Politik wehrt Offert der Feuerwehr ab

7. Februar 2011, 17:29
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Vom Verteidigungsressort abwärts bis zu den Gemeinden wird beteuert: Die Feuerwehren brauchen für den Katastrophenschutz unbedingt das Bundesheer

Wien - Der Vorstoß des Präsidenten des Bundesfeuerwehrverbandes, Josef Buchta, im Standard, die Blaulichtorganisation könne den gesamten Katastrophenschutz übernehmen, stößt vom Verteidigungsministerium abwärts auf wenig Begeisterung. Stefan Hirsch, Sprecher von Minister Norbert Darabos (SPÖ), rechnet vor, dass das Bundesheer allein im Vorjahr 139.000 Mann-Stunden in Katastropheneinsätzen geleistet habe - vom Brückenbau bei Hochwasser angefangen bis hin zur Bekämpfung von Waldbränden. Hirsch: "Freilich ist der Katastrophenschutz Hauptaufgabe der Feuerwehr - aber das Bundesheer kommt zum Einsatz, wenn die anderen nicht mehr können. Denn keine andere Institution kann über einen längeren Zeitraum eine höhere Mannstärke aufbieten." Dazu komme das Spezialgerät, das das Bundesheer bei Unglücksfällen bereitstelle, wie etwa die Hubschrauber beim Lawinenabgang in Galtür. Ebenso könnte mit der Flotte auch die Bevölkerung eines überschwemmten Gebietes evakuiert werden.

Dass laut Buchta die Feuerwehr ohnehin schon in 90 Prozent der Fälle ausrücke und durch ihre 24-Stunden-Bereitschaft oft schneller am Unglücksort sei, lässt Hirsch als Argument für eine Gesamtüberantwortung nicht gelten: "Das ist kein Schnellheitswettbewerb."

Auch der Präsident des Gemeindebundes, Helmut Mödlhammer, kann sich einen Katastrophenschutz nur mit Beteiligung des Heeres vorstellen. "Die Feuerwehr leistet in 90 Prozent der Fälle hervorragende Arbeit. Bei den restlichen zehn Prozent brauchen wir aber das Heer", sagt er im Standard-Gespräch. Denn da würde die Feuerwehr an "ihre Grenzen stoßen". Was noch dagegensprechen würde: die Kosten. Der Katastrophenschutz sei Aufgabe des Bundes und der Länder. Bei der Feuerwehr ginge das aber dann "zulasten der Gemeinden" - was Mödlhammer ablehnt: "Das geht sicher nicht."

An einer anderen Front erteilen Kenner des Bundesheeres Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) eine Absage. Gerald Karner zu Prölls Vorschlag, den Wehrdienst von sechs auf fünf Monate zu verkürzen: "Da wäre keine fundierte Ausbildung mehr möglich. Auch Erich Reiter, Ex-Sektionschef, sieht darin "keine Behebung des Problems". (Peter Mayr, Nina Weißensteiner, DER STANDARD, Printausgabe, 8.2.2011)

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