Kalkuliert mies

7. Februar 2011, 18:10
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Das Land taumelt vor sich hin, die Regierung aber kalkuliert

Asyl ist eigentlich ein griechisches Wort, aber irgendetwas muss fürchterlich schiefgegangen sein, dass im Geburtsland der Demokratie und des politischen Schutzes niemand wirklich sicher ist. Weder die Griechen selbst, die im zweiten Jahr der Wirtschafts- und Finanzkrise nun durchaus Zerfallserscheinungen ihres Staates sehen, noch erst recht die Flüchtlinge, die illegal über die griechischen Grenzen in die EU kommen wollen.

An einem gewöhnlichen Wochentag in Griechenland kann in Athen ein Wachmann von einem Schützen auf einem Motorrad erschossen werden, blockieren Bauern den wichtigsten Grenzübergang nach Bulgarien und äußert ein Minister sein Unverständnis über die wachsende Bewegung der "Nichtzahler", die die Preissteigerungen im öffentlichen Verkehr nicht mehr mitmachen wollen. Das Land taumelt vor sich hin, die Regierung aber kalkulier - den Staatshaushalt unter den Auflagen der internationalen Geldgeber ebenso wie das Flüchtlingsproblem.

Es gibt nur unschöne Erklärungen dafür, dass Athen trotz vorhandener Mittel die illegalen Immigranten im Grenzgebiet weiter in kleine Lagerhallen pfercht: Nachlässigkeit, Inkompetenz - oder Kalkül. Eine Toilette mehr zu bauen für 100 Insassen, eine halbe Stunde Freigang am Tag zu gewähren, vielleicht gar ein Bett, kann ja wohl nicht das Problem sein. Griechenlands Regierung rechnet anders: In Krisenzeiten hat der Fremde keinen Platz. (Markus Bernath, DER STANDARD-Printausgabe, 8.2.2011)

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