Weiter voneinander abhängig

7. Februar 2011, 18:45
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Bashir ist auch innenpolitisch unter Druck - von Adelheid Wölfl

Der sudanesische Präsident Omar al-Bashir hat die Sezession des Südsudan und damit die Schaffung eines neuen afrikanischen Staates akzeptiert. Mehr noch, er will den Prozess sogar unterstützen. Wichtig ist nun, dass potenziellen Sezessionisten - etwa in Darfur, aber auch anderswo in Afrika - sofort eine klare Absage erteilt wird, um neue Konfliktherde zu verhindern.

Doch auch Khartum ist weiter gefordert. Der Norden wird sich nach der Abspaltung des Südens in seiner inneren Zusammensetzung ändern. Er wird nicht mehr der größte Staat Afrikas sein, dafür aber "arabischer". Manche schlagen sogar vor, dass er einen neuen Namen bekommen soll. Sudan heißt ja so viel wie "Staat der Schwarzen".

Bashir ist auch innenpolitisch unter Druck, weil er auch dafür verantwortlich gemacht werden wird, dass die Einkünfte aus dem Ölgeschäft - die lukrativsten Ölfelder liegen ja im Süden - geringer werden. Klar ist, dass die beiden Staaten, obwohl souverän, stark voneinander abhängig sein werden, was das Konfliktpotenzial mindert. Andererseits geht es in dem Ölgeschäft um viel Geld.

Und der Südsudan verfügt noch nicht über die administrativen Kapazitäten und die Infrastruktur, seine Ressourcen zu managen. Der Übergang vom Nachkriegsland zu einem funktionierenden Staat kann nur gelingen, wenn auch die Bevölkerung von dem Ölgeschäft durch Zugang zu Bildung und Gesundheitsprogrammen wirklich profitiert. (Adelheid Wölfl /DER STANDARD, Printausgabe, 8.2.2011)

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