Polizeigewalt gegen Proteste

8. Februar 2011, 11:49
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Demonstration in Aden gegen Präsident Saleh und für Loslösung des Südens

Aden - Im Süden des Jemen ist die Polizei gewaltsam gegen regierungskritische Demonstranten vorgegangen. Bei dem Einsatz am Montagabend in Aden seien ein Teilnehmer verletzt und zwölf weitere festgenommen worden, sagten Augenzeugen und Rettungskräfte am Dienstag. Demnach hatten sich Dutzende Menschen versammelt, um den Rücktritt von Staatschef Ali Abdallah Saleh zu fordern. "Das Volk fordert den Fall des Regimes!", riefen sie laut Augenzeugenberichten. Sie sprachen sich außerdem für eine Loslösung des Südens aus, der vor 1990 ein eigener Staat gewesen war. Die Demonstranten zündeten Reifen an, um den Verkehr zu behindern. Die Polizei feuerte daraufhin Schüsse ab und setzte Tränengas ein, um die Demonstrierenden auseinanderzutreiben.

Fordern Sezession des Südens

Seit einer Woche versuchen Befürworter einer Sezession des Südens jeden Abend, in verschiedenen Vierteln von Aden zu demonstrieren. Die Polizei schritt aber immer schnell ein und trieb die Demonstranten auseinander. Für Freitag wurde zu einem "Tag des Zorns" gegen die Regierung in Sanaa aufgerufen. Präsident Saleh steht derzeit stark unter Druck. Unter dem Eindruck der Proteste in Ägypten und Tunesien fanden in den vergangenen Tagen auch im Jemen Demonstrationen gegen seine Regierung statt. Der seit 1978 amtierende Staatschef kündigte daher an, nach dem Ende seiner Amtszeit 2013 nicht erneut für das Präsidentenamt zu kandidieren. Zudem schloss er eine "Erbfolge an der Staatsspitze" aus. Die jemenitische Regierung wird in der Bevölkerung scharf kritisiert, weil sie den Kampf gegen Al-Kaida immer mehr den USA überlässt.

Aden war bis 1967 britisches Protektorat. Die dann unabhängig gewordene Demokratische Volksrepublik (Süd-)Jemen vereinigte sich 1990 mit dem Norden. Die Separatisten im Süden kritisieren die Regierung in Sanaa, weil sie das Gefühl haben, die Südprovinzen würden von der Führungsclique aus dem islamisch-konservativen Norden benachteiligt. Der im Exil lebende frühere südjemenitische Staatschef und Ex-Vizepräsident Gesamtjemens, Ali Salem al-Beid, hat die Anhänger der Separatistenbewegung Harak wiederholt zu Demonstrationen für die Wiederherstellung der Unabhängigkeit des Südens aufgerufen.

Von 1537 bis 1918 stand das Land unter osmanischer Herrschaft, ab 1635 nur nominell. 1918 wurde Nordjemen unabhängig. Als absolute Monarchie war das Land 1945 Gründungsmitglied der Arabischen Liga. Die Revolution 1962 führte zum Sturz der Monarchie und einem bis 1970 dauernden Bürgerkrieg, in dem die Republikaner von Ägypten, die Royalisten vom benachbarten Saudi-Arabien unterstützt wurden. Die von Ägypten mit sowjetischen Waffen ausgerüsteten Republikaner unter Oberst Abdallah Sallal besiegten schließlich die Stammeskrieger von König Mohammed al-Badr.

Im Südjemen endete 1967 nach fast 130 Jahren die britische Präsenz. 1839 hatten sich die Briten in Aden festgesetzt und ab 1881 durch eine Reihe von Schutzverträgen mit lokalen Herrschern ein Protektorat errichtet. 1963 begann der bewaffnete Kampf einer marxistisch orientierten Befreiungsfront gegen die Kolonialmacht. In der 1967 errichteten Demokratischen Volksrepublik kam es 1969 zur Machtübernahme des radikalen Flügels der Befreiungsfront. Durch den Putsch gegen Präsident Salem Robaya Ali gelangten moderatere Kräfte in Aden an die Macht, die unter dem Eindruck des Zusammenbruchs des Ostblocks die Vereinigung mit dem Norden vorantrieben.

Die Wiedervereinigung 1990 sollte dem Land wirtschaftlichen Auftrieb geben. Dennoch verschlechterten sich die Lebensbedingungen. Ursache dafür sind die Machtkämpfe, die fehlende Bereitschaft der traditionellen Stammesführer zur Kooperation mit der Zentralgewalt und die pro-irakische Haltung der Regierung während des Golfkriegs, die zur Abschiebung Hunderttausender von jemenitischen Gastarbeitern aus Saudi-Arabien geführt hatte. Zudem kam es zum Versiegen des Öl-Stroms aus Saudi-Arabien und dem Irak. (APA)

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