Der Torschütze vom Dienst

8. Februar 2011, 10:40
posten

Als Teil der stärksten zweiten Linie der EBEL hat Robert Sabolič heu­er in 46 Spielen bereits 30 Treffer erzielt. Soll Jesenice es doch noch in die Play-Offs schaffen, muss er in diesem Stil weitermachen

Es mag in der EBEL Vereine mit besseren Rahmenbedingungen für die individuelle sportliche Entwicklung von Spielern geben als den HK Jesenice. Nur langsam entspannt sich die prekäre wirtschaftliche Situation des Klubs, finanzielle Altlasten und die eine oder andere fragwürdige Personalentscheidung sorgen für stetige Unruhe im Umfeld. Doch davon scheinbar gänzlich unbeeindruckt hat das durch die Abgänge der beiden stärksten Importspieler betroffene aber noch enger zusammengerückte Team in den letzten Spielen wieder auf den Weg des Erfolgs zurückgefunden. Mit den Auswärtssiegen gegen die beiden bis dahin stärksten Heimmannschaften der Liga, den EC Salzburg und die Vienna Capitals, haben sich die "Železarji" am vergangenen Wochenende eine sehr gute Ausgangsposition im Kampf um einen Play-Off-Platz verschafft

Wirbelnde Jungspunde

Der Anfang Jänner verpflichtete tschechische Goalie Michal Fikrt hat sich als Glücksgriff erwiesen: Gestützt auf sein überragendes Spiel hat sich die Abwehr des Tabellenneunten maßgeblich stabilisiert (GAA 2,44 im Vergleich zu 3,70 zuvor).
Über die gesamte bisherige Saison betrachtet, ist es jedoch ein junges Trio einheimischer Spieler, das dem Spiel Jesenices den Stempel aufdrückt: Center Rok Tičar (21) und seine beiden Flügel Žiga Jeglič (22) und Robert Sabolič (22) sind das Um und Auf in der Offensive des slowenischen Meisters und haben in bisher 46 Spielen bereits 148 Scorerpunkte gesammelt. Zwar sind der Linie noch gewisse Schwächen in der Rückwärtsbewegung und im Spiel in der eigenen Zone zu attestieren, im Angriff übertrafen sie heuer jedoch selbst die optimistischsten Erwartungen der Verantwortlichen.

Hohe Spielanteile, hohe Geschwindigkeit

Die Erklärung für den fast unheimlichen Aufschwung (aktuell eine Steigerung von 236 Prozent bei den gemeinsamen Scorerpunkten im Vergleich zum Vorjahr) liegt in erster Linie darin begründet, dass dem Trio im Angesicht von Jesenices engen budgetären Grenzen und den daraus resultierenden Einschränkungen bei der Personalplanung jenes Ausmaß an Spielanteilen zukommt, das für die universelle Entwicklung junger Spieler essentiell ist. Zudem profitiert das eisläuferisch wohl stärkste Gespann der gesamten EBEL von der Geschwindigkeit, die es aufs Eis bringt - Speed, mit dem man bisher noch jede Abwehrreihe der Liga in Bedrängnis gebracht hat. Nahezu selbstverständlich, dass das Trio Jesenices erste Powerplayformation bildet und alle drei Spieler auch in Unterzahl zum Einsatz kommen. Beeindruckend auch die Ausgeglichenheit und Konstanz: In knapp 50 Prozent der Spiele, in denen Tičar, Jeglič und Sabolič gemeinsam in einer Linie agierten, konnten sich gleich alle drei Spieler in die Scorerliste eintragen.

Effektive Aufgabenverteilung

Aktuell hat Jesenice vier Siege in Folge zu Buche stehen, der "JeTiSa"-Block sammelte dabei 25 Punkte. Mitentscheidend für diese hervorragenden Kennzahlen ist auch die klare Rollenverteilung: Während Rok Tičar die Linie mit seiner guten Übersicht und seiner starken Hand/Eye Coordination lenkt, öffnet Žiga Jeglič die Räume an den Banden und bindet dort Gegenspieler. Für die Abschlüsse im Slot ist Robert Sabolič zuständig. Sein entscheidender Penalty am Sonntag in Wien war sein bereits 30. Saisontreffer - ligaweit der zweithöchste Wert hinter François Fortier von den Vienna Capitals.

Wirbelsäulen-OP mit 16

Der 22jährige Angreifer durchlief in seiner Karriere das gesamte Nachwuchsprogramm des HK Jesenice und gehörte in seinem Jahrgang auch immer zu den stärksten Spielern. Jäh gestoppt wurde seine Entwicklung im Sommer 2005, als er sich einer Operation an der Wirbelsäule unterziehen musste und in der Folge für die komplette Spielzeit ausfiel. Fast zwei weitere Jahre dauerte es, ehe Sabolič den Trainingsrückstand aus dieser Saison aufgeholt hatte.
Den ersten großen Sprung in seiner Leistungsentwicklung im Seniorenbereich machte er im Jahr 2008: Auf Basis eines individuellen Trainingsprogramms für die mehrmonatige Sommerpause startete ein physisch stärkerer Robert Sabolič als je zuvor in die Saison, an deren Ende 47 Scorerpunkte in 37 Einsätzen in der slowenischen Liga standen. Intensives und auf ihn persönlich abgestimmtes Training in der Off Season war auch in den beiden Jahren seither die Grundlage für das Erklimmen der nächsten Sprossen der Karriereleiter. Ganze elf Kilo hat "Sabla", wie ihn seine Freunde nennen, in den letzten drei Sommern an Muskelmasse zugelegt.

19 Punkte im Rookie-Jahr

Zum Kader von Jesenices Kampfmannschaft gehört der Eigenbauspieler seit der Vorbereitung auf die Saison 2009/10, als der Verein die Abgänge von vier seiner fünf besten Scorer zu verkraften hatte. Pendelte Sabolič zu Beginn der Spielzeit noch zwischen der Position als Center in der vierten Linie und jener des 13. Stürmers, so arbeitete er sich im Jahresverlauf in der teaminternen Rangordnung immer weiter nach oben. Am Ende standen für eine Rookie-Saison respektable 19 Punkte inklusive Umschulung zum Flügel. "Ganz neu war das für mich nicht, ich habe in den letzten Jahren auf jeder Position gespielt, auch vielfach als Verteidiger. Diese kontinuierlichen Perspektivenwechsel haben auch die Art und Weise meiner Spielauffassung verändert - im positiven Sinne", attestiert er.

Tausche Studienplatz gegen Tore

Seiner sportlichen Entwicklung hat Sabolič in den letzten Jahren alles untergeordnet, auch sein Studium der Organisationswissenschaften an der in Kranj beheimateten Außenstelle der Universität Maribor, das er auf vorerst unbestimmte Zeit unterbrochen hat. Die Konzentration aufs Eishockey scheint sich ausgezahlt zu haben: Seine bisher 30 Saisontreffer sind ein Wert, der in den letzten beiden Spielzeiten ausgereicht hätte, um sich am Ende des Grunddurchgangs die Torjägerkrone zu sichern.
Dass diesem Erfolg heuer François Fortier im Weg steht, stört den 22jährigen in keinster Weise. Im Gespräch zeigt er sich gänzlich auf die Zielsetzung des Teams als Ganzem fokussiert - das Erreichen eines Play-Off-Platzes. Diesen könnte Jesenice am Dienstag erstmals seit 24 Runden wieder einnehmen, Voraussetzung dafür ist ein Heimsieg über Székesfehérvár. Ob ein solcher gelingt, wird einmal mehr von der offensiven Produktivität der attraktivsten zweiten Linie der EBEL abhängen - und von den Toren Robert Saboličs. (Hannes Biedermann; derStandard.at; 8.Feber 2011)

Stats&Facts Robert Sabolič |  2010/11

46 Spiele, alle als rechter Flügel (RW)
93,48% in der zweiten Linie, häufigste Linienkombination mit Tičar/Jeglič (76,09%)
50 Scorerpunkte (30 Tore, 20 Assists)
Längster Scoring Streak: 7 Spiele (Runde 30-36)
5 (4+1) Game Winning Points (teamintern Platz 2)
Bei 38,89% der Game Winning Goals des Teams am Eis (teamintern Platz 2)
33 Scorerpunkte bei 5-gegen-5 (teamintern Platz 2)
Bei 42,65% aller erzielten Tore des Teams am Eis
Plus/Minus Rating: -3
1,09 Punkte/Spiel (Platz 2 unter allen slowenischen EBEL-Spielern)

  • Gegen Székesfehérvár bestreitet Robert Sabolič am Dienstag sein 100. Spiel in der EBEL.
    foto: johann pittner

    Gegen Székesfehérvár bestreitet Robert Sabolič am Dienstag sein 100. Spiel in der EBEL.

Share if you care.