Von der halben bis zur ganzen "Neuen Mittelschule"

7. Februar 2011, 17:40
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Niederösterreich macht nur die halbe "Neue Mittelschule", Vorarlberg wollte die ganze und zwar sofort, hat aber zu wenige AHS-Lehrer dafür - "Übergangsphase" nennt Unterrichtsministerin Schmied das

Wien/Bregenz - Die Unterschiede in der konkreten Gestaltung der "Neuen Mittelschulen" (NMS) je nach Bundesland empfindet Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) als "Bestätigung meiner Forderung danach, dass alle Schulkompetenzen zum Bund müssen". Nur so könnte ein schulpolitischer Flickenteppich mit neun unterschiedlichen Varianten verhindert werden.

Im Gespräch mit dem Standard sagte Schmied am Montag zu der von Bernd Schilcher (ÖVP), Mitglied der Approbationskommission für Schulversuche, im Ö1-Morgenjournal geäußerten Beobachtung, dass die Qualität derzeit an den Ländergrenzen sehr unterschiedliche Formen annehme, "dass es de facto nur einen Unterschied gibt, nämlich in Niederösterreich", das die Mittelschule unter dem Titel einer sechsjährigen Volksschule umsetze, also nur für die 5. und 6. Schulstufe mit Teamteaching arbeite. Aber, so Schmied: "Auch Niederösterreich wird in der 7. und 8. Schulstufe auf die Ressourcen für die echte Neue Mittelschule nicht verzichten wollen."

Zur Kritik, dass Vorarlberg alle Hauptschulen in NMS umgewandelt habe, aber zu wenig AHS-Lehrer für den Unterricht dort habe (es gilt der AHS-Lehrplan, das Ministerium finanziert sechs zusätzliche Wochenstunden pro Klasse, in denen ein Haupt- und ein AHS-Lehrer gemeinsam lehren), sagt Schmied: "Jede Hauptschule hat eine AHS oder BHS als Partnerschule, aber durch die rasche Umstellung sind nicht für alle sechs Stunden AHS-Lehrer da. Das ist eine Übergangsphase."

"Kooperation im Rahmen des Möglichen", nicht mehr und nicht weniger sei mit dem Ministerium für die Modellregion vereinbart, sagt Vorarlbergs Schullandesrat Siegi Stemer (ÖVP). Dem Möglichen seien aber strukturelle Grenzen gesetzt. Denn Vorarlberg hat nur 13 Gymnasien, aber 51 "Vorarlberger Mittelschulen", dazu komme Lehrermangel in den naturwissenschaftlichen Fächern, vor allem in Mathematik. Zurzeit sind 58 AHS- und BHS-Lehrer an Mittelschulen in "Mitverwendung". Mehr sei in Anbetracht der verfügbaren Lehrerinnen und Lehrer nicht möglich. Aber, so Stemer: "Wir haben 70 wirklich tolle gemeinsame Projekte."

Einzelne Projekte sind, so AHS-Personalvertreter Gerhard Pusnik, "keine wirkliche Verschränkung". Dazu fehle es am bildungspolitischen Willen, an den Konzepten und am Personal. (Lisa Nimmervoll, Jutta Berger, DER STANDARD, Printausgabe, 8.2.2011)

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    Sechs Stunden pro Klasse finanziert das Ministerium extra, in denen in den Neuen Mittelschulen in den Hauptfächern zwei Lehrer gemeinsam unterrichten.

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