"Ein Mann von Welt": Den größten Sturschädel belohnt das Leben

7. Februar 2011, 17:09
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Stellan Skarsgård erfährt in der Filmkomödie "Ein Mann von Welt" die Mühen der Resozialisierung

Wien - Den 49-jährigen schwedischen Schauspieler Stellan Skarsgård kennt man in unseren Breiten vor allem, seit er regelmäßig in Hollywood-Megaspektakeln wie Fluch der Karibik oder Mamma Mia! zu sehen ist. Mit der knochentrockenen Komödie Ein Mann von Welt dockt der Hüne mit dem leicht zerknautschten Gesichtsausdruck jedoch an frühere Zeiten an: Der norwegische Regisseur und Autor Hans Petter Moland hat Skarsgård schon in den 90er-Jahren als Trapper in Grönland und als schweren Trinker besetzt. In Ein Mann von Welt / En ganske snill mann betritt der Schauspieler nun in unauffälliger Kluft, mit schütterem Pferdeschwanz und leichtem Gepäck die Erzählung.

Ulrik hat zwölf Jahre im Gefängnis gesessen, weil er den Liebhaber seiner Frau erschossen hat. Sein Umgang dürfte schon damals nicht der allerbeste gewesen sein. Die ersten alten Bezugspersonen, die er nach seiner Entlassung trifft, sind Jensen, ein örtlicher Kleingangster, und dessen Handlanger Rolf. Ein Quartier bekommt Ulrik bei Jensens mürrischer älterer Schwester Karen Margrethe, eine Arbeitsstelle in einer kleinen Autowerkstatt in einem trostlosen Gewerbegebiet. Während Jensen Ulrik im Nacken sitzt, auf dass er ihm einen Verräter aus dem Weg schafft, versucht der Held Kontakt zu seinem erwachsenen Sohn zu finden.

Von Beginn an liegt ein winterlicher Grauschleier über der Handlung und den Bildern. Nordische Melancholiker, wie sie einem bei Aki Kaurismäki oder Roy Andersson schon untergekommen sind, bevölkern diese. Ob Männer oder Frauen - alle sind tendenziell übelgelaunt, unglücklich und unansehnlich. Wenn die verschlurfte Karen Margrethe ihren Rock lüpft und sich auf Ulriks Bett legt, dann leistet dieser der unmissverständlichen Aufforderung trotzdem lieber Folge. Auch sonst ist Ulrik pflichtbewusst und geschmeidig - zumindest so lange sein Gerechtigkeitsempfinden ihn nicht den einen oder anderen taktischen Knochenbruch ausführen lässt.

Auf dem Grau-in-Grau gehaltenen englischen Plakat zum Film wird Ein Mann von Welt als "dark feel good comedy" angepriesen. Allerdings kommt der Film - von der gern bemühten Weitwinkeloptik abgesehen - weitgehend ohne die charakteristischen, plakativen Verzerrungen und Überzeichnungen aus. Eher neigt er zur konsequenten Unterspielung. Wenn man Leuten nur lange genug unbeirrt dabei zusieht, wie sie sehr wenig oder gar nichts tun, dann kann das bekanntlich auch Komik entfalten.

Tanzen mit sich selbst

Außerdem hat Ein Mann von Welt seine schrecklichen Figuren irgendwie alle lieb. Und manchmal räumt er seinem äußerst teamfähigen Star auch kleine Szenen ein, in denen dieser ganz bei und für sich sein darf. Dann erhellt Ulrik sein hässliches Souterrainzimmer mit dem Glück eines einsamen, etwas eckigen Tänzchens. Oder er sitzt allein im Auto und lacht und lacht immer lauter - gemeinsam mit seiner Familie, die draußen vorbeigeht und ihn gar nicht sieht. (Isabella Reicher, DER STANDARD - Printausgabe, 8. Februar 2011)

  • Ein Mann kommt raus: Ulrik (Stellan Skarsgård) muss sich erst wieder als
 "Ein Mann von Welt" beweisen.
    foto: polyfilm

    Ein Mann kommt raus: Ulrik (Stellan Skarsgård) muss sich erst wieder als "Ein Mann von Welt" beweisen.

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