Williams will an der Börse auftanken

8. Februar 2011, 10:14
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Als erstes Formel-1-Team wagt sich der britische Rennstall aufs Parkett und will damit das Unter­nehmen auf solide Beine stellen

Williams kennt sich aus mit Kurven. Nun plant der britische Rennstall als erstes Formel-1-Team den Einstieg an der Börse und will damit eine neue Kurve nehmen - eine Aktienkurve steil nach oben. "Meine Fahrer sollen noch Rennen bestreiten, selbst, wenn es mich nicht mehr gibt", begründet Besitzer Sir Frank Williams die Entscheidung und macht gleich Nägel mit Köpfen. Denn die Preisfindung für die Papiere soll bereits ab morgen bis voraussichtlich Ende Februar erfolgen. Erster Handelstag im schwach regulierten Entry Standard am Frankfurter Parkett dürfte der 2. März sein, begleitet wird das Unternehmen, das an der Börse Williams Grand Prix Holdings heißen wird, von der Schweizer Bank am Bellevue und der Baader Bank. "Williams ist seit den Anfängen vor über 30 Jahren ein unabhängiger Konstrukteur in der Formel 1 geblieben. Ziel des Börsegangs ist es, eine dauerhafte Eigentümerstruktur für die Zukunft zu sichern", heißt es in einer entsprechenden Mitteilung.

Auf dem Angebotszettel warten insgesamt 2,739,383 Millionen Aktien, 330.000 davon sollen aus dem Greenshoe stammen. Rund 27 Prozent sollen demnach veräußert werden, der 68-jährige Williams selbst will zumindest 50 Prozent der Anteile behalten. Ein Großteil der Papiere kommt nach seinen Angaben aller Voraussicht nach von Mitbegründer Patrick Head. Läuft alles nach Plan, erwartet das Unternehmen einen Emissionserlös von mehr als 37 Millionen Euro.

Die langfristige Sicherung als Privatteam mit 450 Angestellten hat das Unternehmen auch bitter nötig, denn von den aktuellen Sponsorenaufklebern bleibt auf den blau-weißen Autos in der kommenden Saison nicht mehr viel übrig. Philips, die Royal Bank of Scotland, und AirAsia sprangen ab und kratzten damit ordentlich am Lack des 1977 gegründeten Rennstalls. Auch die sportlichen Erfolge sind mehr als durchwachsen. Das Formel-1-Team hat zwar neun Mal die Konstrukteursmeisterschaft gewonnen, dennoch könnten die potenziellen Anleger wenig Vertrauen in Williams haben - der letzte Titel liegt bereits 14 Jahre zurück. Fahrer wie Nigel Mansell und Damon Hill gehören längst der Vergangenheit an. Das letzte Mal, dass ein Williams als erster die karierte Fahne sah, war im Jahr 2004.

Bleibt noch die Frage, warum der Börsegang der Briten nicht in London stattfindet. Ein Grund könnten die strengeren Auflagen der dortigen Finanz sein: Frank Williams, der nach einem Autounfall 1986 im Rollstuhl sitzt, weigert sich trotz mehrfacher Aufforderung bis heute, Auskunft über die Aufteilung von Preisgeld und TV-Gebühren bekannt zu geben. In Deutschland dürfte es etwas lockerer zugehen. (Sigrid Schamall, derStandard.at, 8.2.2011)

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    Williams steht am Scheideweg: Finanziell ausgeblutet, fuhren die Williams-Boliden in den letzten Jahren den Top-Teams meist hinterher. Bekanntester Fahrer im britischen Rennstall ist derzeit der Brasilianer Rubens Barrichello.

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