Kneissl meldet Insolvenz an

8. Februar 2011, 15:22
150 Postings

Investor Al Jaber ließ letzte Frist verstreichen, Geschäftsführer Gebauer stellt Insolvenzantrag und prüft nun rechtliche Schritte gegen Al Jaber

Wien/Innsbruck - Der marode Kufsteiner Skihersteller Kneissl meldete Insolvenz an. Wie das Unternehmen mitteilte, habe Mehrheitseigentümer Mohamed Al Jaber die Frist für die Einzahlung zur Kapitalerhöhung in Höhe von 1,2 Millionen Euro (die am Montag um 17 Uhr ablief) verstreichen lassen, er habe damit "die Insolvenz eines Großteils der Unternehmensgruppe hauptsächlich zu verantworten", so das Unternehmen. Geschäftsführer Andreas Gebauer brachte daraufhin Eigenantrag auf Insolvenz ein. Betroffen davon sind die Kneissl Holding GmbH, die Kneissl Tirol GmbH sowie die Kneissl Star Lounge GmbH. Nicht betroffen sind die Kneissl Star Resort AG mit Sitz in Wien sowie die Star Lounge Innsbruck GmbH.

Große Enttäuschung

"Meine Mitarbeiter und ich haben uns in den letzten Jahren massiv für das Unternehmen eingesetzt. Umso größer ist jetzt die Enttäuschung, da der Konkurs absolut vermeidbar gewesen wäre, hätte sich Scheich Al Jaber an seine Finanzierungszusagen gehalten", erklärt Gebauer. Auch die Möglichkeit, neue Investoren in die Gruppe zu holen, wurde vom Mehrheitseigentümer ausgeschlagen. "Wir hatten Investoren sowie Kapitalerhöhungsbeschlüsse, die von dritter Seite gezeichnet worden wären - alle Varianten wurden jedoch abgelehnt."

Durch die Mitte Jänner erfolgte Zeichnung der (schon im November beschlossenen) Kapitalerhöhung habe die Kneissl Holding trotz Insolvenz einen rechtlichen Anspruch auf die von Al Jaber zugesagten 1,2 Millionen Euro, was Gebauer zumindest als kleinen Erfolg wertet.

An der Marke Kneissl herrsche nach wie vor großes Interesse, so der Kneissl-Geschäftsführer. Konkret handle es sich um eine internationale, auch im Sportbereich tätige Investorengruppe, die den gesamten Bereich weiterführen wolle. "Damit wären der Standort Kufstein sowie der Weiterbestand der Marke gesichert." 

Urmarke Kneissl verpfändet

Laut KSV von 1870 beliefen sich die Verbindlichkeiten vorerst auf 6,8 Mio. Euro. Hinzu kämen "Eventualverbindlichkeiten" in Höhe von 13 Mio. Euro im Zusammenhang mit Verpflichtungen für andere Gesellschaften. Als Aktiva führte der KSV die "Urmarke Kneissl" an, die allerdings an eine Bank verpfändet worden ist.

Bei den bisher betroffenen Gläubigern dürfte es sich im Wesentlichen um Banken und eine Beteiligungsgesellschaft des ehemaligen Miteigentümers Fritz Unterberger im Zusammenhang mit der Abtretung des Gesellschaftsanteils und Forderungen gegen verbundene Unternehmen handeln. 

Auch über die Kneissl Tirol GmbH und Kneissl Star Lounge GmbH wurde das Konkursverfahren eröffnet. Nach Angaben des Kreditschutzverbandes beliefen sich die Verbindlichkeiten bei der Kneissl Tirol GmbH auf 15 Mio. Euro und bei der Kneissl Star Lounge GmbH häuften sich Verbindlichkeiten von 1,5 Mio. Euro an. Alle Zahlen stammen aus der Bilanz 2009. 

Kosten in keiner Relation zu Einnahmen

Es ist davon auszugehen, dass die Verbindlichkeiten im Jahr 2010 eher höher geworden sind, erklärte Walter Hintringer, KSV-Leiter in Innsbruck, am Dienstag der Austria Presseagentur. Nach Einschätzung des KSV-Experten sind bei der Kneissl Tirol GmbH vor allem operative Verluste für die finanziellen Schwierigkeiten verantwortlich. Diese Verluste seien bereits in der Zeit als noch der Unterländer Unternehmer Fritz Unterberger als Miteigentümer an Bord war, produziert worden. Die Kosten hätten in keiner Relation zu den Einnahmen gestanden. Bei der Holding sah der KSV-Experte zu wenig Eigenkapital als Ursache. Die finanziellen Mittel für die Ablöse Unterbergs seien einfach nicht vorhanden gewesen.

Zwei Interessenten

Kneissl-Geschäftsführer Andreas Gebauer hielt sich darüber bedeckt, wie es mit dem Unternehmen konkret weiter gehen wird. Die weitere Vorgehensweise müsse nach der Insolvenzeröffnung mit dem Masseverwalter abgeklärt werden. Außerdem müsse er mit den Interessenten, mit denen er in den vergangenen Monaten verhandelt habe, sprechen. Zwei hätten konkretes Interesse bekundet. "Mir ist am wichtigsten, dass es am Standort Kufstein weiter geht", sagte Gebauer. Dort sind derzeit 27 Mitarbeiter beschäftigt. Eine Möglichkeit sei beispielsweise die Gründung einer Auffanggesellschaft.

Was mögliche rechtliche Schritte gegen Al Jaber angehe, erklärte Gebauer, dass der Scheich durch die Zeichnung der Kapitalerhöhung zivilrechtlich zur Zahlung der 1,2 Mio. Euro verpflichtet sei. "Ich gehe davon aus, dass sich der Masseverwalter mit ihm kurzschließen wird", sagte Gebauer. Der Masseverwalter werde das mit Sicherheit prüfen, erklärte auch Hintringer. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass es sich tatsächlich um eine rechtsverbindliche Zusage Al Jabers handle. Das müsse zuerst geprüft werden.

Déjà-vu

Bei der AUA ist seit drei Jahren ein ziemlich ähnliches Verfahren am Laufen. Die Airline hat Al Jaber damals auf 156 Mio. Euro geklagt, weil dieser entgegen den vertraglichen Vereinbarungen 2008 nicht bei der Airline eingestiegen ist.

Im Fall AUA hat Al Jaber allerdings zu einer Gegenklage gegriffen (Streitwert: 30 Mio. Euro). Er fühlte sich kurz nach der Vertragsunterzeichnung über die tatsächliche wirtschaftliche Lage der damals schon schwer trudelnden Airline arglistig getäuscht. Der verhinderte AUA-Investor fühlte sich durch das Verhalten der damaligen AUA-Chefs selber um einen dreistelligen Millionenbetrag geschädigt. Die Verfahren AUA/Al Jaber und Al Jaber/AUA laufen noch.

Nicht von Bord gegangen

In Sachen Kneissl lässt Investor Al Jaber indes via Aussendung ausrichten, dass bereits im Dezember 2010 ein Teilbetrag von 300.000 Euro auf das "Kneissl-Konto" eingezahlt worden wären, nach 200.000 im Oktober.

Vergangene Woche hätten die Berater der Jaber-Gruppe beschlossen, den restlichen Kapitalerhöhungsbetrag vorläufig noch nicht einzubezahlen, "da zu viele Fragen über das Verhalten einzelner Kneissl-Gläubiger offen geblieben" seien. Al Jaber habe allerdings zugesagt, nicht nur den verbleibenden Kapitalerhöhungsrestbetrag von 900.000, sondern einen Gesamtbetrag von 1,2 Mio einzuzahlen, sobald ein klares Konzept und entsprechende Absprachen mit den Hauptgläubigern vorliegen würden.

Um sein unverändertes Engagement für die österreichischen Projekte unter Beweis zu stellen, hätte Al Jaber am 7.2.2011 der österreichischen Geschäftsleitung eine Bestätigung einer seiner Hausbanken - der "RSB Coutt" - übermitteln lassen, in dem diese zusichere, am 31.3.2011 einen Betrag von 35 Mio an Jaber's "Erste Wiener Hotel - Aktiengesellschaft" zu überweisen. In dieser Zusage sei auch ein Teilbetrag von 1,2 Millionen für Kneissl reserviert, womit Al Jaber seine Bereitschaft Kneissl weiter zu finanzieren, klargestellt hätte.

In der Sache Kneissl sei es für Al Jaber unakzeptabel, den früheren Allein- (und nunmehrigen Mit-)Gesellschafter Fritz Unterberger - der den Konkursantrag eingebracht und die Konkurseröffnung betrieben habe - zu 100 Prozent zu befriedigen. Schon dessen diesbezügliche Forderungen habe bis jetzt die vollständige Einzahlung des Kapitalerhöhungsbetrages unmöglich gemacht. Er wolle aber Kneissl nicht fallen lassen und sei auch bereit ist, die Gesellschaft in einem anzustrebenden Sanierungsverfahren zu unterstützen. (APA/red)

Wissen: Nach der Konkurseröffnung über die Kneissl Holding, die Kneissl Tirol GmbH und die Kneissl Star Lounge können betroffene Insolvenzgläubiger ihre Forderungen bis 25. März anmelden. Die erste Prüfungstagsatzung ist für den 8. April (8.45 Uhr) anberaumt. Das teilte der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) am Dienstagnachmittag mit. Zum Masseverwalter wurde der Innsbrucker Rechtsanwalt Stefan Geiler bestellt.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der Kneissl-Stern ist schon seit geraumer Zeit am sinken - untergehen soll er nach dem Willen des Geschäftsführers aber nicht.

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.