AOL kauft "Huffington Post"

7. Februar 2011, 17:00
posten

Das einflussreichste Webportal der USA verschmilzt mit dem Internetriesen AOL: Der Deal wird in der Branche als möglicher Markstein für Bezahlmodelle von Nachrichten im Web gewertet

"Fusion der Visionen", schwärmte Arianna Huffington über den Deal. "1 + 1 = 11", addierte ihr neuer Kollege Tim Armstrong in euphorischer Zukunftsalgebra: Der Internetriese AOL erwirbt das Webportal Huffington Post um 231 Millionen Euro.

117 Millionen Besucher

Die HuffPost gehört zu den einflussreichsten Meinungsmachern in den Vereinigten Staaten. Die neue Mediengruppe schafft zusammen 117 Millionen Webseiten-Besucher pro Monat in den USA und soll weltweit 270 Millionen Menschen erreichen, hofft AOL. Analysten ordnen den Zusammenschluss daher schon jetzt als Deal des Jahres ein.

AOL plant den Aufbau einer neuen Mediengruppe. Darin aufgehen sollen die gesamten Internet-Inhalte von AOL. Huffington, die Mitbegründerin der Webzeitung, soll die Gruppe als Präsidentin und Chefredakteurin leiten. Ihre Karriere liest sich als schillernde Erfolgsgeschichte: Die 60-Jährige wurde als Arianna Stassinopoulos in Griechenland geboren. Sie heiratete den republikanischen Kongressabgeordneten und Ölmilliardär Michael Huffington, von dem sie mittlerweile geschieden ist. 2005 gründete Huffington gemeinsam mit Kenneth Lerer und Jonah Peretti die Huffington Post.

Inzwischen zählt die Nachrichtenseite 250 Mitarbeiter. 150 Redakteure gestalten das Medium, das seine Leserschaft mit News und Blogs aus Politik, Wirtschaft, Medien, Lifestyle und Entertainment versorgt. Auf rund 25 Millionen Besucher kommt die Huff damit pro Monat. Längst gehört Medienmacherin Huffington zu den wichtigsten Persönlichkeiten der USA.

"Lichtgeschwindigkeit"

Ihre Visionen "in Lichtgeschwindigkeit" zu verwirklichen hofft Huffington gemeinsam mit dem neuen Partner. Lokale Reichweite und Eigenberichte will sie erhöhen. Für die Branche bedeutet die Fusion einen möglichen Markstein für Bezahlmodelle von Nachrichten im Web: Die Huffington Post finanziert sich über Werbung, ihre Inhalte können User kostenlos nutzen. Einen Gegenentwurf versucht seit einer Woche Rupert Murdoch mit dem kostenpflichtigen iPad-Dienst The Daily um 0,99 Dollar (0,73 Euro) pro Woche.

AOL brachten Fusionen in der Vergangenheit nicht immer Glück. Nach einer Elefantenhochzeit 2001 kam es neun Jahre später zur Abspaltung vom Mediengiganten Time Warner. AOL schrieb Milliardenverluste. Inzwischen ist AOL wieder auf Einkaufstour im Internet: Zuletzt wurde der Technikblog Techcrunch übernommen. (prie, Reuters, DER STANDARD; Printausgabe, 8.2.2011)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Arianna Huffington freut die Fusion der Visionäre ...

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ihre Webzeitung "Huffington Post" verkündet Montag den Verkauf an AOL.

Share if you care.