Österreich und die Angst vor der Millionenstrafe

7. Februar 2011, 18:38

Seit Monaten streitet die Koalition über das von der EU geforderte Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung

Überwachungsstaat oder notwendiges Mittel zur Verbrechensbekämpfung? Bei der Vorratsdatenspeicherung gibt es zwischen diesen beiden Polen wenig Spielraum. In Österreich läuft den Politikern beim Beschluss des entsprechenden Gesetzes die Zeit davon - Millionenstrafen der EU drohen. Eine Einigung zwischen Technologie-, Justiz- und Innenministerium gibt es aber noch immer nicht.

Grundsätzlich

Der Hintergrund des Streits: Technologieministerin Doris Bures (SPÖ) steht der Vorratsdatenspeicherung grundsätzlich kritisch gegenüber. Sie sieht in der verdachtsunabhängigen Archivierung von Internet- und Telefondaten eine mögliche Gefährdung der Grundrechte. Erst durch Gesetzesänderungen in den beiden anderen Ressorts, konkret im Sicherheitspolizeigesetz und der Strafprozessordnung, könne man diese Gefahr bannen.

Das Problem dabei: Schon seit mehr als einem halben Jahr sträuben sich Innenministerin Maria Fekter (ÖVP) und Justizministerin Claudia Bandion-Ortner dagegen. Sie wollen die kriminalitätsrelevanten Bestimmungen möglichst weit gefasst sehen. Besonders in zwei Punkten spießt es sich: An der Definition, was eigentlich eine "schwere Straftat" ist, ab der die Telekommunikationsbetreiber ihre Daten herausgeben müssen. Und an der Frage, ab wann die Polizei Betroffene informieren muss, dass sie überwacht wurden.

Juristischer Trick

Die Grünen-Abgeordnete Gabriela Moser vermutet nun, dass ein juristischer Trick bevorsteht. "Nach meinen Informationen aus dem Technologieministerium wird dort geplant, beim Ministerrat in der kommenden oder übernächsten Woche zwar das neue Telekommunikationsgesetz zu beschließen. Über Protokollanmerkungen soll dann aber festgehalten werden, dass die beiden anderen Ministerinnen ihre Gesetze noch verschärfen." Komme das so, überlege man rechtliche Schritte.

Druck der EU

Für den Verfassungsjuristen Heinz Mayer ist diese Vorgehensweise zwar durchaus möglich. Allerdings: Die anderen Regelungen müssten dann in Kraft treten, bevor das neue Telekommunikationsgesetz Realität wird. Andernfalls könnte dieses im Extremfall nämlich ungültig werden - was die EU nicht begeistern würde. Hintergrund der möglichen juristischen Spielerei ist nämlich der Druck der EU. Ende Juli 2010 wurde Österreich wegen der Nichtumsetzung der im Jahr 2006 im Europäischen Rat beschlossenen Richtlinie verurteilt. Was noch keine dramatischen Auswirkungen hat. Schon im März könnte aber das Ergebnis der nächsten EU-Überprüfung vorliegen. Und wenige Wochen später finanzielle Strafen beschlossen werden, die in den Millionen-Euro-Bereich gehen können.

"Manche sind der Meinung, dass bessere Bekämpfung der Kriminalität und besserer Datenschutz ein Widerspruch sind."

Dass man das verhindern will, gesteht auch Walter Fleißner, Pressesprecher im Technologieministerium ein. Auch dass die Variante der Protokollanmerkung denkbar ist, leugnet er nicht. Denn noch seien wichtige Punkte nicht ausverhandelt. Warum man dann den Weg der Protokollanmerkungen nicht schon längst gegangen ist, um dem Druck der EU zu entgehen? Man habe eben auf die Gespräche mit den anderen Ministerien gesetzt. Dort ist man bedingt mitteilungsbedürftig. "Wir sind in Verhandlungen", bescheidet Gregor Schütze, Sprecher von Innenministerin Fekter, knapp. Im Justizministerium beantwortet man die Frage, warum man bis zur finanziellen Strafandrohung braucht, ehe man sich zusammenrauft, damit, dass das auch ideologische Gründe habe. Oder, wie Sprecher Gerald Fleischmann es ausdrückt: "Manche sind der Meinung, dass bessere Bekämpfung der Kriminalität und besserer Datenschutz ein Widerspruch sind."

Die betroffenen Unternehmen sind übrigens noch immer gegen das Gesetz. Allein die Investitionen in die Infrastruktur würde einen Euro pro Internetanschluss betragen, rechnet Andreas Wildberger, Generalsekretär der Vereinigung der österreichischen Internetprovider, vor. (Michael Möseneder, DER STANDARD Printausgabe, 8. Februar 2011)

Der WebStandard auf Facebook

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 77
1 2 3
EU Millionenstrafe Pipifax

Zur Erinnerung Kärnten - 2013:
3,7 Millarden Schulden aus dem Landesbudget, 996 Millionen Schulden lauern außerbudgetär beim Krankenhausbau und weitere 250 Millionen Euro ticken als Bombe in der Kärntner Wirtschaftsförderung.

Fast 5 Milliarden warten da auf uns - da sind die - uuiuiuiuiui - Millionenstrafen der EU ja fast lächerlich.

Und wozu eine Vorratsdatenspeicherung wenn schon eindeutig zweideutige Telefonprotokolle der heimischen B und C Prominenz zu keinen Ergebnissen führen.

Die Strafe würd ich mal abwarten, da sich die Gesetzesgrundlage sowieso gerade im Abbruch befindet.

siehe auch

erich moechel auf fm4
(wesentlich besser recherchiert)

http://fm4.orf.at/stories/1675451/

Ich finde die paar Milliönchen sollte uns die Freiheit schon wert sein.

Wobei ich das als Erpressung und Geiselnahme sehe und man im normalfall mit Geiselhändlern nicht kooperiert.

wenn wir 500 millionen für die banken haben können wir uns das kleingeld auch noch leisten.

Das "lustige" an der EU:

Die Tonangebende Ebene, bei der die letztendliche Entscheidung liegt, ist die undemokratischste, nämlich nicht vom Volk gewählte.
Eine Europäischen Rat beschlossenen Richtlinie steht über dem Nationalen Gesetz.
Sehr "demokratisch".

Allerdings gibt es einen Beschluß des Europäischen Parlaments.

Im EU-Parlament waren die folgenden österreichischen Abgeordneten dafür:
Ursula Stenzel [ÖVP], Othmar Karas [ÖVP], Agnes Schierhuber [ÖVP], Reinhard Rack [ÖVP], Richard Seeber [ÖVP], Hannes Swoboda [SPÖ], Maria Berger [SPÖ], Harald Ettl [SPÖ], Christa Prets [SPÖ], Herbert Bösch [SPÖ]
Dagegen haben gestimmt:
Johannes Voggenhuber [Grüne], Eva Lichtenberger [Grüne], Karin Scheele [SPÖ], Jörg Leichtfried [SPÖ], Karin Resetarits [Liberale], Hans-Peter Martin [Unabhängig]
Paul Rübig [ÖVP] war nicht da. Andreas Mölzer [FPÖ] hat sich der Stimme enthalten.

Wolfgang Schüssel [ÖVP] stimmte im EU-Ministerat dafür.

Dazu ein vielleicht interessanter Link http://www.votewatch.eu/

Sehr detailierte Übersicht wer in welcher Fraktion sitz, wer wie oft bei Abstimmungen dabei ist,Was die Damen und Herren so von sich geben, wer sich loyal oder unloyal gegenüber EU Themen gezeigt hat usw usw...

Ach ja und Telefon- Faxnummern von Brüssel und Strassburg falls man als EU-Bürger mal etwas kommentieren möchte.
Effektiver ist es allerdings seine Botschaft auf einen öffentlchen Toilette zu hinterlassen...

bandion und fekter sind auch dafür (im eu-rat).

erschreckend auch, dass jemand, der die grundrechte mißachtet oder einschränken will, jetzt im eugh sitzt.

und wir deppen müssen denen auch noch das luxusgehalt zahlen.

Danke, jetzt weiß ich wer bei der nächsten Mal ganz sicher nicht meine Stimme kriegt.

...dann halt die Strafe bezahlen

Österreich spart sich in Summe auf Dauer damit viel Geld und leistet einen Beitrag zum Datenschutz. Datenssicherheit existiert nur in den kranken Hirnen einiger sogenannter Sicherheitsfirmen, die großteils nicht einmal verstehen was sie behaupten.

Die Strafe ist halt leider nichts Einmaliges. Die kommt immer wieder. Ist ja eine Beugemaßnahme.

Als ob das ein Problem wäre... Überwachung ist auch ein immer wiederkehrender Kostenfaktor. Wenn wir die Posten einiger ÖVP-PolitikerInnen einsparen, ist das Geld locker wieder herinnen.

Allein die Investitionen in die Infrastruktur würde einen Euro pro Internetanschluss betragen,

telefonieren wird also nicht teurer dadurch

Die einzigen, welche diese Speicherung wünschen

sind GEMA, IFPI & Co
Auf "gut deutsch" die US-Content-Mafia!

Bullshit!!!!

Es geht generell um Überwachung.

Beides, würde ich sagen.

Natürlich ist das zunächst mal ein Mittel, das unter dem Deckmantel der Terrorismus- und Kriminalitätsbekämpfung durchgedrückt wird. Aber es ist wohl absehbar, dass das im Laufe der Zeit immer weiter aufgeweicht wird, vor allem für Behörden. So wie z.B. in England die Antiterrorgesetze auch zur Verfolgung von Leuten missbraucht werden, die ihren Müll nicht richtig entsorgen.

Und die Content-Mafia sitzt bekanntlich ohnehin schon lange in den Startlöchern und bekundet immer wieder, dass sie unbedingt bei der VDS mitspielen will. Die werden sicher auch noch ihren Willen bekommen.

Gäääähn!

... und wie machen's die Deutschen?
Dort wurde die Vorratsdatenspeicherung je wieder abeschafft.
Müssen die keine Strafe zahlen?

Und unser Verfassungsgerichtshof? Das Schweigen...

"In Rumänien wurde die Vorratsdatenspeicherung vom Verfassungsgericht gestoppt. In dem Urteil des rumänischen Verfassungsgerichtshof heißt es, eine verdachtslose Vorratsdatenspeicherung verstoße gegen Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention"

Auch in D stoppte der Verfassungsgerichtshof das entsprechende Gesetz, weil die Beschränkung auf Fälle schwerster Kriminalität nicht näher erläutert war.

Die schwedische Regierung weigert sich, ein Gesetz zu erlassen, welches die Vorratsdatenspeicherung in nationales Recht umsetzt.

(Wikipedia)

Aber bei uns in Bagdad...

der VGH kann nur bestehende Gesetze beurteilen!
aber ich bin mir sicher das die richter des VGH den Gesetzesentwurf schon gelesen haben.

Es geht mir nicht um ein Erkenntnis sondern um die Tatsache, dass sich z.B. der Verfassungsgerichtshofspräsident des öfteren zu politischen Themen geäussert hat - hier aber schweigt

Über ungelegte Eier ...

... gackert man nicht.

Nicht bloss nur ...

Nettozahler der Union, jetzt bezahlen wir auch noch die Strafen für die Unzulänglichkeiten der amtierenden Politiker, welche sich dieser Gesetzesverpflichtungen der Union nicht erwehren können,....

Bravo Europa....- der liebe Herr Gott steht halt immer noch auf der Seite der Schweizer...;O)))

das problem ist nur; es gibt keinen gott

Können Sie das beweisen?

mache ich sofort nachdem sie bewiesen haben dass es "ihn" gibt ;-)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 77
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.