Geschlossene Börse macht Kapitalflucht schwer

7. Februar 2011, 17:31
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Die Unruhen in Ägypten treiben Investoren aus dem Land. Wer kann, zieht sein Geld ab

Die Unruhen in Ägypten treiben Investoren aus dem Land. Wer kann, zieht sein Geld ab. Aber nicht alle können, weil die Börse in Kairo wegen der hohen Kursverluste seit mehr als einer Wochen geschlossen ist.

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Wien - Die instabile Lage im Nahen Osten und die anhaltenden Unruhen in Ägypten zeigen, wie schnell ein Hoffnungsmarkt zu einem unstabilen Investment werden kann. Das Bewusstsein über die Risiken eines Emerging-Market-Investments dürfte vielen Anlegern in den vergangenen Tagen ins Bewusstsein gerückt sein.

In Ägypten haben die Unruhen, wie berichtet, auch zu einem Kursabsturz an der Börse geführt. Nachdem am 26. und 27. Jänner (letzter Handelstag) der Wertverlust auf insgesamt rund 12 Milliarden Dollar (8,8 Mrd. Euro) gestiegen ist, was zu einem Absturz um 16 Prozent geführt hat, wurde der Handel ausgesetzt. Seit mehr als einer Woche ist das Parkett in Kairo nun geschlossen.

Wann die Börse in Kairo wieder geöffnet wird, ist derzeit nicht bekannt. Denn obwohl Ägyptens Banken und Geschäfte seit Sonntag teilweise wieder ihre Pforten geöffnet haben, bleibt die Börse weiterhin geschlossen. Für Anleger, die ihr Geld abziehen wollten, ist eine geschlossene Börse natürlich fatal. Sie können kaum mehr tun, als dem Wertverfall ihrer Aktien zusehen.

Wer über Fonds investiert ist, kann seine Flucht leichter antreten, weil die Fondsgesellschaften täglich Rückkaufswerte anbieten. "Wer in eine Randbörse wie Kairo investiert, sollte das über breit gestreute Fonds tun", fasst Veronika Lammer, Spezialistin für Emerging Markets bei der Raiffeisen Bank International, zusammen.

Laut dem Analysehaus EPFR floss in den vergangenen Tagen so viel Geld aus Nordafrika-Fonds ab wie seit 2007 nicht mehr. Auch aus anderen Schwellenländern fliehen Investoren, um ihr Geld rechtzeitig zu schützen.

Am Montag haben die Unruhen auch Auswirkungen auf die Landeswährung gezeigt. Der US-Dollar kletterte auf ein neues Rekordhoch von 5,9427 Ägyptischen Pfund. Hintergrund: Unternehmen und Privatpersonen transferierten verstärkt Geld ins Ausland oder tauschten es in Devisen um. Bereits am Sonntag war die Währung unter Druck, nachdem der Handel in den Tagen zuvor wegen der Proteste ausgesetzt worden war.

Vertrauensprobe

Wie viel Vertrauen Investoren dem Land zuschreiben, wird die mit Spannung erwartete 15 Mrd. Pfund (1,88 Mrd. Euro) schwere Emission ägyptischer Staatsanleihen zeigen. Die zunächst für vergangene Woche geplante Platzierung war abgesagt worden.

Entspannung gab es am Montag bei den CDS. Die Absicherung eines zehn Millionen schweren Kredits an Ägypten verbilligte sich um 17.000 auf 365.000 Dollar. Vorigen Montag mussten noch 450.000 Dollar bezahlt werden. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.2.2011)

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    Der Banner über den Säulen der ägyptischen Börse bleibt schwarz. Das Parkett ist seit mehr als einer Woche geschlossen.

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