Seibersdorf

Rechnungshof übt schwere Kritik an ARC Seibersdorf

Luise Ungerboeck, 7. Februar 2011, 19:31

Der Notverkauf der FWG, einer Tochter des Forschungszentrums Seibersdorf, im Jahr 2006 beschäftigt die Justiz und wirft nach wie vor viele Fragen auf

Schwere Kritik übt der Rechnungshof an dem vor vier Jahren vom Forschungszentrum Seibersdorf (Austrian Research Centers, ARC) durchgezogenen "Notverkauf" der Tochter FWG. In dem unter Verschluss gehaltenen Rohbericht wird nach Standard-Informationen die Gebarung der ARC hinsichtlich ihrer Beteiligung in Eisenstadt zerpflückt.

Die 2000 als Spin-off ausgegliederte FWG musste mangels Geschäftserfolges im Herbst 2002 von ARC zurückgekauft werden. Außerdem hätten ARC- und FWG-Geschäftsführer, Helmut Krünes und Martha Maly-Schreiber, über wechselseitige Beteiligungen und Managerfunktionen In-sich-Geschäfte gemacht - zulasten der ARC-Gruppe. Aufgepeppt sei die FWG aber mit Fördermitteln des Verkehrsministeriums und der burgenländischen Wibag geworden.

Die eigens für die Verwertung von FWG-Patenten gegründeten Vertriebsfirmen gingen pleite. Ihre Liquidation brachte kaum Geld ein, weil die FWG-Patente "wertlos" waren, wie der Rechnungshof kritisiert.

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Wien - Dem vor etwas mehr als vier Jahren durchgezogenen Notverkauf ihres kleinen Ablegers Funktionswerkstoffe GmbH (FWG) durch die Austrian Research Centers Seibersdorf (ARC) steht ein großes Nachspiel ins Haus: Die Staatsanwaltschaft Wien ermittelt wegen des Verdachts der Untreue, des Fördermissbrauchs und grob fahrlässiger Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen. Laut Insidern steht eine Anklageerhebung gegen die damals bei FWG und ARC-Gruppe tätigen Funktionäre bevor. Ein Gutachten des Gerichtssachverständigen Gerhard Altenberger enthalte eine Fülle belastenden Materials, heißt es.

Bei der Staatsanwaltschaft Wien bestätigt man Ermittlungen gegen die damalige FWG-Geschäftsführerin Martha Maly-Schreiber, die Exgeschäftsführer der ARC-Gruppe, Helmut Krünes, Hans Rinnhofer und Erich Gornik, und andere Personen (sowie gegen unbekannt), nicht aber eine Anklageerhebung. Die Beteiligten bestreiten die Vorwürfe, es gilt die Unschuldsvermutung. Die inzwischen in AIT umbenannte ARC-Gruppe ist nach einem entsprechenden Antrag an die Finanzprokuratur Zivilbeteiligte in dem Verfahren.

Der Rechnungshof (RH), der die Causa FWG im Herbst 2007 prüfte, hat den FWG-Verkauf unter Einbeziehung der Erkenntnisse des Gerichtssachverständigen im Frühjahr 2010 erneut geprüft und einen Rohbericht abgeliefert, indem sowohl die Gebarung der FWF-Geschäftsführung nach Strich und Faden zerpflückt wird, als auch die jene der ARC betreffend ihre Beteiligungen. Ihr Fett bekommt auch die burgenländische Wirtschaftsförderungsagentur Wibag ab: Sie war an FWG-Vertriebspartnern beteiligt und bewilligte Förderungen, kontrollierte nach Ansicht des RH deren Einsatz aber nicht genau genug. Auch verlangte sie Fördergelder nicht zurück, als die Geförderten ihren Auflagen nicht nachkamen. "Der Rechnungshof liegt falsch" , kontert Wibag-Chef Peter Schmitl, Prozessrisiken und Kosten einer Rückforderung seien in keiner Relation zum Erfolg gestanden.

Was den RH bei der FWG sehr stört: Aufgrund ihrer Mehrfachfunktionen hätten die involvierten Manager "Insichgeschäfte" gemacht, über die der ARC-Aufsichtsrat nicht oder unzureichend informiert gewesen sei. Abgelaufen sind sie laut Darstellung der RH-Prüfer in den Jahren 2000 bis 2006 folgendermaßen: Die zwecks Risikominimierung bei der Verwertung ihrer Forschungsergebnissen als Spin-off der ARC ausgegliederte FWG in Eisenstadt kooperierte bei Prototypen-Verwertung und Vertrieb anfangs mit der Cool Structures Production & Sales GmbH (CSPS). Diese CSPS gehörte zu 85 Prozent der Wibag und zu 15 Prozent der FWG-Chefin Maly-Schreiber und bekam von der Wibag 2,04 Mio. Euro Eigenmittel sowie 509.000 Euro Mezzanindarlehen der Innovationsagentur (heute AWS).

Batterien bald leer

Letzteres wurde "wegen Nichteinhaltung der Förderungsauflagen nur mehr zur Hälfte an CSPS ausbezahlt" , schreibt der RH. Dies auch deshalb, weil FWG bereits unter Liquiditätsengpässen litt und das Geld der CSPS über "einen Lizenzvertrag (mit der FWG, Anm.) sowie über mehrere Know-how-Verkäufe und Produktionsaufträge in die FWG floss" , wie der RH kritisiert. Auf die Rückforderung des 2002 gewährten Mezzanindarlehens verzichtete die Innovationsagentur - wie die Wibag "aus standortpolitischen Gründen" auf die Anfechtung der Verträge von CSPS mit FWG. Ende 2003 war CSPS pleite, ihre Liquidation 2005 brachte 11.000 Euro Erlös ein - laut RH weil sich "die von der FWG bezogenen Patente ... als wertlos erwiesen" .

Sanierungsbedarf hatte 2002 auch die FWG, denn ihre Gesellschafter lehnten Kapitalzuschüsse ab. Exverteidigungsminister Helmut Krünes (FPÖ), seit 2002 kaufmännischer ARC-Geschäftsführer, habe erwirkt, dass die ARC wieder Alleineigentümer der maroden FWG wurde.

Auch FWG-Geschäftsführerin Maly-Schreiber gab nicht auf. Sie gründete am 15. Dezember 2003 gemeinsam mit der Trust & Value Unternehmensberatung in Eisenstadt ein neues Verwertungsunternehmen: Energy-on-Demand GmbH, kurz Enode, als deren geschäftsführende Gesellschafterin sie selbst fungierte. Wie CSPS hatte auch Enode Lizenzverträge mit der FWG, darunter für eine "Vanadium Redox Batterie" . Anfang 2005 ersuchte Krünes ARC-Aufsichtsratschef Richard Schenz um Erlaubnis, sich mit zehn Prozent am Enode beteiligen zu dürfen. Schenz zeigte sich "einverstanden, falls kein Interessenkonflikt gegeben ist" . Was Schenz nicht wusste: Wiewohl 100-Prozent-Tochter, wurde FWG von ARC kaum kontrolliert, nicht in der Bilanz konsolidiert, erhielt aber laufend ARC-Forschungsfördermittel des Verkehrsministeriums.

Anfang September 2006 reichte das Geld der ihrerseits ins Trudeln geratenen ARC nicht mehr. Enode beantragte im November Konkurs, was ihrem Hauptgläubiger FWG 524.000 Euro Zahlungsausfall bescherte. Krünes' Nachfolger als ARC-Geschäftsführer, Hans Rinnhofer, veräußerte die FWG samt 541.000 Euro Verbindlichkeiten vorbei am Aufsichtsrat in einem "Notverkauf" an die mittlerweile in Cellstrom aufgegangene SES. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.2.2011)

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ignazius rummsfeld
01
Alleine die Jahreszahlen 2000, 2002, 2006

bringen mich zum Erbrechen.

Fiedrichs
 
00
16.2.2011, 15:52

wer zahlt das alles? der steuerzahler.... ganz ehrlich 2009 48 millionen minus

Fiedrichs
 
00
16.2.2011, 13:35
Amtsmissbrauch

Der Amtsmissbrauch greift tiefer als man sich vorstellen kann. Öffentliche Förderungen werden in solche Unternehmungen geschoben.... kein Wunder, dass der Forschungstandort Österreich in Gefahr ist.

heri13
01
WAR DA NICHT AUCH DER blaue GRAF DABEI?

schüssel war der kopf,haider sein stellvertreter.
und die blau-schwarze abzockerbande hat sich an unseren steuergeld und staatsvermögen gemästet!
der dicke pröll arbeitet im sinne schüssels und der schwarzen banken weiter!

Stern von Brokot
01
Überall, wo FPÖ draufsteht, ist Millionenbetrug

drinnen.

*LOL* Es gilt die Unschuldsvermutung *LOL*

N. N.
016
FPÖ

Flaschen plündern Österreich.

systemfehler1
07
Eingefädelt hat das alles unser

tleiner Wolfi°°°

Danke nochmal, Schüsserl!!!

Petebull
14

Ich fordere die sofortige Anwendung des Mafiaparagrafen auf alle Parteien.

Unter dem Deckmantel politischer Tätigkeit (Politik betreibt von diesen Gestalten ohnehin keiner, nur blödes Daherreden, nichts dahinter) erfolgt ein unglaublicher Raubzug durch die Republik und ein Ausnehmen der Steuerzahler (der arme Mittelstand), zum Schaden der Republik und der Bevölkerung und zugunsten von Parteifunktionären und deren Sponsoren.
Die Handlanger agieren im Hintergrund und schicken Funktionäre auf Posten und Beratungspositionen zum Kassieren unglaublicher Beträge für null Leistung. Ein Großteil dieser Beträge fließt mit Sicherheit zurück an die Parteien. Daher auch uneingeschränkte Offenlegung der Parteieinkünfte und -vermögen!

Miklaus Röchlinger
02

Wie lange dürfen wir eigentlich noch für Schüssel, Haider, Grasser und Freunde zahlen?

rapunzels frisör
00

laaaaaaaaaaaaange!
sehr, sehr laaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaange!

natoll
017

seibersdorf war doch das geschenk das schüssel der fpö zum "spielen" gegeben hat. wurde auch unter den teppich gekehrt.

Bekka
 
03
richtig

ein auffangbecken für altgediente recken.

und binnen kürzester zeit haben sie's wirtschaftlich ruiniert. eh klar. die extrem gestiegenen lohnkosten und großzügigen abfertigungen für parteifreunde gehen nun mal gewaltig ins geld ...

Christoph Karl Steininger
01
Wer

wenn nicht er?

free spirit
02
und- was wird dieser skandal wieder an konsequenzen haben?

warum fällt mir bloß nix ein...

anton b
04
Was eh alle wissen.

Schüssel hat Seibersdorf zerstört.

Schlupp
01
Mag zwar sein, kann aber nicht mit diesem Artikel belegt werden.

Der sagt ja gerade *nicht*, dass das grossartige Seibersdorf verschleudert wurde, sondern ganz im Gegenteil, dass die Seibersdorf-Patente nix wert sind und die "Kaeufer" betrogen wurden.

somussesnichtsein
04
das blaue wunder

gab es auch in seibersdorf......

ist ja nichts neues wie die wirtschaften.....

Rune Rebellion
04
Liebe Redaktion:

Schön langsam wäre es an der Zeit für eine eigenes Ressort mit dem Namen "Österreichs Untergang" oder "Schüssels Erbe", in denen alle Grauslichkeiten, welche uns des Millimetternichs Regierungsprojekt so eingebrockt hat, gesammelt werden.

Der Überblick ist sonst nicht mehr zu behalten.

otis b. driftwood
129

seibersdorf? war das nicht die institution damit blaue akademiker, vornehmlich aus burschenschaften, auch ein einkommen haben?

ManInTheMiddle
00
ganz genau! Die mit den Schmissen!

Rune Rebellion
00
exakt!

mikromalist
 
05
Die Forschung in Seibersdorf

geriet ins Taumeln als die Kernforschung in AT sinnlos wurde.
Aber, was sich dort abspielt, seit das Management blau ist, ist atemberaubend (der "Siegeszug" der Unehrlichen und Untüchtigen?).
IMO, hilft nur mehr zusperren und Integration der positiven Forschungs-Gruppen in andere Forschungseinrichtungen, Unis zB.
Oder einfach das Management in die Hände zB der Fraunhofer Gesellschaft in DE übergeben?

Deno
 
01
14.2.2011, 15:02
Die Forschung in Seibersdorf...

ist, und war, meiner Meinung nach nie das Problem. Dort wo man die politische Spielereien nicht merkt (im Ausland) genießt AIT/ARC/Seibersdorf weiterhin sehr hohes Ansehen. Schaut euch einfach die EU Forschungsprojekte an:

* CORDIS Suche nach AIT, ARC & Seibersdorf ergibt um die 200 Projekte, bei 42 davon ist AIT konsortium leader, d.h. 3,2% der projekte und 2,7% der Project leads in Österreichischen Vergleich).
* Bei FP7 Projekten hat Österreich 1067/285, AIT 37/10 (3.5% der AT), und Fraunhofer Geselschaft 464/12.

Es fehlen natürlich die Budgets, aber die Fazit ist das Fraunhofer mit 18x mehr Beschäftigen als AIT nur 12x mehr FP7 Projekte akquirieren könnte.

Regis 1
00
Oder einfach das Management in die Hände zB der Fraunhofer Gesellschaft in DE übergeben

die sind doch nicht blöd, mann/frau ... :-)

mikromalist
 
00
So lange sie mit unserem

Steuergeld dürfen ;(

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