Verworrene Verhältnisse

7. Februar 2011, 17:25
posten

Nicolas Dabelstein hat die Bühnenfassung des Romans "Wir alle für immer zusammen" inszeniert

Das Leben kann beschissenen sein. Vor allem wenn die Erwachsenen durchknallen und man erst lernen muss, dass sie selbst auf sich aufpassen müssen. Die elfjährige Polleke, ein frühreifes Mädchen, das dem Spielplatzalter noch nicht entwachsen ist, hat es schwer. Da ist einmal das Verhältnis ihrer Mutter mit ihrem Lehrer. Andererseits, verboten ist es nicht, da sich ihr geliebter Papa Spiek schon lange mit einer anderen Frau aus dem Staub gemacht hat.

Spiek ist Dichter. Er hat aber außer einem Zweizeiler in Pollekes Poesiealbum noch kein Gedicht verfasst. Lieber schlägt er sich als Drogendealer durch. Zu allem Überfluss hat sich noch Pollekes marokkanischer Freund Mimun verabschiedet, da seine Eltern beschlossen, er müsse ein Mädchen aus Marokko heiraten. Verworrene Verhältnisse, ein multikultureller Schulalltag und ein absturzgefährdeter Vater - schnoddrig und mit Wut im Bauch kämpft Polleke gegen die Welt der Erwachsenen, um nicht den Halt zu verlieren.

Guus Kuijer hat mit Polleke eine Mädchenfigur geschaffen, mit ihr fünf Bücher gefüllt und Preise abgeräumt. Die Bühnenfassung des Romans Wir alle für immer zusammen ist in der Inszenierung von Nicolas Dabelstein (ab zehn Jahren) in den Innsbrucker Kammerspielen zu sehen. Ein witziges kurzweiliges Spiel, bei dem vier Schauspieler (Hanno Waldner, Elli Wissmüller, Ulrike Lasta, Thomas Groß) in fünfzehn Rollen schlüpfen. Elena Knapp als Polleke geht nur mit Fantasie als Elfjährige durch. Den Kleinen hat es gefallen. (dns, DER STANDARD - Printausgabe, 8. Februar 2011)

Share if you care.