apa/karl-josef hildenbrand

    In Deutschland werden Frauen ab 50 jährlich zur Mammographie eingeladen.

Experten wollen keine Umstellung auf Einladungsprogramm - Der Verzicht auf Ultraschall könnte die Zahl der Todesfälle erhöhen - Hauptverband dementiert

Wien - Am Donnerstag ist der Erste Europäische Röntgen-Tag. "Bildhaft beschaulich" wird er für die "Ärzte mit dem scharfen Blick" vermutlich in Österreich nicht. Es gibt Streit zwischen den Radiologen und dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger wegen des geplanten bundesweiten Mammografie-Programms. Die Radiologen befürchten in Zukunft sogar mehr Todesfälle als bisher durch Brustkrebs, sollten die Vorstellungen des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger realisiert werden. Der Hauptverband dementierte das am Dienstag vehement.

"Wenn in Österreich eine Umstellung auf das deutsche System kommt, werden wir bei gleich hoher Beteiligung (der Frauen, Anm.) wie bisher um 600 Todesfälle durch Brustkrebs mehr als bisher. Wir müssten die Beteiligung auf 70 Prozent erhöhen, um gleich auszusteigen wie jetzt. Wenn wir das österreichische System beibehalten und die Beteiligung von jetzt 50 auf 70 Prozent erhöhen, wäre mit rund 600 Todesfällen weniger zu rechnen", sagte Franz Frühwald, Vorsitzender der Bundesfachgruppe Radiologie in der Österreichischen Ärztekammer am Dienstag bei einer Pressekonferenz der Österreichischen Röntgengesellschaft in Wien.

Einladung statt opportunistisches Screening

Noch in diesem Jahr soll in Österreich der Start für ein bundesweites Mammografie-Programm für Frauen zwischen 50 und 70 Jahren mit schriftlicher Einladung und Wiederbestellung erfolgen. Bisher gab es kein solches Einladungsprogramm. Die Untersuchungen sollen auf 20 Zentren konzentriert werden. Was es nicht mehr geben soll: Die in Österreich bisher zur Routine gehörige zusätzliche Ultraschalluntersuchung der Brust (gemeinsam mit Tastbefund eine "Triple-Diagnostik"). Frühwald und seine Fachkollegen haben die Brustkrebs-Mortalitätsrate in Österreich (16,7 Todesopfer pro 100.000 Frauen und Jahr, eine der besten Europas) und die 50-prozentige Beteiligung der Frauen an der Früherkennung mit dem deutschen Programm (70 Prozent Beteiligung) verglichen. Beide Länder haben annähernd gleiche Mortalitätsraten durch Brustkrebs.

Frühwald: "Wir wollen die Situation verbessern und nicht verschlechtern. Bei (für das Röntgen, Anm.) sehr dichtem Brustgewebe benötigen wir den Ultraschall. Die österreichischen Radiologen sind nicht bereit, die Hälfte der Karzinome bei dichtem Brustgewebe zu übersehen. Wir würden das auch juristisch (Haftung, Schadenersatz, Anm.) nicht aushalten. Wir können das nicht mitverantworten. Es kann auch nicht sein, dass die Frauen nur schriftlich, auch von einem verdächtigen Befund, benachrichtigt werden. Wir wollen nicht das EU-Minimalprogramm für Österreich, sondern das bestmögliche." Die Reduzierung der Untersuchungsstellen von rund 250 Radiologen-Ordinationen auf nur 20 Stellen würde weiters den Frauen unzumutbare Wege aufbürden.

Ultraschall nur mehr bei Bedarf

Beim Hauptverband der Sozialversicherungsträger wurde diese Ansicht am Dienstag vehement bestritten. "Wir wollen eine Qualitätsverbesserung. Jede Mammografie-Aufnahme im Rahmen des Programms soll von zwei Radiologen begutachtet werden. Wenn dann heraus kommt, dass ein Ultraschall notwendig ist, soll das gemacht werden. Aber es soll keine Ultraschalluntersuchung vorweg geben. Wenn ein Arzt aber zum Beispiel nach einem verdächtigen Tastbefund die Patientin zu einem Ultraschall überweist, ist das natürlich eine Kassenleistung."

Derzeit gibt es pro Jahr rund 4.500 Neudiagnosen auf ein Mammakarzinom. Jährlich sterben an der heimtückischen Erkrankung, die bei Früherkennung zu einem sehr hohen Prozentsatz heilbar ist, rund 1.500 Frauen. (APA)

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Ich melde mich freiwillig für die Testgruppe der Nichtgeher, die nachweist,

dass mehr Patienten, die einmal jährlich gehen, an Krebs erkranken, als jene, die nicht jährlich zur Mammografie gehen.

da würd man ziemlich schnell eine große gruppe zusammenkriegen, glaub ich.

der behördlich untersuchte Bürger

wird einer Einberufung (Militätjargon) nicht nachgekommen bzw. verweigert zieht das eine Stopp
sämtlicher öffentlicher Gelder, d.h. Pension, div. Zuschüsse, Krankengeld, Arbeitlosengeld, ect.ect.
nach sich. Einspruchsrecht ausgeschlossen.
100%er Selbstbehalt bei Krankheit,Honorarnoten f.prakt u.Facharzt, allfälligen KH.Aufenthalten, Reha u. Kuraufenthalten. Ich denke darauf wird,s langfristig hinauslaufen.

richtig

Und irgendwann in hundert Jahren kommt man drauf, dass ein Auslöser die jährliche Bestrahlung während Zellquetschung war ...

jaaaa----- die BÖÖÖÖSEN radiologen!

brüste quetschen und bestrahlen, damit die frauen dann krebs kriegen und nochmehr in die kasse bringen!

so stellen wir uns das vor, wenn wir von epidemiologie, tumorbiologie und therapie nicht die LEISESTE ahnung haben, aber dafür noch nicht verwunden haben, dass menschen doch nicht von göttern behandelt werden, die für ihr unfehlbares tun mit einer opfergabe bedankt zu werden sich begnügen.

Irrtum!
Massenscreanings haben nur den einen Sinn: Die Geräte zu eichen, und die befundenden Ärzte zu lehren, zwischen gut und böse zu unterscheiden.
Glauben Sie etwa, Ärzte promovieren bereits mit diesem Wissen?
Davon provitiert der einzelne Patient noch lange nicht, zumal jedes zweifelhafte Testergebnis erst noch mit anderen, invasieveren Methoden verifiziert werden muss. Somit werden bereits Gewebe der Biopsie zugeführt, die ohne CT nie auffallen würden, und sich in den allermeisten Fällen auch von selbst wieder zurückbildeten (zumindest, wenn man sie in Ruhe ließe und sie nicht noch mit schädlichen Strahlen stressen würde).

Fahrlässige Sparsamkeit?

Zitat aus http://www.innovations-report.de/html/beri... 9051.html:

"Mit Hilfe der MRT entdeckten die Mediziner 96 Prozent aller Brusttumoren; bei der Mammographie betrug die Trefferquote lediglich 42 Prozent, beim Ultraschall 47 Prozent. Die Forscher empfehlen, die MRT als Standard-Untersuchungsmethode bei familiär gehäuftem Brustkrebs einzusetzen, anstatt diese Risikogruppe wie bislang mammographisch auf Brusttumoren zu screenen. "

Wozu der ganze Aufwand? Früher oder später wird die Brust ja doch herausoperiert werden müssen. ;) Man wartet doch nur auf die Gelegenheit.

Das erinnert mich sehr an die Szenerie, in der sich der Zahnarzt bei der Befundung eines Jugendlichen über jeden Weisheitszahn auf dem Röntgenbild freut.

Was er dem Jugendlichen verschweigt: Die Freude gilt nicht dem Weisheitszahn selbst, sondern bloß der bevorstehenden Möglichkeit, diesen bald extrahieren zu können!

Röntgenstrahlen sind ja sooo gesund!

wenn das Ultraschall ohnehin ausreicht (lese ich aus dem Artikel heraus), warum die Röntgenstrahlen nicht weglassen? Überhaupt wird mit dem Thema Brustkrebs Panikmache betrieben. Außerdem: auch Männer können daran erkranken, allerdings viel seltener. Es wäre außerdem hoch an der Zeit, die Diszplin "Andrologie" von der Uro wegzubringen, damit genausoviele Männer wie Frauen jährlich zum "Service" gehen- weil Uro ja soooo nach "pfui" und "lulu" klingt. Früh erkannt haben Hoden- oder Prostatakrebs gute Prognosen, im Gegensatz zu Brustkrebs.

vielleicht sollten sie sich einmal informieren bevor sie Unsinn schreiben.
Kenne im persönlichen Umfeld 3 Frauen bei denen anhand der Mammographie ein Tumor erst erkannt wurde. Die Heilungschancen sind im Übrigen sehr gut, wenn der Tumor rechtzeitig erkannt wird. Ihren Kommentar zur Panikmache bez. Brustkrebs hätten sie sich ganz sparen können.

Das glaube ich nicht, zumal die Veranlagung/Gefährdung damit ja nicht beseitigt wird, und bald der nächste Tumor nachwachsen wird, wenn sich nichts Gröberes ändert.

Und der Ultraschall hätt das nicht erkannt? Oder das MRT?

Ich bin kein Arzt und kann daher nicht beurteilen was man wie besser sehen kann, hätte auch nichts gegen eine MRT statt der Mammographie.Angeblich soll eine MRT sogar aussagekräftiger sein. Ich nehme an, dass die Mammographie billiger ist und es deshalb eher gemahct wird. Nur Ultraschall alleine wäre mir zu unsicher.

das problem am mrt ist

dass es noch um einiges teurer ist

Das sieht ja schrecklich aus

können die armen Frauen denn nicht mit Chipkarte bezahlen ?

Das ist definitiv eine Verschlechterung

Zuerst die Wartezeit auf die schriftliche Benachrichtung - Ungewissheit.

Dann ein neuer, zweiter Termin und der wird nur selten am gleichen Tag möglich sein.
D. h. wieder warten, wieder Ungewissheit

Wer will schon tagelang in der Angst leben Krebs zu haben. Das ist irrsinnig belastend.

hab ich auch schon genossen

die Wartezeit war dann aber "nur" eine Woche. Fazit: Brust gesund, nur etwas viel Bindegewebe, dafür hatte ich gleichzeitig ein Dermoid im Eierstock, und das mußte operiert werden. Alarm am falschen Ende, quasi.

über die risiken von solchen untersuchungen informiert einen keiner!!!!

angesichts der tatsache, dass eindeutig belegt ist, dass angst krank macht, ist dass ein unzumutbarer zustand. ich kenne bereits persönlich mehrere frauen, die dieses erlebnis einmal durchmachen mussten und die keine 10 pferde mehr zu einer vorsorgeuntersuchung bringen würden. nie mehr.
ich fürchte allerdings, dass einige von denen so sehr verstört wurden durch das was passiert ist, dass sie selbst bei beschwerden nicht zum arzt gehen würden.

Ich zahl mir ein MRT alle paar Jahre privat. Die Mammografie duerfen sich die Herren Mediziner selbst machen.

und die anderen?

sind Sie die einzige frau, um dies geht und die brustkrebs haben könnte?
sagen wir mal, in wien leben 800.000 frauen, wovon wir mal ein viertel (zb) im gefährten alter annehmen - 200.000.
ein mr-gerät schafft in der stunde 4 patientinnen.
lassen sie das gerät 15 stunden pro tag laufen, können sie im jahr (5 tage jede woche=250 tage) 15.000 untersuchungen machen. schön! sie müssten also 13 geräte (das sind fast alle im niedergelassenen bereich in wien) AUSSCHLIESSLICH mit mr-mammografien belegen, wenn sie alle einmal jährlich und 7 geräte, wenn sie alle 2 jahre untersuchen wollen.
abgesehen, davon, dass kein radiologe 60 mr-mammografien pro tag fehlerfrei befunden kann, übersehen sie damit methodenbedingt keinen geringen teil der tumoren,

und haben

zusätzlich einen gewissen anteil von unklaren befunden, die sie erst wieder durch mammografie und ultraschall bis biopsie abklären müssen.

wir brauchen daher methoden, mit denen wir die ganze zielgruppe mit einer zumindest ausreichenden verläßlichkeit untersuchen können und nicht nur ein paar arrogante "mit mir könnt ihr das nicht machen"-zicken.
ob nun das massenscreening gegen die komplette einzeluntersuchung einen vorteil hat, wird man ja sehen.

ps: zwischen zwei untersuchungen alle 4 jahre haben sie reichlich zeit, - gott bewahre - ihr karzinom zu entwickeln und daran zu sterben.

pps: die radiologen haben das mammacarcinom NICHT erfunden!

keine blöde idee.

Du setzt natürlich

alles daran um ihnen ihre Ängste zu nehmen, gell? Und auch, daß sie bloß nicht irgendwelche Beschwerden ignorieren und damit eventuell zu lange verschleppen, gell?

gut erkannt.

Der Normalfall beim Screening sieht so aus: Sie erhalten eine Einberufung ( das heisst wirklich so) zur Untersuchung für den Tag XY in einem Zentrum das 60 km entfernt ist. Dort werden 4 Aufnahmen gemacht, einen Arzt sehen sie nicht!! Dann bekommen sie eventuell eine Einladung zum Ultraschall in zwei Wochen. Etwas ist unklar! Eine weitere Woche später erfahren sie, es ist alles OK! Die drei Wochen Angst nimmt ihnen keiner mehr ab!!!
Im Modell Tirol, über das konsequent vom Gesundheitsministerium geschwiegen wird, wird eine Mammografie gemacht, bei Bedarf ein Ultraschall durch eine Arzt und bekommen sofort eine Befundauskunft. Aber was die Deppen in den Bergen machen kann natürlich für die Metropole nicht angewand werden, oder???

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