Der Hund als Stabilisator

7. Februar 2011, 17:58
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Emanuel Pogatetz soll das ÖFB-Team nicht nur gegen Vize-Weltmeister Niederlande absichern

Wien/Eindhoven - Die Niederlande haben vorgelegt und auf 4:2 erhöht. Nach Arjen Robben, Rafael van der Vaart und Nigel de Jong muss auch Robin van Persie das Länderspiel am Mittwoch in Eindhoven gegen Österreich auslassen, den Stürmer von Arsenal hat die Grippe erwischt. Bondscoach Bert van Marwijk nominierte Luuk de Jong von Twente nach.

Dietmar Constantini kann lediglich mit Marc Janko (chronische Leistenbeschwerden) und Martin Harnik (akute Wadenverletzung) dagegenhalten. Manfred Zsak, der Assistenztrainer, lehnte es ab, über die Abwesenden zu diskutieren, schließlich habe Österreich ausreichend Kicker zur Verfügung, die reif für das Team seien. "Unser Interesse gilt den Anwesenden." Wobei Janko schon ein Thema wäre. Seine Verfügbarkeit liegt bei ungefähr 50 Prozent, er ist maximal ein Teilzeitkapitän. Natürlich sagt er nie grundlos ab. Constantini hat ein Problemchen immerhin aufgeschoben, er kann absolut widerspruchslos den emsigen Stefan Maierhofer aufstellen.

Und so bereitet sich das ÖFB-Team auf ein Match gegen den Vizeweltmeister vor: Es hält zweieinhalb halbintensive Trainingseinheiten ab, mehr geht sich in der kurzen Zeit nicht aus. Videos werden studiert, danach stellt zum Beispiel Emanuel Pogatetz fest, "dass sie verdammt stark sind. Trotzdem gibt es keinen Grund, Angst zu haben".

Hungrige Ersatzleute

Der 28-jährige Pogatetz fehlte in den vergangenen drei Partien, nun soll der beinharte bis schonungslose Innenverteidiger die Defensive stabilisieren. In Hannover gelingt ihm das seit Sommer 2010 vorzüglich, er kam damals aus Middlesbrough und war sofort der Chef. Diese Leaderqualitäten ("Die habe ich mir erarbeitet, und sie entsprechen meinem Charakter") soll er im Team auspacken. "Wir müssen die ballsicheren Niederländer früh stören, den Fluss unterbinden." Die prominenten Ausfälle beim Gegner sieht er nicht als Vorteil. "Oft sind Ersatzleute gefährlicher als Superstars, weil sie hungriger sind."

Pogatetz, den sie in England respektvoll "Mad Dog" hießen, fühlt sich in Hannover jedenfalls wohl wie ein Pudel. In Deutschland werde ein anderer Fußball gepflegt. "Die Taktik ist wichtiger, in England war das Tempo höher, da ging es hin und her. Man konnte sich deshalb mehr Fehler erlauben." Hannover 96 ist überraschend Vierter, Witzbolde könnten behaupten, die Niedersachsen seien fast das Ried von Deutschland. Pogatetz lehnt den Vergleich ab. "Unser Stadion ist größer als jenes in Ried." Mit Trainer Mirko Slomka stimme die Basis, "er ist ein moderner Mensch, der einem Freiheiten lässt. Hat man Erfolg, passt es aber immer und überall."

Pogatetz wechselte ein halbes Jahr nach dem Selbstmord von Robert Enke, der an Depressionen leidende Tormann hatte sich vor einen Zug geworfen. "Es war kein Thema mehr, der Verein geht damit sehr sensibel um."

Von der Partie in Eindhoven erwartet der 39-fache Nationalspieler neue Erkenntnisse. "Es geht ja nicht um Punkte, sondern darum, wie wir uns präsentieren und wie das Gesamtpaket ausschaut." Die Nationalmannschaft sei eine hungrige Truppe, die meisten hätten ihr Potenzial noch gar nicht ausgeschöpft. Zlatko Junuzovic zählt dazu, der Austrianer wird von Hannover umworben. Pogatetz: "In Eindhoven stehen wir alle im Schaufenster." (Christian Hackl, DER STANDARD Printausgabe, 8.2.2011)

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    Emanuel "Mad dog" Pogatetz soll hinten nichts oder wenig zulassen.

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