Geschasster Tucek rechnet öffentlich ab

7. Februar 2011, 18:15
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Vorwurf an den Aufsichtsratschef Jurkowitsch, dieser würde "unsachlich drohen"

Wien - Dem überraschend geschassten Chef des Hotelbetreibers Vienna International (VI) Rudolf Tucek, ist offenbar der Kragen geplatzt. In einem Brief rechnet er mit dem VI-Aufsichtsratvorsitzenden Franz Jurkowitsch und dessen Kindern, die im VI-Aufsichtsrat und im Vorstand der Warimpex sitzen, ab. Tucek an Jurkowitsch: "Du kritisiert den Streitstil des Vorstandes und mahnst Benimm gegenüber dem Kunden ein. (. ..) Meine These ist, dass hier auf allen Ebenen Machtdemonstrationen stattfinden."

Die VI gehört mehrheitlich über Privatstiftungen (Bocca und Amber) den Haupteigentümern der Warimpex, Franz Jurkowitsch und Georg Folian. Die Warimpex ist eine börsenotierte Immobiliengesellschaft, der großteils die Hotel-Immobilien der VI gehören. Tucek war bisher nicht nur Chef der VI, sondern über seine RBL-Privatstiftung auch Miteigentümer (8,36 Prozent) der VI - was er nach wie vor bleiben will.

Tucek unterstellt den Familien Jurkowitsch und Folian (je zwei Familienmitglieder sind im VI-Aufsichtsrat), getreu dem Motto "zusammen haben wir die Mehrheit, und ein Vorstand hat gefälligst so zu agieren, wie wir uns das als Mehrheitseigentümer wünschen ..." zu agieren.

Der Ex-VI-Chef wirft Jurkowitsch vor, seinem Sohn Alexander, Vorstand der Warimpex und Geschäftsführer des Hotels andel's Berlin, "den Rücken zu stärken". Wörtlich: "Als Aufsichtsratsvorsitzender der VI ergreifst du eindeutig gegen die VI Partei, obwohl deine Rolle eigentlich das Gegenteil verlangen würde." Es geht um den Streitfall WLAN im Hotel andel's in Berlin. Tucek: "Für mich wäre es aus Compliance-Gründen eher nachvollziehbar, wenn du dich unter Berücksichtigung deiner Vater-, Gesellschafter- und Vorstandsrolle bei Warimpex aus diesem Streit heraushalten würdest." Tucek weiter: "Aber gegen VI Partei ergreifen und unsachlich drohen ist aus meiner Sicht völlig unakzeptabel."

Tucek war telefonisch nicht erreichbar. Jurkowitsch weist die Vorwürfe zurück und betont, "dass für ihn als Aufsichtratsvorsitzenden der VI das Wohl und die Zukunft des Unternehmens erste Priorität haben". Gerade deswegen wolle er Unternehmensinterna nicht in aller Öffentlichkeit ausbreiten. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.2.2011)

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    Rudolf Tucek (52) war von 2004 bis vorige Woche Chef des Hotelbetreibers Vienna International.

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