Streit um einen Tempel

7. Februar 2011, 18:54

Seit Tagen kämpfen Soldaten im Grenzgebiet – Angelegenheit als Politikum im Machtkampf in Bangkok

Niemand will es gewesen sein. Keiner hat den ersten Schuss abgefeuert. Thailand und Kambodscha ergehen sich seit Tagen in gegenseitigen Schuldzuweisungen, wer den Konflikt beim Pra-Viharn-Tempel im Grenzgebiet vom Zaun gebrochen hat.

Bei den Schießereien starben mehrere Soldaten und Zivilisten, Dutzende wurden verletzt. Menschen, die im Grenzgebiet wohnen, verlassen ihre Dörfer. Ein Appell von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon für ein sofortiges Ende der Kämpfe verhallte ungehört: Laut thailändischen Behörden waren am Montag rund 15.000 Menschen auf der Flucht. Von anderen Quellen wird diese Zahl allerdings bezweifelt, weil das Gebiet sehr dünn besiedelt ist.

Kambodschas Premierminister Hun Sen beschuldigt den Nachbarn "kriegshungrig" zu sein. Amtskollege Abhisit Vejjajiva konterte, man werde "Thailands Souveränität gegen jegliche Begehrlichkeiten verteidigen" . Kambodscha warf der thailändischen Armee vor, am Sonntag eine Wand des Tempels beschädigt zu haben. "Thailand wird weiter schießen, solange die Kambodschaner auf uns schießen" , sagte Armeesprecher Sansern Keowkhamnerd.

Die Tempelanlage aus dem 11. Jahrhundert, die die fulminante Baumeisterkunst aus der Angkor-Periode der Khmer repräsentiert, gehört nicht zu Thailand. Schon 1962 sprach der Internationale Gerichtshof den Tempel Kambodscha, dem Stammland der Khmer, zu. Seit 2008 ist der Tempel Weltkulturerbe.

Entscheidungen, die so manche Thai bis heute nur schwer akzeptieren, da doch ihr historisches Erbe auch auf der Kultur der Khmer beruht. Sie werfen den damaligen Richtern vor, aufgrund - ihrer Meinung nach - ungültiger Landkarten, die von Beamten der Kolonialmacht Frankreich in Kambodscha erstellt worden waren, entschieden zu haben. Nie geklärt wurde der eigentliche Konfliktpunkt: Wem nämlich das Grenzgebiet von knapp fünf Quadratkilometern Fläche gehört.

Nationalisten empört

Jedenfalls geben sich Thailands Nationalisten empört. Es scheint kein Zufall zu sein, dass der Konflikt just dann ausbricht, wenn sich in Bangkok erneut die verfeindeten Lager in der innenpolitischen Auseinandersetzung zu formieren beginnen.

Die sogenannten "Rothemden" von der "Union für Demokratie" (UDD) demonstrieren wieder für den Regierungswechsel. Ihre Gegner, in Gelb gekleidet und von der "Allianz für Demokratie" (PAD), machen sich im Regierungsviertel breit.

Die Regierung in Bangkok steht enorm unter Druck. Jede falsche Reaktion in der Tempelfrage kann im Inland unberechenbare Folgen haben. Im Vorjahr im Mai wurden die Proteste der "Rothemden" , die die Regierung von Premierminister Abhisit zum Rücktritt zwingen wollten, gewaltsam beendet. Bei den Auseinandersetzungen starben fast 100 Thai. Die Anhänger der PAD hatten bereits 2008 den Flughafen in Bangkok wochenlang besetzt. (Andrea Waldbrunner aus Bangkok/DER STANDARD, Printausgabe, 8.2.2011)

Horst Holzinger
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Religion bringt Frieden ...

Neues von der Religion des Friedens, diesmal der Buddhismus ...

Der zweitbeste Finanzminister :-)))
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In diesem Fall ist Nationalismus das Problem und sicher nicht die Religion.

-*-*
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man sollte hinter den tempel schauen. der ist, so wie die nicht geschlossene zahnpastatube nur ein synonym für den streit.

phutpichler
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Traurig, dass für so einen Mist Menschen sterben müssen,

.......sonst könnte man einfach lachen über so viel Unreife. Hier sieht man wie weit diese Länder noch von politischer Zivilisation entfernt sind. Schusswechsel zwischen D und Frankreich wegen einer Kapelle an einem umstrittenen Grenzverlauf in der Walachei? Wohl kaum?
Vernünftige Nachbarn würden sich auf eine gemeinsame Nutzung des Gebiets einigen (freier Zugang von beiden Seiten etc.) und einen Vertrag dazu aufsetzen.

Dirty Sanchez
 
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ach ja...

Sie haben ja recht. Aber bis die von Ihnen angeführten Staaten Deutschland und Frankreich einen modus vivendi gefunden haben, hat es viele, viele Kriege gegeben. Anscheinend muß man erst so richtig Schmerz spüren, bevor man versucht, Angelegenheiten friedlich zu regeln.

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